Schönbrunn, das Versailles der Habsburger, wo noch heute Mozart nachklingt
Ein sechsjähriges Kind spielt Cembalo im Spiegelsaal. Der kaiserliche Hof hält den Atem an. Wir schreiben das Jahr 1762 und der junge Mozart hat gerade sein erstes Konzert vor Kaiserin Maria Theresia gegeben. Dieses Schloss mit seinen 1.441 Räumen sah die Geburt von Kaisern, empfing Napoleon als Hauptquartier und diente als Kulisse für das tragische Schicksal von Sisi.
Drei Jahrhunderte europäischer Geschichte konzentrieren sich hier zwischen ockergelben Mauern und Gärten, die bis zum Horizont reichen.
Warum Schloss Schönbrunn besuchen?
Als Sommerresidenz der Habsburger seit 1696 übertrifft dieses Rokoko-Schloss, das seit 1996 zum Unesco-Welterbe gehört, viele europäische Königssitze an Größe und Pracht. Kaiser Franz Joseph wurde hier 1830 geboren und hauchte hier 86 Jahre später sein Leben aus. Zwischen diesen Wänden wurden Entscheidungen getroffen, die Europa prägten, oft zwischen zwei Walzern und höfischen Intrigen.
Das Anwesen erstreckt sich über 160 Hektar. Vierzig Räume sind für die Öffentlichkeit zugänglich, jeder zeugt von der kaiserlichen Vorliebe für Vergoldungen, Böhmische Kristallleuchter und orientalische Lackarbeiten. Die Gärten, seit 1779 frei zugänglich, bieten Brunnen, geometrische Sichtachsen und einen Hügel, der von der Gloriette gekrönt wird.
Die Räume, die das Imperium erzählen
Das Millionenzimmer und die chinesischen Kabinette
Die Rosenholz-Vertäfelungen im Millionenzimmer zählen zu den kostbarsten Europas. Maria Theresia ließ dort persische und indische Miniaturen in goldene Rahmen von seltener Feinheit einfügen. Die angrenzenden chinesischen Kabinette offenbaren mit ihren schwarzen Lackarbeiten und Paneelen aus bemalter Seide die damalige Faszination für den Orient. Diese Räume lassen sich bei der Standardtour durch Glastüren betrachten.
Das Vieux-Laque-Zimmer und das Andenken an eine verlorene Liebe
Dieser intime Raum besticht durch seine melancholische Atmosphäre. Maria Theresia ließ ihn nach dem Tod ihres Gemahls im Jahr 1765 als Hommage umgestalten. Die asiatischen Lackpaneele mit ihren dunklen Reflexen und die Familienporträts bilden einen starken Kontrast zur Opulenz der anderen Säle. Viele Besucher eilen hastig in Richtung der Großen Galerie, doch dies ist einer der bewegendsten Orte im Schloss.
Die Große Galerie und die Appartements von Franz Joseph
Dieser 40 Meter lange Ballsaal mit seinen freskengeschmückten Decken war Schauplatz des Wiener Kongresses von 1814 bis 1815. Der Kontrast zum Schlafzimmer von Franz Joseph ist bemerkenswert: ein schmales Eisenbett in einer Ecke, ein schlichter Betstuhl daneben. Der Kaiser arbeitete bereits ab vier Uhr morgens und schlief allein, seinem Reich ebenso ergeben wie seiner Sisi, die den Hof so oft sie konnte mied.
Tipp vom Experten: Kommen Sie pünktlich zur Öffnung um 8:30 Uhr und nutzen Sie das Hietzinger Tor anstelle des Haupteingangs. Reisegruppen treffen meist ab 10:30 Uhr ein, wodurch die Große Galerie oft überlaufen ist. Dienstags und mittwochs ist es in der Regel am ruhigsten.
Die Gärten und der Aufstieg zur Gloriette
Der Park öffnet bereits um 6:30 Uhr, lange vor dem Schloss. Die Lindenalleen, die geometrischen Beete des Großen Parterres und der Neptunbrunnen lohnen einen Besuch in der frühen Morgenstunde, wenn das flache Licht lange Schatten auf die Skulpturen wirft. Die Römische Ruine und der Obelisk, die im 18. Jahrhundert als dekorative Gartenarchitektur errichtet wurden, sind unerwartete Entdeckungen abseits der Hauptwege.
Der Aufstieg zur Gloriette dauert etwa eine Viertelstunde. Diese neoklassizistische Kolonnade, die 1775 zur Feier eines militärischen Sieges von Maria Theresia erbaut wurde, bietet einen weiten Blick auf das Schloss, die Blumenbeete und die Dächer von Wien in der Ferne. Das Café im mittleren Bogen serviert die Sisitorte, eine Mandel-Orangen-Torte zu Ehren der Kaiserin.
Nicht verpassen im Park:
- Das Labyrinth samt angrenzendem Spielplatz
- Das Palmenhaus, eine monumentale Gewächshauskonstruktion aus Eisen und Glas im viktorianischen Stil
- Der Tiergarten Schönbrunn, 1752 gegründet und der älteste noch bestehende Zoo der Welt
- Der Kronprinzengarten, zugänglich mit einem separaten Ticket, für seine französischen Gartenanlagen
Weitere Erlebnisse
Die Kaiserliche Wagenburg, untergebracht in den ehemaligen Stallungen, zeigt die Fahrzeuge, die Sisi und europäische Würdenträger transportierten. Der mit Blattgold überzogene Krönungswagen beeindruckt durch seine schiere Größe. Das Marionettentheater im linken Schlossflügel bewahrt eine Tradition des 18. Jahrhunderts mit Aufführungen von Mozarts Zauberflöte. Am Abend finden in der Orangerie klassische Konzerte statt, bei denen Werke von Mozart und Strauss in eben jenem Rahmen erklingen, in dem die Komponisten einst selbst auftraten.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
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