Nara: Eine Reise in das alte Japan
Als erste dauerhafte Hauptstadt von Japan ist Nara ein Ort, an dem Geschichte und Natur eine Einheit bilden. Die Stadt ist für ihre jahrtausendealten Tempel und die frei herumlaufenden Hirsche bekannt. Das Tempo hier ist deutlich ruhiger als in den japanischen Metropolen. Da Nara nur etwa eine Stunde von Osaka oder Kyoto entfernt liegt, ist es das ideale Ziel für einen Tagesausflug, wenn du in die japanische Kultur eintauchen möchtest. Bedenke, dass nur wenige Menschen vor Ort Deutsch sprechen, doch mit Englisch kommst du in der Regel gut zurecht.
Der Nara-Park und seine heiligen Hirsche
Der Nara-Park ist das Herzstück der Stadt. Hier leben hunderte Sikahirsche, die nach shintoistischer Tradition als Boten der Götter gelten. Die Tiere sind an den Menschen gewöhnt, laufen völlig frei umher und verbeugen sich manchmal sogar, wenn sie mit den speziellen Hirschkeksen gefüttert werden, die überall im Park verkauft werden. Neben den Tieren beherbergt der Park bedeutende Bauwerke, darunter den berühmten Tōdai-ji.
Der Tōdai-ji und der Große Buddha
Der Tōdai-ji gehört zum UNESCO-Welterbe und ist ein absolutes Pflichtprogramm. Er beherbergt den Daibutsu, eine gigantische, 15 Meter hohe bronzene Buddha-Statue. Das Hauptgebäude, der Daibutsuden, zählt zu den größten Holzbauwerken der Welt. Ein beliebtes Ritual bei Besuchern ist der Versuch, durch eine Öffnung in einem der massiven Tempelpfeiler zu kriechen, was Glück und Weisheit bringen soll.
Der Kasuga-taisha und seine Laternen
Am Rande des Nara-Parks liegt der Kasuga-taisha, ein Shinto-Schrein, der für seine tausenden Stein- und Bronzelaternen berühmt ist. Besonders eindrucksvoll ist das Bild, wenn diese bei Festivals im Februar und August entzündet werden. Der Schrein ist von einem geschützten Wald umgeben, der für eine mystische Stimmung sorgt. Die schattigen Pfade führen an kleineren Nebenschreinen vorbei und bieten tiefe Einblicke in die bewahrte Natur.
Der Hōryū-ji und das buddhistische Erbe
Etwa 15 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums befindet sich der Hōryū-ji, einer der ältesten buddhistischen Tempelkomplexe Japans. Er wurde im 7. Jahrhundert errichtet und bewahrt einige der weltweit ältesten Holzkonstruktionen. Da er etwas abseits liegt, ist er weniger überlaufen als der Tōdai-ji und bietet einen ruhigen Einblick in die religiöse Architektur und Kunst vergangener Epochen.
Raffinierte Küche mit Tradition
Die Gastronomie in Nara ist stark von der Geschichte und der Nähe zu Kyoto geprägt. Eine lokale Spezialität ist kakinoha-zushi, bei dem Sushi in Kaki-Blätter eingewickelt wird. Auch chagayu, ein Reisbrei mit grünem Tee, ist ein klassisches Gericht aus der Nara-Zeit. Dazu passt hervorragend der lokale Sake, der in den traditionellen Brauereien der Region hergestellt wird.
Wo essen?
- Kakinoha Sushi Honpo (Naramachi), Der beste Ort, um die lokale Spezialität kakinoha-zushi zu probieren.
- Edogawa Naramachi (Naramachi), Eine Adresse für Unagi, also gegrillten Aal.
- Kasuga Ninai Jyaya (Kasuga-taisha), Ein traditionelles Teehaus, in dem du authentischen chagayu bekommst.
- Harushika Sake Brewery (Sanjo), Hier kannst du dich durch die lokalen Sake-Sorten probieren.
Wo übernachten?
- Nara Hotel (Nara Park), Ein historisches Haus mit Retro-Charme und direktem Blick auf den Park.
- Sarusawa no Ie (Naramachi), Ein authentischer Ryokan für das klassische japanische Übernachtungserlebnis.
- Guesthouse Naramachi (Naramachi), Eine gemütliche Unterkunft in einer alten Stadthalle.
- Super Hotel Lohas JR Nara (JR Nara), Ein modernes Hotel mit eigenem Onsen, ideal für Reisende mit der Bahn.
Wann ist die beste Reisezeit?
Für Nara sind der Frühling (März bis April) und der Herbst (Oktober bis November) ideal. Die Temperaturen sind angenehm und die Natur zeigt sich entweder zur Kirschblüte oder bei der Laubfärbung der Ahornbäume von ihrer schönsten Seite. Der Sommer ist sehr heiß und feucht, während der Winter zwar kühl, aber wunderbar ruhig ist.
Wie kommt man hin?
Nara ist von Kyoto und Osaka aus hervorragend angebunden. Von Kyoto aus dauert die Fahrt mit dem Zug etwa 45 Minuten und kostet rund 700 JPY (ca. 4 Euro). Von Osaka aus bist du über die Kintetsu- oder JR-Linien in etwa 30 Minuten vor Ort. Expresszüge sind etwas schneller, kosten aber ein wenig mehr.
Wie bewegt man sich fort?
Das Zentrum von Nara, insbesondere der Park und die großen Tempel, lässt sich am besten zu Fuß erkunden. Für entlegenere Ziele wie den Hōryū-ji gibt es ein gut ausgebautes Busnetz. Alternativ macht es Spaß, sich ein Fahrrad zu mieten und die Stadt auf zwei Rädern zu entdecken.
Nara ist bekannt für seine frei herumlaufenden Rehe. Es ist außerdem eine alte Stadt mit vielen Tempeln mitten in der Natur. Ich fand jedoch, dass die Stadt ein wenig überbewertet ist. Man muss nämlich unglaublich viel laufen, bevor man wirklich in der Natur ankommt. Es gibt extrem viele Touristen, die die Rehe mit Keksen vollstopfen, und da ist absolut nichts mehr "niedlich" dran. Zudem sind die Tempel nicht die beeindruckendsten in ganz Japan. Einen Abstecher ist Nara trotzdem wert.