Budapest, die Hauptstadt, in der man im Winter badet
Es ist 8:00 Uhr morgens, die Luft ist bei minus fünf Grad klirrend kalt, und doch spielen etwa zehn Budapester seelenruhig Schach, bis zu den Schultern in einem dampfenden Becken unter freiem Himmel. Neobarocke Säulen in blassem Gelb, der Geruch von Schwefel vermischt sich mit dem aufsteigenden Dampf. Das ist die ungarische Hauptstadt: ein Ort der extremen Kontraste, zwischen imperialer Größe und entspanntem Alltag, zwischen prunkvollen Fassaden und mit Graffiti verzierten Innenhöfen.
Die richtige Wahl für dich?
Wenn du morgens kulturelle Besichtigungen mit nachmittäglichen Stunden in Thermalbädern und lebhaften Abenden in unkonventionellen Bars verbinden möchtest, ist diese Stadt genau dein Ziel. Drei Tage reichen aus, um das Wesentliche zu erfassen, fünf Tage, um den Rhythmus der Stadt wirklich zu genießen.
Ideal für:
- Architektur- und Geschichtsfans, vom Jugendstil bis zur Neugotik
- Liebhaber von Thermalbädern und Wellness, mit über 120 heißen Quellen
- Nachtschwärmer und Freunde kreativer Nightlife-Konzepte
- Reisende mit moderatem Budget, die eine zugängliche europäische Metropole suchen
Weniger geeignet für:
- Menschen, die Menschenmassen meiden: Die Thermen und das Zentrum sind besonders im Sommer stark besucht
- Strandurlauber und Fans unberührter Natur: Budapest ist eine urbane Destination
Ein moderates Budget für eine europäische Hauptstadt
Die Landeswährung ist der ungarische Forint. Kartenzahlung ist fast überall möglich, wähle aber beim Terminal immer die Zahlung in Forint, nie in Euro, um schlechte Wechselkurse zu vermeiden. Meide die Euronet-Geldautomaten, die für ihre hohen Gebühren bekannt sind.
| Ausgaben | Richtwert |
|---|---|
| Übernachtung im Hostel | 10 bis 20 Euro |
| Übernachtung im 3-Sterne-Hotel, Zentrum | 60 bis 110 Euro |
| Kleiner Imbiss | 3 bis 6 Euro |
| Restaurantbesuch | 10 bis 20 Euro |
| Transport + eine Aktivität | 10 bis 25 Euro |
| Tagesbudget Backpacker | 30 bis 50 Euro |
| Tagesbudget komfortabel | 80 bis 130 Euro |
Praktische Tipps: Was dich erwartet
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind hervorragend: 4 Metrolinien, 40 Straßenbahnlinien und über 200 Buslinien. Pest lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Die Stadt ist sicher, wenn man die üblichen Vorsichtsmaßnahmen für europäische Großstädte beachtet. Vorsicht vor klassischen Betrugsmaschen in Bars, bei denen Fremde Männer einladen und später eine völlig überzogene Rechnung präsentieren.
Ungarisch ist eine komplexe Sprache, die mit den Nachbarsprachen kaum verwandt ist, aber in touristischen Gebieten und bei der jüngeren Generation kommst du mit Englisch meist sehr gut weiter.
Buda: Die königliche Seite und ihre Aussicht
Auf der Westseite konzentriert sich auf dem Burgberg das imperiale Erbe. Die Standseilbahn fährt hinauf zum Várhegy, wo gepflasterte Gassen zum Königspalast und zur Matthiaskirche führen, die an ihrem bunten Ziegeldach leicht zu erkennen ist. Direkt daneben bietet die Fischerbastei das meistfotografierte Panorama der Stadt.
Tipp vom Experten: Komm vor 8:00 Uhr morgens, um die Bastion fast für dich allein zu haben. Ab 9:30 Uhr strömen die Reisegruppen herbei.
Weiter südlich überragt der Gellért-Berg den Fluss. Am Fuße des Berges liegen die Gellért-Thermen, ein Jugendstil-Meisterwerk mit Mosaiken und Buntglasfenstern. Für eine intimere Atmosphäre bieten das türkische Rudas-Bad und seine osmanische Kuppel aus dem 16. Jahrhundert nächtliche Badezeiten mit Blick auf die Donau.
Pest: Von großen Boulevards zu Ruinenbars
Die Straßenbahnlinie 2, die am Fluss entlangfährt, bietet eine der spektakulärsten Stadtrundfahrten Europas zum Preis eines normalen Einzeltickets. Die St.-Stephans-Basilika beeindruckt mit ihrem 360-Grad-Panorama von der Kuppel aus. Das Parlament mit seinen neugotischen Türmen verkörpert die Pracht des ehemaligen österreichisch-ungarischen Reiches.
Die zum Weltkulturerbe zählende Andrássy út führt zum Heldenplatz und weiter zum Park Városliget, wo die Széchenyi-Thermen, der größte Thermalbadkomplex Europas, in einer gelben Palastkulisse auf dich warten.
Tipp vom Experten: Buche deine Tickets für die Széchenyi-Thermen vorab online, vor allem zwischen Mai und September. Ohne Reservierung musst du mit einer Stunde Wartezeit rechnen.
Erzsébetváros: Geschichte und Lebensfreude
Im 7. Bezirk befindet sich die Große Synagoge in der Dohány-Straße, eine der größten weltweit. In der direkten Umgebung wurden die Innenhöfe verfallener Gebäude in Bars und Galerien verwandelt: die berühmten Ruin Pubs. Der bekannteste, das Szimpla Kert, zieht abends Menschenmassen an, aber in den angrenzenden Gassen finden sich deutlich ruhigere Ecken.
Tipp vom Experten: Besuche das Szimpla Kert am Sonntagmorgen statt am Abend. Dann findet dort ein Markt mit lokalen Erzeugern statt, die Honig, Marmelade und handwerklichen Käse anbieten. Die Stimmung ist dann eine völlig andere.
Essen und Trinken in Budapest
Die ungarische Küche ist herzhaft und würzig. Das Gulyás, eine dicke Suppe mit Rindfleisch und Paprika, ist das Nationalgericht. Probiere auch Pörkölt und Lángos, ein frittiertes Fladenbrot mit Knoblauchcreme und Käse, das der Star auf jedem Markt ist. Die Kürtőskalács, am Spieß gebackene Baumstriezel mit Zimt, duften ab dem Herbst durch die Straßen.
Was Getränke angeht, sind die Weißweine aus Tokaj und die Rotweine aus Eger einen Versuch wert. Die Café-Szene schwankt zwischen historischen literarischen Kaffeehäusern und Kaffeeröstereien der dritten Welle.
Übernachten in Budapest
Belváros ist die zentralste Wahl. Erzsébetváros ist ideal, wenn du das Nachtleben direkt vor der Tür haben willst. Auf der Seite von Buda ist die Atmosphäre wohnlicher und ruhiger, was besonders Familien anspricht. Ferienwohnungen sind bei Aufenthalten von mehr als drei Nächten oft die günstigere Wahl.
Anreise nach Budapest
Von Deutschland aus dauert der Flug etwa 2h15. Airlines wie Air France, Wizz Air, Ryanair und easyJet bedienen die Strecke, oft mit günstigen Hin- und Rückflügen bei frühzeitiger Buchung. Von Wien oder Bratislava aus erreichen dich Busse von FlixBus oder Züge von RegioJet in 2h30 bis 3h.
Vom Flughafen Ferenc Liszt bringt dich der Expressbus 100E in 35 Minuten für etwa 2.200 HUF ins Zentrum. Dieser Bus ist nicht in den normalen Tagestickets enthalten. Uber und Bolt sind ebenfalls verfügbar.
Unterwegs in Budapest
Pest kann man sehr gut zu Fuß erkunden. Für längere Strecken ist das Netz aus Metro, Straßenbahn und Bus dicht und zuverlässig. Ein Einzelticket kostet etwa 450 HUF, das Tagesticket 2.500 HUF. Über die App Budapest GO kannst du Tickets kaufen, oft zu vergünstigten Preisen.
Uber und Bolt funktionieren in der Stadt gut und bleiben preiswert. Vermeide es, Taxis auf der Straße heranzuwinken, und bestelle sie stattdessen immer per App. Ein eigenes Auto ist in der Stadt überflüssig.
Wann ist die beste Reisezeit?
Frühling und Herbst sind die besten Reisezeiten: mildes Klima, schöne Farben und moderate Besucherzahlen. Der Winter bietet eine einzigartige Atmosphäre mit Weihnachtsmärkten und dampfenden Bädern im Schnee. Die Hitzewellen im Juli und August, oft über 35 Grad, solltest du nach Möglichkeit meiden.
Es ist nicht schlecht, und es ist eine wirklich interessante Stadt. Ich werde keinen Kommentar zur aktuellen politischen Ausrichtung des Landes abgeben (das ist nicht so mein Ding, damit ist das gesagt!), aber die Geschichte des Landes ist wirklich spannend. Übrigens hat Mate, ein lokaler Guide, der über Civitatis kostenlose Stadtführungen organisiert (man zahlt auf Trinkgeldbasis), uns das Ganze gut zusammengefasst: eine ziemlich tragische Abfolge von Invasoren, die von anderen Befreiern beziehungsweise Invasoren vertrieben wurden, welche die Stadt jedes Mal dem Erdboden gleichmachten, um das Gebiet in Besitz zu nehmen. Ich fand das faszinierend, und es erklärt, warum die ältesten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert stammen. Zum Beispiel ist der ehemalige Habsburgerpalast ein Wiederaufbau, der übrigens noch nicht ganz fertiggestellt ist.
Also:
- Eine Stadt, deren Architektur Sie mit prachtvollen Jugendstil- und Art-Déco-Bauten überraschen wird, die neben Bausünden aus der Sowjetära stehen.
- Sympathische Thermalbäder zum Entspannen, sogar im Freien im April, da die Becken beheizt sind (Vorsicht, das große Außenbecken des Széchenyi-Bads wird bis Juni renoviert).
- Eine Küche, die nicht sehr abwechslungsreich ist, aber gut sättigt (ich denke da vor allem an Gulasch und Langos).
- Das Konzept der Ruinenbars, die sich auch anderswo in Europa verbreitet haben, aber wirklich überraschend sind: eine Mischung aus Biergarten, Nachtclub und Künstlerloft.