Urwald von Kasugayama: Ein Spaziergang in einem jahrtausendealten heiligen Wald
Der mit Moos bewachsene Pfad führt unter ein Dach aus Zedern, von denen einige über 400 Jahre alt sind. Der Duft von Harz und feuchter Erde löst nach und nach den Trubel des Parks von Nara ab. Dabei sind es gerade einmal zehn Gehminuten bis zum Schrein Kasuga-taisha. Hier sind Jagd und Holzeinschlag bereits seit dem Jahr 841 streng verboten.
Warum solltest du den Urwald von Kasugayama besuchen?
Dieses 298 Hektar große Gebiet, das sich über die Berge Mikasa und Hanayama erstreckt, ist einer von nur drei Wäldern in Japan, die als besonderes nationales Naturdenkmal ausgezeichnet wurden. Diesen Status teilt sich der Wald mit Yakushima und Shirakami, zwei international bekannten Naturgebieten.
Als Teil der historischen Stätten des alten Nara wurde der Wald 1998 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Es handelt sich hierbei weder um einen gepflegten Park noch um einen herkömmlichen Wald. Es ist das Reich der Kami, der shintoistischen Gottheiten. Die Priester des Kasuga-taisha führen dort bis heute Riten in Bereichen aus, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.
Der Großteil des Waldes bleibt für Besucher gesperrt, um den heiligen Charakter zu bewahren. Was jedoch zugänglich ist, vermittelt bereits einen guten Eindruck davon, warum dieser Ort seit über einem Jahrtausend unberührt geblieben ist.
Unterwegs auf dem Takisaka no michi
Der Hauptweg, der Takisaka no michi (Weg der Wasserfallhänge), verbindet den Kasuga-taisha mit den tieferen Bergregionen. Die Vegetation wechselt rasch: Japanische Steineichen, Steineiben, wilde Glyzinien und seltene Farne bedecken den Waldboden. Insgesamt wurden in dem gesamten Massiv mehr als 800 Pflanzenarten erfasst, darunter 598 Blütenpflanzen.
Entlang des Pfades stößt man auf Jizo-Statuen und Buddhas, die direkt in die Felsen kleiner Grohlen gemeißelt wurden. Diese von Mönchen geschaffenen Werke, die einst hier in der Abgeschiedenheit beteten, tauchen zwischen den Wurzeln wie vergessene Wächter auf. Selten haben wir eine solche Stille erlebt, die sich nur dort einstellt, wo man die unmittelbare Nähe zum Heiligen spürt.
Der Wasserfall und die riesige Zeder
Etwa 600 Meter vom Hauptweg entfernt markiert ein Wasserfall das Herz des Tals zwischen dem Berg Hanayama und dem Berg Takamado. Weiter oben ragt eine 600 bis 700 Jahre alte heilige Zeder empor, die etwa 50 Meter hoch ist und einen Stammumfang von 4 Metern aufweist. Sie gehört zu den Bäumen, die als Naturdenkmäler unter dem Schutz der UNESCO stehen. Angesichts dieses Giganten wirkt der Mensch plötzlich sehr klein.
Die große Runde: Kasugayama, Berg Wakakusa und der Schrein
Die gesamte Wanderung, die den Kasuga-taisha, den Berg Wakakusa und den Urwald miteinander verbindet, bildet eine Schleife von etwa 11,6 Kilometern mit 441 Höhenmetern im Anstieg. Der Weg ist an jeder Gabelung gut ausgeschildert. Das erste Drittel führt über einen nicht asphaltierten Kiesweg, bevor man in das dichte Blätterdach eintaucht. Der Abstieg vom Berg Wakakusa verläuft über einen offenen, grasbewachsenen Hang. Denke hier an ausreichend Wasser und Sonnenschutz.
Wichtige Informationen zur Route:
- Durchschnittliche Dauer: 3,5 bis 4 Stunden je nach Tempo
- Schwierigkeit: mittelschwer, einige steilere Abschnitte
- Toiletten und Rastplätze sind entlang des Weges vorhanden
- Der Zugang zum Wald ist kostenlos (für den Gipfel des Bergs Wakakusa werden 200 Yen an Eintritt fällig)
Ein kleiner Tipp: Die inneren Pfade, die in die höheren Bergzonen führen, sind für die Öffentlichkeit gesperrt und werden nicht unterhalten. Bleibe unbedingt auf den markierten Wegen. Im Herbst verleihen die Farben der japanischen Ahornbäume der Wanderung eine besondere Note. Die Monate September bis November gelten als die schönste Zeit für einen Besuch.
Vorteile
- Ein jahrtausendealter, geschützter Wald mit freiem Zugang
- Eine seltene spirituelle Atmosphäre, die abseits des Schreins kaum von anderen Besuchern gestört wird
- Reiche Tierwelt: Sikahirsche, seltene Vögel und über 1.000 erfasste Tierarten
- Eine Rundwanderung, die Naturerlebnis und Ausblicke auf Nara verbindet
Wichtige Hinweise
- Ein Großteil des Waldes ist Sperrgebiet (heilige Zonen, die den Priestern vorbehalten sind)
- Die Panoramablicke innerhalb des dichten Waldes sind eher begrenzt
- Im Sommer kann es auf den ungeschützten Abschnitten des Bergs Wakakusa sehr heiß werden
Öffnungszeiten
Wie viel Zeit du für diese Aktivität einplanen solltest
*Angaben können sich ändern
Ich kann euch den Besuch der Schreine in diesem Wald wirklich nur empfehlen. Stellt euch einen Ort vor, der unglaublich grün ist, mit dichten und imposanten Bäumen. Es gibt dort wunderschöne Wanderwege und eine fantastische, heilige Atmosphäre. Man muss nur die Statuen oder die mit Moos bedeckten Steinlaternen sehen, um das Gefühl zu haben, in eine andere Welt eingetaucht zu sein. Man erwartet fast, dass jeden Moment ein kleiner Geist um die Ecke huscht.