Bayern besuchen
Bayern erzählt sich gern in Tracht, und es tut sich unrecht, sich darauf verkürzen zu lassen. München ist die reichste Stadt Deutschlands, Sitz von BMW und Siemens, und es trinkt sein Bier in Brauhäusern, die vor dem Dreißigjährigen Krieg gegründet wurden.
Zwei Stunden südlich beginnen die Alpen schroff. Schwangau ist ein Dorf von dreitausend Einwohnern, das von einem einzigen Gebäude lebt, und dieses Gebäude war nie eine echte Burg: es ist ein Bühnenbild, in Stein gebaut.
Das ist dein Ziel, wenn
- du eine Großstadt willst, die in drei Tagen zu Fuß passt
- Museen dich halten: München hat neun Kilometer davon
- du im Mai oder September kommst, vor der Wiesn
Sieh dich anders um, wenn
- du den Süden suchst: hier regnet es, und der Sommer bricht bei 18 °C ein
- du Gedränge hasst: Neuschwanstein empfängt 1,4 Millionen Besucher im Jahr
- du niedrige Preise willst: Bayern ist die teuerste Region Deutschlands
Die Höhepunkte
Das Wichtigste
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1 Schloss Neuschwanstein +29 Empf.
Ludwig II. ließ es 1869 bauen, um in Wagners Opern zu wohnen, und hat elf Nächte darin geschlafen, bevor er starb. Die Führung ist getaktet, dreißig Minuten, Ticket mit Uhrzeit: am besten spät am Tag hinauf, wenn die Busse zurückfahren.
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2 Schloss Nymphenburg +16 Empf.
Die Sommerresidenz der Kurfürsten, barock, am Rand der Stadt. Man kommt für die Schönheitengalerie, sechsunddreißig Frauenporträts im Auftrag Ludwigs I., so sehr wie für den zwei Kilometer langen Park dahinter.
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3 Der Englische Garten +14 Empf.
Größer als der Central Park, seit dem 18. Jahrhundert öffentlich. Am Südeingang, auf dem Eisbach, steht eine Dauerwelle, und Surfer stehen dort das ganze Jahr Schlange, auch im Schnee.
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4 Der Viktualienmarkt +14 Empf.
Der größte Freiluftmarkt Deutschlands, aus einem einfachen Bauernstand am Marienplatz entstanden. Der Biergarten in der Mitte wechselt alle sechs Wochen die Brauerei, damit alle sechs Münchner Häuser der Reihe nach ausschenken.
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5 Das Deutsche Museum +2 Empf.
Neun Kilometer Rundgang auf einer Isarinsel: ein aufgeschnittenes U-Boot von 1906, ein nachgebautes Bergwerk im Keller, und Blitzvorführungen zur festen Stunde. Einen halben Tag einplanen, und darauf verzichten, alles zu sehen.
Der klassische Fehler
Ohne Ticket nach Neuschwanstein aufbrechen. Die Zeitfenster werden Wochen vorher online gebucht, und vor Ort warten Besucher ohne Reservierung Stunden, um zu hören, dass der Tag ausverkauft ist. Schwangau bietet nichts anderes, um die Wartezeit zu füllen.
Unsere Routen in Bayern
| Dauer | Route | Was du siehst |
|---|---|---|
| Wochenende (2 Tage) | München | Marienplatz, die Märkte, ein Museum |
| 4 Tage | München + Schwangau | Die Stadt, dann das Schloss als Tagesfahrt |
| 1 Woche | München › Schwangau › die Alpenseen | Die Hauptstadt, das Schloss und das Vorland |
München lässt sich im Radius von zwei Kilometern besichtigen: vom Marienplatz zum Viktualienmarkt sind es drei Minuten, und das Kunstareal liegt eine Viertelstunde entfernt.
Schwangau geht als Tagesfahrt von München, zwei Bahnstunden und dann ein Bus. Dort zu übernachten lohnt nur, um bei Öffnung an der Kasse zu stehen, was im Sommer ein echtes Argument ist.
Beste Reisezeit in Bayern
| Note | Saison | Wetter | Andrang und Preise |
|---|---|---|---|
| Mai, Juni und September | 18 bis 25 °C, kurze Schauer | Mäßig außerhalb der Wiesn | |
| Juli und August | 22 bis 28 °C, Gewitter am Spätnachmittag | Stark, das Schloss überfüllt | |
| Ende September, Anfang Oktober | 12 bis 20 °C | Wiesn: Hotels zum dreifachen Preis | |
| Dezember bis Februar | -3 bis 4 °C, Schnee in der Höhe | Christkindlmärkte, danach sehr ruhig |
Unser Rat
Januar und Februar sind die beiden besten Monate für Neuschwanstein: das Schloss im Schnee ist das Bild, das bleibt, Tickets gibt es am Vortag, und die Räume laufen ohne Stau. Die Marienbrücke schließt allerdings, wenn Eis sie gefährlich macht.
Anreise
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1 Mit der Bahn Am einfachsten
München liegt 3 h 15 von Frankfurt, gut 4 Stunden von Berlin und 6 von Hamburg, im Stundentakt. Man kommt am Hauptbahnhof an, zehn Minuten zu Fuß vom Marienplatz, und braucht in der Stadt danach nichts mehr.
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2 Mit dem Auto Für die Alpen
die A9 aus dem Norden, die A8 aus Stuttgart und aus Salzburg. Nützlich für die Seen und die Alpenpässe, in der Stadt ein Handicap: Parkplätze sind knapp und teuer, die Innenstadt Fußgängerzone.
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3 Mit dem Flugzeug Aus dem Norden
aus Hamburg oder Berlin sind es 1 h 15, aber der Weg zum und vom Flughafen frisst den Vorsprung. Nur sinnvoll aus dem hohen Norden, oder bei einem Umstieg aus dem Ausland.
Unterwegs in Bayern
Das Netz in München mischt U-Bahn, Tram und S-Bahn auf einem Ticket und erreicht Nymphenburg so gut wie die Allianz Arena. Das Rad ist besser: 1 200 Kilometer flache Wege, und der Englische Garten ist in zwanzig Minuten durchquert.
Gut zu wissen
Die Fahrkarte wird vor dem Einsteigen entwertet, an den blauen Automaten am Bahnsteig, nicht im Wagen. Die Kontrolleure sind in Zivil, das Bußgeld liegt bei sechzig Euro, und Unwissenheit schützt vor nichts.
Was isst man in Bayern?
- Die Weißwurst: die gebrühte Kalbswurst, die vor zwölf Uhr gegessen wird und nie danach, eine Regel aus der Zeit vor der Kühlung. Man zuzelt sie aus der Haut, man schneidet sie nicht.
- Die Brezn: handgroß, salzige Kruste, weiche Krume. Überall am Viktualienmarkt verkauft, und innerhalb einer Stunde zu essen.
- Die Schweinshaxe: gebratene Haxe, knusprige Schwarte, mit einem Kartoffelknödel. Ein Gericht für zwei, was auch auf der Karte steht.
- Der Obatzda: Camembert mit Butter, Paprika und Zwiebel verrührt, mit schwarzem Rettich. Die Biergartenbrotzeit, erfunden, um zu reifen Käse zu verwerten.
- Das Helle: die Münchner Blonde, weniger bitter als ein Pils, in der Maß serviert. Nur die sechs Münchner Brauereien dürfen auf der Wiesn ausschenken.
- Das Radler: halb Bier, halb Limonade, für die Radfahrer eines Alpenpasses erfunden. Nach zwei Maß die vernünftige Wahl.
- Der Kaiserschmarrn: ein dicker, mit der Gabel zerrissener Pfannkuchen, süß, mit Rosinen und Zwetschgenröster. In der Stadt Nachtisch, auf der Hütte ganze Mahlzeit.
Im Biergarten sind die Tische ohne Decke frei: man setzt sich mit eigener Brotzeit hin, der Brauch erlaubt es und das Haus verkauft nur die Getränke. Die eingedeckten Tische werden bedient.
Das Hofbräuhaus, 1589 von den bayerischen Herzögen gegründet, schenkt noch im selben Saal aus. Für Reisegruppen ist es Pflichtstation geworden: um elf hingehen, oder gar nicht.
Wo übernachten in Bayern?
| Viertel | Wofür es gut ist | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Altstadt, um den Marienplatz | Glockenspiel, Märkte, Brauhäuser | Alles zu Fuß, das teuerste, abends laut |
| Maxvorstadt | Pinakothek der Moderne, Universität | Das Kunstareal, Studentencafés |
| Haidhausen | Deutsches Museum, Isarufer | Rechte Seite, Wohnviertel, 20 % günstiger |
| Schwabing | Englischer Garten, Restaurants | Am angenehmsten für mehrere Nächte |
| Schwangau oder Füssen | Neuschwanstein zur Öffnung | Eine Nacht genügt, im Juli ausgebucht |
Während der Wiesn verdreifachen die Münchener Hotels ihre Preise und sind ein Jahr vorher voll. In Augsburg zu schlafen, vierzig Bahnminuten entfernt, kostet dann ein Drittel.
Im übrigen Jahr ist die Stadt teuer, aber nicht knapp: ein anständiges Zimmer im Zentrum findet sich eine Woche vorher, und die Viertel auf der rechten Isarseite bleiben erschwinglich.
Was kostet eine Reise in Bayern?
| Stil | Dauer | Budget pro Person |
|---|---|---|
| Knapp (Hostel, Märkte, Parks) | 5 Tage | 350 bis 500 € |
| Bequem (Hotel, Restaurants, Museen) | 5 Tage | 800 bis 1 100 € |
| Gehoben (Boutiquehotel, bekannte Tische) | 5 Tage | 1 800 bis 2 500 € |
- Der Ein-Euro-Sonntag: die Münchner Pinakotheken, darunter die Pinakothek der Moderne, kosten sonntags einen Euro. Die Schlange wächst, die Ausgabe bricht ein.
- Das Bayern-Ticket: gilt in allen Regionalzügen des Landes, für bis zu fünf Personen, und halbiert die Fahrt nach Neuschwanstein.
- Die Biergärten: eigene Brotzeit ist an den blanken Tischen erlaubt. Eine Maß und eine Brezn decken dann die Tagesausgabe.
- Der Englische Garten und der Marienplatz: das Herz der Stadt kostet nichts, das Glockenspiel um zwölf inbegriffen.
- Die letzte Septemberwoche meiden: dieselbe Reise kostet das Doppelte, in einer Stadt, die einem nicht mehr gehört.
Traditionen und Lebensart in Bayern
Bayern war bis 1918 ein Königreich und trat dem Deutschen Reich erst 1871 bei, widerwillig. Geblieben sind eine eigene Verfassung, eine eigene Polizei und eine Partei, die nirgends sonst antritt: das ist keine Folklore, das ist Verwaltungsgeschichte.
Neuschwanstein ist aus diesem endenden Königreich entstanden. Ludwig II. zahlte es aus seiner Privatschatulle, ruinierte sich, wurde von seinen Ministern für geisteskrank erklärt und drei Tage später ertrunken aufgefunden, mit 41 Jahren. Sechs Wochen nach seinem Tod öffnete das Schloss für Besucher.
Zwei nützliche Gewohnheiten. Man stößt an und sieht dem anderen in die Augen, sonst gilt die Geste nicht, und man wartet, bis alle ihr Glas haben. Und am Sonntag ist alles zu, Lebensmittel eingeschlossen: eingekauft wird am Samstag, vor acht.