Puteaux, das andere Gesicht von Paris
Direkt am Fuß der Hochhäuser von La Défense trotzt eine kleine Kirche aus dem 16. Jahrhundert dem Lauf der Zeit. Dieses Bild bringt Puteaux auf den Punkt: eine Stadt, die ihre Wurzeln bewahrt hat, während sie gleichzeitig zum Vorhof des größten Geschäftsviertels Europas wurde. Hier wechselt man ohne Umwege von einem jahrhundertealten Rosengarten zu einem Freiluftmuseum für zeitgenössische Kunst oder von einer Mühle aus dem Jahr 1648 zu Wolkenkratzern aus Glas und Stahl.
Ein unerwarteter Zwischenstopp vor den Toren von Paris
Geben wir es direkt zu: Nur wenige Touristen planen einen Besuch in Puteaux ein. Die 45.000 Einwohner zählende Stadt dient meist nur als Anlaufpunkt für Pendler, die in La Défense arbeiten, oder als preiswertere Unterkunftsalternative zu Paris. Das ist ein Fehler. Diese Stadt im Département Hauts-de-Seine bietet eine willkommene Atempause zwischen zwei Pariser Besichtigungen, mit ihren Ufern an der Seine, einer grünen Insel und einem weitgehend unbekannten kulturellen Erbe.
Wer Hochhäuser und Beton nicht mag, wird mit der direkten Umgebung von La Défense kaum warm werden. Wer jedoch Kontraste, moderne Architektur und Spaziergänge am Wasser schätzt, sollte Puteaux ein paar Stunden widmen. Das Auto kannst du getrost stehen lassen, denn die Stadt ist durch Metro und Straßenbahn hervorragend angebunden.
Moderates Budget für die Region Paris
Für ein ordentliches Hotel solltest du mit 80 bis 150 Euro pro Nacht rechnen, was günstiger als im Pariser Stadtzentrum ist. Eine Mahlzeit im Restaurant kostet je nach Anspruch zwischen 15 und 40 Euro. Der Zugang zum Dach der Grande Arche kostet 18 Euro, doch die meisten anderen Sehenswürdigkeiten sind kostenfrei zugänglich.
Die Île de Puteaux und ihre geheimen Gärten
Nur wenige Pariser kennen diese zwei Kilometer lange Insel, die zwischen Puteaux und Neuilly-sur-Seine liegt. Der Parc Lebaudy, 1942 von der Witwe eines Zuckerindustriellen vermacht, beherbergt einen Rosengarten mit 1.600 Rosenstöcken, die sich auf 200 Sorten verteilen. Die Rose de Puteaux, auch als Rosa Damascena bekannt, gedeiht hier noch immer. Im 19. Jahrhundert kauften Parfümeure wie Coty sie wegen ihres betörenden Duftes.
Die beste Zeit für einen Besuch des Rosengartens ist von Mai bis Juni, wenn die Blüten in allen Farben leuchten. Den Rest des Jahres bleibt der Park eine Oase der Ruhe mit seinem Musikpavillon, einem Sportparcours und einer Blumenwiese für Schmetterlinge. Bienenstöcke produzieren zudem jedes Jahr einen Honig, der nur in begrenzter Menge verkauft wird.
Tipp für Genießer: An Sommer-Sonntagnachmittagen finden kostenlose Konzerte im Pavillon des Parks statt. Komm früh, um noch einen Platz auf den Bänken zu ergattern.
La Défense, ein Museum unter freiem Himmel
Das Geschäftsviertel, das sich über Puteaux, Courbevoie und Nanterre erstreckt, überrascht viele Besucher. Hinter den Glasfassaden säumen mehr als 60 zeitgenössische Kunstwerke die Esplanade. Die 15 Meter hohe Araignée Rouge von Alexander Calder steht hier neben den Personnages Fantastiques von Joan Miró und dem berühmten Pouce von César, einer 12 Meter hohen Nachbildung eines menschlichen Daumens.
Das Bassin de Takis schließt das Areal im Osten mit seinen rätselhaften metallischen Signalen ab, die im Wasser stehen. Die Cheminée de Moretti, eine 32 Meter hohe Säule aus farbigen Glasfasern, wird nachts spektakulär beleuchtet. Alle diese Werke sind jederzeit frei zugänglich.
Der Höhepunkt ist der Aufstieg auf das Dach der Grande Arche. Der Panorama-Aufzug bringt dich auf 110 Meter Höhe. Von dort oben entfaltet sich die sogenannte Axe historique direkt vor dir: Der Arc de Triomphe, die Champs-Élysées und der Louvre bilden eine perfekte Linie. Bei klarem Wetter reicht der Blick sogar bis zum Eiffelturm.
Das alte Puteaux und sein vergessenes Erbe
Nur wenige Gehminuten von La Défense entfernt bewahrt das historische Zentrum von Puteaux diskrete Schätze. Die Kirche Notre-Dame-de-Pitié, die als historisches Monument unter Denkmalschutz steht, stammt aus dem Jahr 1523. Ihre Glasfenster aus dem 16. Jahrhundert haben Kriege und riskante Renovierungen überstanden. Der Glockenturm, der 2012 neu errichtet wurde, erinnert an jenen, den Jean-Baptiste Lully im 17. Jahrhundert zum Klingen brachte.
Das Hôtel de Ville, das 1934 eingeweiht wurde, ist allein schon wegen seiner Art-déco-Architektur von Jean und Édouard Niermans einen Besuch wert. Die Schmiedearbeiten von Raymond Subes, das Fresko von Louis Bouquet im Treppenhaus und die Mosaikparkettböden zeugen von einer längst vergangenen Handwerkskunst. Der Zugang ist während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung frei.
Auf den Anhöhen überragt die Moulin de Chantecoq seit 1648 die Stadt. Diese Windmühle, die älteste der Hauts-de-Seine, mahlte zwei Jahrhunderte lang Getreide für die Bewohner, bevor sie zu einer Fabrik für Druckerschwärze wurde. Der nahegelegene Jardin des Vignes setzt die Weinbautradition von Puteaux mit seinen 170 Chardonnay-Rebstöcken fort. Jeden Herbst wird aus der Ernte die Cuvée Clos Chantecoq gekeltert.
Wo essen und trinken in Puteaux?
Die gastronomische Adresse der Stadt ist L'Escargot 1903. Das traditionsreiche Haus, das heute von Küchenchef Yannick Tranchant geführt wird, ist im Guide Michelin verzeichnet. Seine intuitive, großzügige und kreative Küche verarbeitet saisonale Produkte in einem eleganten Ambiente mit schattiger Terrasse. Für das Mittagsmenü solltest du 55 Euro einplanen. Da die Geschäftsleute aus La Défense hier gerne einkehren, ist eine Reservierung ratsam.
Für ein einfacheres Essen bietet L'Andouille französische Bistro-Küche in einer renovierten alten Brasserie. Im Einkaufszentrum Les Quatre Temps gibt es zudem zahlreiche Möglichkeiten für einen schnellen Happen. Die Märkte am Donnerstag und Sonntag bieten zudem die Gelegenheit, regionale Produkte aus dem Umland zu probieren.
Wo übernachten in Puteaux und Umgebung?
Die Hotels konzentrieren sich vor allem rund um La Défense. Das Mama Shelter Paris La Défense lockt mit seinem bunten Design und einer Dachterrasse. Das Social Hub verfügt über einen Außenpool, was in dieser Gegend eine Seltenheit ist. Für Reisende mit kleinerem Budget bieten Ketten wie Ibis Styles funktionale Zimmer zu fairen Preisen.
Wer die Ruhe des alten Puteaux bevorzugt, findet in der Nähe der Seine-Ufer einige Gästezimmer. Dank der guten Metroanbindung erreicht man das Zentrum von Paris in 15 Minuten, was Puteaux zu einer wirtschaftlichen Alternative zur Unterkunftssuche in der Hauptstadt macht.
Wie kommt man hin und wie bewegt man sich fort?
Die Metro Linie 1 verbindet Paris in weniger als 20 Minuten von Châtelet aus mit La Défense. Auch die RER A bedient das Geschäftsviertel. Der Transilien ab dem Bahnhof Saint-Lazare erreicht Puteaux-Gare in 10 Minuten, wo auch die Straßenbahn T2 hält.
Von den Flughäfen aus solltest du 45 bis 60 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einplanen. Orly ist über die RER B und anschließend die Linie 1 erreichbar. Roissy-Charles-de-Gaulle erreicht man über die RER B bis Châtelet und dann mit der Linie 1. Mit dem Auto führen die A14 und die A86 direkt nach La Défense, allerdings sind die Parkgebühren dort sehr hoch.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling ist die schönste Jahreszeit, um den blühenden Rosengarten und die Seine-Ufer zu genießen. Im Sommer belebt die Veranstaltung Puteaux en plage die Insel mit sportlichen Aktivitäten und kostenlosen Konzerten. Wenn du die Menschenmassen der Büroangestellten von La Défense zur Mittagszeit meiden möchtest, solltest du Besuche an Wochentagen vermeiden.