Gent besuchen: Die flämische Schönheit, die keine Museumskulisse ist
Das erste Geräusch, das du bei deiner Ankunft in Gent wahrnimmst, ist nicht etwa das Läuten von Kirchenglocken, sondern das sanfte Rollen der Fahrradreifen auf feuchtem Kopfsteinpflaster, untermalt vom Murmeln der Gespräche in den Straßencafés. Es ist eine Stadt, die die Eleganz ihrer Geschichte bewahrt hat, aber im Takt ihrer jungen Universität pulsiert und sich weigert, zu einem bloßen Postkartenmotiv zu erstarren.Ist die flämische Perle das Richtige für dich?
Gent ist ein Traum für Reisende, denen Brügge ein wenig zu perfekt, fast schon einschüchternd wirkt. Sie ist ideal für Kulturbegeisterte, die gerne von einem Meisterwerk flämischer Malerei zu einem Street-Art-Wandbild schlendern, und für neugierige Feinschmecker. Es ist eine romantische Stadt, aber eine lebendige Romanze, die sich nicht in der Vergangenheit verliert. Wenn du absolute Stille suchst oder ein extrem preiswertes Ziel im Sinn hast, könnte dich Gent überraschen. Das Studentenleben verleiht der Stadt eine konstante Energie, und die Preise bleiben, auch wenn sie etwas moderater als in Brügge sind, auf dem Niveau einer großen europäischen Stadt. Vergiss das Auto: Das Stadtzentrum ist weitgehend autofrei und lässt sich am besten zu Fuß oder mit der Straßenbahn erkunden.Das historische Herz: Eine lebendige Postkarte
Das berühmteste Bild der Stadt bietet sich entlang der Kais Graslei und Korenlei. Hier spiegeln sich die alten Zunfthäuser mit ihren kunstvoll gemeißelten Giebelfassaden im dunklen Wasser der Leie. Es ist der Treffpunkt der ganzen Stadt, an dem Studenten und Reisende auf dem Pflaster sitzen, sobald sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen. Für den eindrucksvollsten Ausblick stellst du dich auf die Sankt-Michiels-Brücke. Mit einem Blick überblickst du die drei Wahrzeichen der Stadt: den majestätischen Belfried, die Sankt-Bavo-Kathedrale und die Sankt-Nikolaus-Kirche, die aus dem charakteristischen blauen Stein von Tournai errichtet wurde. Das ist das Genter Panorama schlechthin.Unser Tipp: Mach es wie die Einheimischen und nimm ein Boot für eine Fahrt durch die Kanäle. Diese Perspektive vom Wasser aus bietet einen völlig neuen Blick auf die Architektur und lässt verstehen, warum die Stadt am Zusammenfluss von Leie und Schelde gegründet wurde.
Patershol und die Grafenburg: Eine Reise ins Mittelalter
Die Gravensteen (Grafenburg) überragt die Stadt mit ihrer Masse aus grauem Stein wie eine mächtige mittelalterliche Festung, die direkt einem Geschichtsbuch entsprungen ist. Der Rundgang, der auch eine bemerkenswerte Sammlung historischer Folterinstrumente umfasst, bietet von den Zinnen aus einen herrlichen Blick über die Dächer der Altstadt. Direkt zu Füßen der Burg erstreckt sich das Viertel Patershol. Dieses Labyrinth aus engen Gassen, das früher einen zweifelhaften Ruf hatte, ist heute das kulinarische Zentrum der Stadt. Hier findet man eine unglaubliche Dichte an kleinen, charmanten Restaurants, die in historischem Ambiente Gerichte aus aller Welt servieren.Unser Tipp: Die Restaurants im Patershol sind sehr beliebt und oft winzig. Wenn du ein bestimmtes Ziel hast, reserviere besonders am Wochenende unbedingt einen Tisch, um Enttäuschungen zu vermeiden.
Wir haben uns eher zufällig und vor allem aus Zeitmangel an dem Tag dazu entschieden, statt nach Brügge nach Gent zu fahren. Wir wurden nicht enttäuscht und sind seitdem schon mehrmals wieder dort gewesen. Gelegen am Zusammenfluss von zwei Flüssen, war Gent in der Vergangenheit eine Hafenstadt. Heute ist sie eine lebendige Studentenstadt und ein tolles Reiseziel. Die Stadt ist besonders belebt, egal ob auf den Hauptplätzen, entlang der Kais oder in einer kleinen Fußgängerzone. Ich mag besonders das autofreie Zentrum mit seiner mittelalterlichen Architektur, die Burg Gravensteen aus dem 12. Jahrhundert und die Graslei, eine Häuserzeile aus verschiedenen Epochen und Stilen. Wenn Kunst auf altes Gemäuer trifft, entsteht dabei das in Gent sehr präsente Street Art, wie zum Beispiel die Graffiti Street, die man auf gar keinen Fall verpassen sollte!