Wien, die Hauptstadt, die besser altern gelernt hat als alle anderen
Ein Cellist stimmt sein Instrument unter dem Portikus des Stephansdoms, die ersten Düfte von Kaffee und frischen Brioches steigen aus den umliegenden Bäckereien auf und die Straßenbahnen gleiten lautlos über die Schienen der Ringstraße.
Wien wacht nicht einfach auf, sondern knüpft nahtlos dort an, wo es am Vortag aufgehört hat. Als Hauptstadt von Österreich mit zwei Millionen Einwohnern und regelmäßigen Spitzenplätzen in globalen Rankings zur Lebensqualität trägt sie ihr kaiserliches Erbe mit einer Lässigkeit, die nur wenige europäische Metropolen für sich beanspruchen können.
Die lebenswerteste Stadt Europas, aber für welchen Reisetyp?
Wien ist keine Stadt für Adrenalinkicks. Weder besitzt sie die Hektik von Berlin noch das ausschweifende Nachtleben von Barcelona. Ihre Stärke liegt in einer gelassenen Lebensart, einer außergewöhnlichen kulturellen Dichte und einem Sinn für Details, der sich erst bei längerem Aufenthalt erschließt. Dies ist ein Ort, an dem man sich Zeit nimmt und ein Nachmittag in einem jahrhundertealten Kaffeehaus ein absolut sinnvolles Programm darstellt.
Geeignet für:
- Kunst-, Klassik- und Architekturliebhaber
- Paare auf der Suche nach einem eleganten und romantischen Städtetrip
- Familien mit Kindern, die interaktive Museen mögen
- Fans der traditionellen mitteleuropäischen Küche
- Alleineisende, die eine sichere und überschaubare Stadt schätzen
Ungeeignet für:
- Reisende, die wilde Partys und exzessives Nachtleben suchen
- Urlauber, die sich in Museen schnell langweilen
- Fans von Stränden und mediterranem Klima
- Sehr kleine Budgets: Die Stadt bleibt eine westeuropäische Hauptstadt
Ein vernünftiges Budget für eine westeuropäische Hauptstadt
Die gute Nachricht ist, dass Wien spürbar günstiger ist als Paris, London oder Zürich. Das öffentliche Verkehrsnetz ist hervorragend und bezahlbar, und abseits der Touristenfallen im ersten Bezirk lässt sich zu fairen Preisen sehr gut essen.
| Ausgaben | Preisspanne |
|---|---|
| Übernachtung in der Jugendherberge (Mehrbettzimmer) | 15 bis 30 €* |
| Komfortables Hotel (3 Sterne, Doppelzimmer) | 90 bis 140 €* |
| Snack auf die Hand (Imbiss, Falafel, Markt) | 5 bis 9 €* |
| Restaurantbesuch (Hauptgericht und Getränk) | 15 bis 25 €* |
| Öffentliche Verkehrsmittel und eine Aktivität pro Tag | 10 bis 25 €* |
| Tagesbudget für Backpacker | 55 bis 80 €* |
| Komfort-Tagesbudget | 130 bis 180 €* |
Eine entspannte Stadt, selbst für die erste Reise
Praktisch gesehen ist Wien unkompliziert. Das historische Zentrum ist kompakt und autofrei, U-Bahnen und Straßenbahnen laufen wie ein Uhrwerk und die Stadt belegt in globalen Rankings zu Sicherheit und Lebensqualität regelmäßig vordere Plätze. Englisch wird in Geschäften und Restaurants problemlos verstanden.
Das Klima ist kontinental: Die Winter sind kalt mit gelegentlichem Schneefall, die Sommer warm, aber selten erdrückend. Eine kleine kulturelle Eigenheit ist, dass die Wiener großen Wert auf Ruhe und das Einhalten von Regeln legen. Bei Rot wird nicht gegangen und nach 22:00 Uhr gilt Nachtruhe. Das ist keine Unfreundlichkeit, sondern ein sozialer Kodex, den man beachten sollte, um sich problemlos einzufügen.
Das kaiserliche Zentrum: Innere Stadt und die Ringstraße
Der Rundgang beginnt am besten im ersten Bezirk, der Inneren Stadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Dies ist das pulsierende Herz der Metropole. Der Stephansdom ragt mit seinem bunten Ziegeldach und dem 136 Meter hohen Südturm in den Himmel. Wer die 343 Stufen erklimmt, wird mit einem weiten Blick belohnt.
Rund um den Dom offenbaren Fußgängerzonen die Hofburg, die über sechs Jahrhunderte lang die Residenz der Habsburger war. Der Komplex ist riesig und umfasst die Kaiserapartments, die Schatzkammer, die Nationalbibliothek und die Spanische Hofreitschule. Hier lässt sich ein ganzer Tag verbringen, ohne denselben Raum zweimal zu sehen.
Ein Tipp unter Freunden: Nimm nicht den teuren City Airport Train, um vom Flughafen in die Stadt zu kommen. Die S-Bahn S7 fährt in 25 Minuten zum Bahnhof Wien Mitte für 4,40 €*, was nur einen Bruchteil des CAT-Preises bei gerade einmal 9 Minuten längerer Fahrzeit ausmacht.
Die Ringstraße umschließt das historische Zentrum auf fast 5 km Länge. Der monumentale Boulevard, den Kaiser Franz Joseph I. im Jahr 1857 anlegte, vereint das Staatstoper, das Parlament, das Rathaus, das Burgtheater und das Kunsthistorische Museum, das mit Meisterwerken von Vermeer, Caravaggio und Bruegel zu den weltweit bedeutendsten Museen für alte Kunst zählt.
Neubau und Spittelberg: das moderne Wien
Ein Abstecher in den 7. Bezirk nach Neubau sorgt für einen sofortigen Wandel der Atmosphäre. Barocke Fassaden treffen hier auf Designerboutiquen, unabhängige Kaffeeröstereien und Galerien für zeitgenössische Kunst. Es ist das kreative Viertel der Stadt, in dem sich junge Wiener am Abend treffen.
Das Mikroquartier Spittelberg hat mit seinen sechs kopfsteingepflasterten Gassen und restaurierten Biedermeierhäusern als einer der wenigen Orte in Wien seinen Charme aus dem 18. Jahrhundert bewahrt. Samstags findet hier ein kleiner Handwerksmarkt statt, während der Christkindlmarkt im Dezember zu den stimmungsvollsten der Stadt gehört.
Das MuseumsQuartier liegt direkt am Rande von Neubau. In den ehemaligen kaiserlichen Marställen sind heute das Leopold Museum mit zahlreichen Werken von Schiele und Klimt sowie das Museum für moderne Kunst (MUMOK) untergebracht. Schon der Innenhof mit seinen bunten Sitzmöbeln lohnt einen Besuch, sobald die ersten Sonnenstrahlen herauskommen.
Paläste und Parks: das Erbe der Habsburger
Das Schloss Schönbrunn ist mit seinen 1.441 Zimmern und weitläufigen Gärten das Wiener Pendant zu Versailles. Die ehemalige Sommerresidenz der Habsburger beeindruckt durch ihre schiere Größe und die detailreichen Barockräume. Dafür sollte man mindestens einen halben Tag einplanen.
Zentraler gelegen ist das Schloss Belvedere, das allein wegen eines Hauptwerks einen Besuch wert ist: Der Kuss von Gustav Klimt hängt hier. Der Eintritt lohnt sich allein für dieses Gemälde, doch auch die übrige Sammlung österreichischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts ist sehenswert, und die terrassierten Gärten eröffnen einen fantastischen Blick auf die Skyline.
Zum Durchatmen bietet sich der Prater an, ein weitläufiges Naherholungsgebiet mit dem berühmten Riesenrad aus dem Jahr 1897. Der Stadtpark wiederum lockt mit dem goldenen Johann-Strauss-Denkmal und schattigen Wegen entlang des Wienflusses.
Wein, Reben und Heurige: das Wien, das Reiseführer oft vergessen
Dies ist vielleicht die überraschendste Facette der Stadt: Wien verfügt über rund 700 Hektar Weinberge innerhalb der Stadtgrenzen. Nur wenige Hauptstädte weltweit können das von sich behaupten. Die wichtigste Rebsorte ist der Gemischte Satz, bei dem verschiedene Traubensorten gemeinsam in einem Weinberg kultiviert werden.
Die Heurigen, traditionelle Weinlokale, in denen die Winzer ihren eigenen Wein zusammen mit Aufstrichen und Käse servieren, sind eine Wiener Institution. Die besten Adressen konzentrieren sich in den Stadtteilen Grinzing, Neustift am Walde und Nussdorf, die mit der Straßenbahn in unter 30 Minuten aus dem Zentrum erreichbar sind.
Ein Tipp unter Freunden: Meide die bekannten Heurigen in Grinzing am Wochenende, da diese oft von großen Reisegruppen frequentiert werden. Besser aufgehoben ist man an einem Wochentag in Neustift am Walde, wo die Atmosphäre deutlich lokaler geprägt ist. Die Buslinie 35A ab Heiligenstadt bringt dich direkt dorthin.
Das ist das Erlebnis, das wir in Wien am meisten empfehlen: Ein Herbstabend in einem Heurigen, ein Glas Grüner Veltliner in der Hand und die weinbedeckten Hügel im Hintergrund bleiben als Erinnerung garantiert haften.
Wo man in Wien essen und trinken kann
Die Wiener Küche ist deftig, großzügig und kalorienreich. Das Wiener Schnitzel aus paniertem Kalbfleisch ist der unangefochtene Klassiker. Die Variante im Figlmüller in der Wollzeile ragt weit über den Tellerrand hinaus. Bei den Süßspeisen dauert der ewige Wettstreit zwischen dem Hotel Sacher und dem Demel um die beste Sachertorte bis heute an.
Auch ein traditioneller Apfelstrudel gehört zu jedem Besuch dazu, am besten in einem der historischen Kaffeehäuser der Stadt. Die Kaffehauskultur ist seit 2011 Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes. Das Café Central und das Café Sperl sind die bekanntesten, aber auch am stärksten besucht.
Ein Tipp unter Freunden: Wer das Wiener Kaffeehausflair ohne Warteschlange erleben möchte, probiert das Café Jelinek im 6. Bezirk oder das Kleines Café nahe dem Stephansplatz. Bestelle am besten einen Melange, das lokale Pendant zum Cappuccino, der traditionell auf einem Silbertablett serviert wird.
Der Naschmarkt und die lokalen Märkte
Der über einen Kilometer lange Naschmarkt ist der größte Lebensmittelmarkt der Stadt. Hier findet man Gewürze, Käse, Fisch und Imbissstände aus aller Welt. Die Preise liegen hier allerdings deutlich über Supermarktniveau. Für den Alltagseinkauf bieten die Discounter und Supermärkte wie Hofer und Billa ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Brunnenmarkt im 16. Bezirk ist bodenständiger und weniger touristisch.
Wie kommt man nach Wien?
Der Flughafen Wien-Schwechat liegt 18 km südöstlich der Stadt. Die S-Bahn S7 bringt Reisende in 25 Minuten zum Bahnhof Wien Mitte für rund 4,40 €*. Der CAT (City Airport Train) ist schneller, aber teurer und dauert 16 Minuten. Eine Taxifahrt kostet um die 30 €*.
Aus Frankreich und dem restlichen Europa
Zahlreiche Fluggesellschaften verbinden Paris, Lyon oder Marseille in rund zwei Stunden mit Wien. Günstige Flüge ab Frankreich sind oft gut verfügbar. Der Wiener Hauptbahnhof ist zudem ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt: Mit dem Zug erreicht man München in 4 Stunden, Prag in 4 Stunden, Budapest in 2:30 Stunden und Bratislava über Regionalverbindungen in knapp einer Stunde.
Ein kluger Tipp: Wer bei Flügen nach Wien sparen möchte, prüft die Verbindungen nach Bratislava. Die slowakische Hauptstadt ist nur eine Stunde von Wien entfernt und die Flugtickets dorthin sind oft günstiger.
Wie kommt man in Wien von A nach B?
Wien lässt sich hervorragend zu Fuß erkunden, besonders im Zentrum. Für längere Strecken ist das Netz aus U-Bahn, Straßenbahn und Bus schnell, sauber und zuverlässig. Ein Einzelticket kostet 2,40 €*, eine 24-Stunden-Karte schlägt mit 8 €* zu Buche und das Wochenticket kostet 17,10 €*. Die App WienMobil fasst Fahrplanauskünfte und Ticketkauf zusammen.
Ein Auto wird in der Stadt nicht benötigt, da in nahezu allen zentralen Bezirken Parkgebühren anfallen. Uber ist in Wien aktiv und auch die regulären Taxis sind zuverlässig. Für eine Fahrt innerhalb des Zentrums fallen etwa 10 bis 15 €* an.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die empfehlenswertesten Monate sind der Frühling von April bis Juni, wenn die Gärten blühen und das Wetter mild ist, sowie der frühe Herbst im September und Oktober, ideal für die Weinlese bei den Heurigen und Spaziergänge in den herbstlich gefärbten Parks. Der Sommer bringt Wärme und Open-Air-Festivals, aber auch mehr Besucher.
Der Wiener Winter ist kalt und bisweilen eisig, doch die Christkindlmärkte und die Konzertsaison an der Staatsoper und im Musikverein machen die Stadt für Kulturbegeisterte zu dieser Zeit besonders reizvoll. Wer Kälte meidet, sollte Januar und Februar eher meiden, da die Temperaturen dann regelmäßig unter den Gefrierpunkt fallen.
Ich war von meinem Besuch in Wien wirklich begeistert, auch wenn ich nur ein paar Tage dort geblieben bin. Die Kultur ist dort allgegenwärtig. Wenn Sie Museen und Monumente mögen, dann nichts wie hin. Die Architektur ist großartig und gut erhalten. Wien ist für eine europäische Hauptstadt eine sehr saubere Stadt, das hat mich angenehm überrascht.