Die Vereinigten Arabischen Emirate, sieben Königreiche für einen gemeinsamen Horizont
Vor knapp fünfzig Jahren segelten Perlentaucher in Holzbooten an diesen Küsten entlang. Heute ragen Wolkenkratzer in den Himmel und künstliche Inseln trotzen der Geographie.
Diese rasante Metamorphose macht die Emirate zu einem Reiseziel, das seinesgleichen sucht. Sieben Emirate bilden diese 1971 gegründete Föderation: Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Dschirf al-Schorafa, Umm al-Qaiwain, Ras al-Chaima und Fudschaira. Jedes hat seine eigene Persönlichkeit, vom offen zur Schau gestellten Glamour Dubais bis zur bewahrten Ursprünglichkeit der nördlichen Emirate.
Eine Reise für Fans von Prunk und Komfort, weniger für Rucksackreisende
Die Emirate sprechen Reisende an, die modernen Komfort und tadellose Infrastrukturen schätzen. Familien finden hier Freizeitparks, bewachte Strände und klimatisierte Einkaufszentren, in denen sie der Hitze entfliehen können. Paare auf der Suche nach bezahlbarem Luxus freuen sich über prachtvolle Hotels zu Preisen, die manchmal günstiger sind als in Europa. Architekturliebhaber kommen voll auf ihre Kosten.
Wer jedoch eine tiefe kulturelle Auseinandersetzung, spontane Begegnungen mit Einheimischen oder unberührte Naturlandschaften sucht, könnte enttäuscht werden. Die Emiratis machen nur etwa 10 % der Bevölkerung aus, weshalb Kontakte oft oberflächlich bleiben. Das Land lässt sich unkompliziert bereisen, Englisch ist allgegenwärtig und alles funktioniert reibungslos, doch diese Perfektion kann steril wirken. Wer spontane und ungefilterte Abenteuer sucht, wird sich hier schnell langweilen.
Beträchtliches, aber variables Budget
Rechne je nach Reisestil mit 100 bis 250 €* pro Tag. Die Unterkunft reicht von 50 €* für ein solides Hotel bis zu mehreren Hundert Euro für Luxusunterkünfte. Mahlzeiten kosten zwischen 5 €* in indischen und pakistanischen Imbissen und 30-50 €* in gehobenen Restaurants. Die Top-Aktivitäten wie die Fahrt auf den Burj Khalifa oder Wüstensafaris kosten zwischen 40 €* und 150 €*. Die Fortbewegung mit U-Bahn und Bus ist mit rund 2 €* pro Fahrt sehr günstig.
Skylines, die der Vorstellungskraft trotzen
Dubai präsentiert sich als das Schaufenster des Landes. Der Burj Khalifa ragt 828 Meter in die Höhe und bietet einen Blick auf die Wüste auf der einen und den Persischen Golf auf der anderen Seite. Zu seinen Füßen vereint die Dubai Mall ein Riesenaquarium, eine olympische Eislaufbahn und Hunderte von Geschäften. Die tanzenden Springbrunnen am Fuße des Turms sind jeden Abend ein kostenloses und faszinierendes Schauspiel.
Deutlich intimer zeigt sich das historische Viertel Al Fahidi, das in die Anfänge der Region entführt. Die engen Gassen mit ihren traditionellen Windturmhäusern bilden einen scharfen Kontrast zu den Wolkenkratzern. Kunstgalerien und gemütliche Cafés haben sich in den ehemaligen Kaufmannshäusern eingerichtet. Die Überquerung des Creeks mit einem Abra, den traditionellen Holzbooten, kostet weniger als einen Euro und bietet einen faszinierenden Blick auf die Altstadt.
Abu Dhabi schlägt eine andere Tonart an. Die Hauptstadt setzt auf Kultur und Raffinesse. Der von Jean Nouvel entworfene Louvre Abu Dhabi beherbergt außergewöhnliche Sammlungen unter einer durchbrochenen Kuppel, die das Wüstenlicht filtert. Die Scheich-Zayid-Moschee beeindruckt durch ihre kolossalen Ausmaße und 82 schneeweiße Kuppeln. Sie steht nicht-muslimischen Besuchern außerhalb der Gebetszeiten offen, sofern die Kleiderordnung eingehalten wird.
Ein Tipp unter Freunden: Reserviere deinen Ticket für die Aussichtsplattform des Burj Khalifa am besten mehrere Tage im Voraus online. Die Slots zum Sonnenuntergang sind am beliebtesten und die günstigeren Kontingente schnell vergriffen. Zu Stoßzeiten kann sich der Preis verdoppeln.
Die Wüste und die vergessenen Berge
Abseits der Metropolen offenbart das Land Landschaften, die viele nicht vermuten. Die Liwa-Wüste an den Rändern des Rub al-Chali beherbergt die höchsten Dünen des Landes, von denen einige die Marke von 300 Metern überschreiten. Bei Geländewagensafaris dringt man tief in dieses Sandmeer vor, genießt spektakuläre Sonnenuntergänge und übernachtet unter dem Sternenhimmel in Beduinencamps.
Das Emirat Ras al-Chaima beheimatet den Dschabal Dschais, mit 1.934 Metern der höchste Berg des Landes. Die Serpentinenstraße dorthin schlängelt sich durch das ockerfarbene Gestein des Hadschar-Gebirges. Oben sorgt die längste Zipline der Welt für Nervenkitzel, wenn man auf fast drei Kilometern Länge mit Geschwindigkeiten von über 150 km/h ins Tal saust. Wanderer finden hier gut markierte Pfade mit atemberaubenden Blicken auf den Golf von Oman.
Fudschaira und die Ostküste
Das zum Golf von Oman ausgerichtete Emirat Fudschaira bleibt vom Massentourismus verschont. Seine Strände mit schwarzem Vulkansand bilden einen Kontrast zu denen in Dubai. Die im 15. Jahrhundert aus Korallensteinen und getrocknetem Lehm errichtete Al-Bidya-Moschee gehört zu den ältesten des Landes. Die Snoopy Island, benannt nach ihrer Silhouette, die an den berühmten Zeichentrickhund erinnert, bietet exzellente Tauchspots mit intakten Korallenriffen und einer reichen Unterwasserwelt.
Die Anfahrt von Dubai durch das Hadschar-Gebirge zählt zu den schönsten Strecken im Land. Das Wadi Shees verbirgt natürliche Pools, Wasserfälle und ein altes, an den Berghang geschmiegtes Bauerndorf. Plane am besten einen ganzen Tag für die Erkundung dieser unentdeckten Region ein.
Ein Tipp unter Freunden: Für die Zipline am Dschabal Dschais empfiehlt sich eine Buchung in den frühen Morgenstunden des Winters. Die Temperaturen oben sind frisch und die Aussicht ist klar. Die Erfahrung kostet etwa 180 €*.
Sharjah und bewahrte Traditionen
Sharjah, das drittgrößte Emirat, wurde von der UNESCO zur Kulturhauptstadt der arabischen Welt ernannt. Die 16 Museen der Stadt widmen sich der islamischen Geschichte, zeitgenössischer Kunst und lokalen Traditionen. Das Museum für islamische Zivilisation bewahrt alte Manuskripte, Keramiken und kostbare Textilien auf. Die traditionellen Souks sind hier noch authentisch und weniger auf Hochglanz poliert als in Dubai.
Im Gegensatz zu seinen Nachbarn gilt in Sharjah ein striktes Alkoholverbot. Das zieht vor allem Familien an und sorgt für eine traditionellere Atmosphäre. Das Viertel Al Qasba bietet Bootsfahrten auf den Kanälen und ein lokales Pendant zum London Eye. Für einen außergewöhnlichen Einblick lohnt sich das Geisterdorf Jazirat Al Hamra in Ras al-Chaima, das eine Zeitreise in die Epoche vor dem Ölboom ermöglicht. Die in den 1960er Jahren verlassenen Korallenhäuser und stillgelegten Moscheen erzählen vom Leben in früheren Zeiten.
Nervenkitzel und Entspannung
Freunde von Freizeitparks kommen voll auf ihre Kosten. Die Ferrari World in Abu Dhabi hält den Rekord für den größten überdachten Freizeitpark der Welt und beherbergt mit der Formula Rossa die schnellste Achterbahn der Welt. Die IMG Worlds of Adventure in Dubai vereinen Marvel-Helden, Cartoon Network und Dinosaurier unter einem klimatisierten Dach. Die Warner Bros. World entführt Besucher in die Welten von Batman, den Looney Tunes und Scooby-Doo.
Die Strände bilden einen willkommenen Kontrast. Am Jumeirah Beach in Dubai reihen sich Sonnenschirme und Wassersportangebote vor der Kulisse des Burj Al Arab aneinander. Ruhiger geht es auf Saadiyat Island in Abu Dhabi zu, wo natürliche Dünen geschützt werden und gelegentlich Meeresschildkröten an Land gehen. Golfer finden mitten in der Wüste grüne Plätze vor, die Tag und Nacht bewässert werden, um dem kargen Klima zu trotzen.
Kamelrennen, eine emiratische Tradition schlechthin, finden freitagsmorgens auf der Rennbahn Al Marmoom südlich von Dubai statt. Der Eintritt ist frei und das Spektakel surreal: Ferngesteuerte Roboter-Jockeys treiben die Kamele bei voller Fahrt an. Ein Erlebnis, das viele Touristen fälschlicherweise auslassen.
Kulinarische Entdeckungen: Indisches Streetfood und libanesische Mezze
Echte traditionelle emiratische Küche ist gar nicht so leicht zu finden. Das Nationalgericht Machbous besteht aus gewürztem Reis mit Fleisch oder Fisch. Harees, ein langsam weichgekochtes Weizen-Lamm-Gericht, kommt vor allem an Feiertagen auf den Tisch. Den süßen Abschluss bilden Luqaimat, frittierte Teigbällchen mit Dattelsirup. Gute Adressen für diese Spezialitäten sind Restaurants wie das Al Fanar oder Meylas, die das Ambiente der 1960er Jahre nachempfinden.
Im Alltag spiegelt sich die multikulturelle Bevölkerung auf den Tellern wider. Indische und pakistanische Imbisse servieren üppige Biryanis für wenige Euro. Libanesische Shawarmas isst man bequem auf die Hand. Arabischer Kaffee, mit Kardamom aromatisiert und zu Datteln gereicht, begleitet jede Begegnung. Karak, ein süßer, gewürzter Milchtee, hat sich zum absoluten Volksgetränk entwickelt und ist in den rund um die Uhr geöffneten Cafeterias überall zu haben.
Alkohol wird ausschließlich in den Bars und Restaurants internationaler Hotels ausgeschenkt, wo Cocktails schnell 15 bis 25 €* kosten. Sharjah verbietet den Konsum gänzlich. Die freitäglichen Brunches in Luxushotels mit All-you-can-eat-Buffets inklusive Champagner und Wein sind eine bei Expats sehr beliebte lokale Institution.
Wann ist die beste Reisezeit für die Vereinigten Arabischen Emirate?
Die optimale Reisezeit liegt zwischen November und April. Die Temperaturen bewegen sich dann zwischen 20 und 30 °C, was ideal für Strandtage und Wüstenausflüge ist. Der Sommer von Mai bis September ist hingegen drückend: Das Thermometer klettert regelmäßig über 45 °C bei erdrückender Luftfeuchtigkeit an der Küste. Selbst die Bushaltestellen sind klimatisiert. Zwar fallen die Preise in dieser Zeit deutlich, aber Aktivitäten im Freien werden zur Qual.
Das Dubai Shopping Festival im Januar und Februar zieht Schnäppchenjäger an. Der Formel-1-Grand-Prix in Abu Dhabi verwandelt die Hauptstadt im November in ein riesiges Festgelände. Wer tagsüber gemütlich im Freien essen möchte, sollte den Ramadan meiden: Restaurants bleiben bis zum Sonnenuntergang geschlossen und das öffentliche Essen und Trinken ist untersagt.
Wie kommt man in die Vereinigten Arabischen Emirate?
Direktflüge verbinden Frankfurt, München, Zürich und andere europäische Drehkreuze in 6 bis 7 Stunden mit Dubai und Abu Dhabi. Die nationalen Fluggesellschaften Emirates und Etihad Airways bieten einen ausgezeichneten Service. Auch die Lufthansa fliegt die Destinationen täglich an. Rechne mit 400 bis 800 €* für den Hin- und Rückflug je nach Saison. In den Schulferien und um den Jahreswechsel steigen die Preise spürbar.
Dubai dient als wichtiges globales Drehkreuz für Weiterflüge nach Asien, Afrika und Ozeanien. Ein Stopover von einigen Tagen im Rahmen einer Fernreise bietet sich an, um das Land ohne großen Zusatzaufwand zu entdecken. Deutsche Staatsangehörige können für touristische Aufenthalte von bis zu 90 Tagen visumfrei einreisen. Die Einreisebestimmungen richten sich nach der Staatsangehörigkeit: Prüfe, was für deinen Pass gilt. Ein Reisepass, der noch mindestens sechs Monate über das Einreisedatum hinaus gültig ist, wird benötigt.
Wie kommt man in den VAE von A nach B?
Die vollautomatische, klimatisierte Metro in Dubai verbindet die wichtigsten Stadtteile und den Flughafen mit dem Zentrum. Ein Busnetz ergänzt den öffentlichen Nahverkehr. Taxis sind bezahlbar und mit Taxametern ausgestattet, der Kilometer kostet rund 0,50 €*. Die Apps Uber und Careem funktionieren im ganzen Land tadellos.
Wer mehrere Emirate erkunden möchte, mietet am besten einen Mietwagen. Die Straßenverhältnisse sind exzellent, Benzin ist günstig und die Distanzen sind überschaubar: Nach 1,5 Stunden ist man von Dubai in Abu Dhabi, nach 2 Stunden in Ras al-Chaima. Vorsicht ist bei den allgegenwärtigen Blitzern geboten, besonders in Abu Dhabi gilt eine Null-Toleranz-Politik. Klimatisierte Überlandbusse verbinden die größeren Städte für wenige Euro als günstige Alternative für Reisende ohne Führerschein.
Ein Ausflug ins omanische Musandam, einer spektakulären Exklave mit zerklüfteten Wüstenfjorden, erfordert ein Visum. Die Formalitäten an der Grenze dauern etwa dreißig Minuten und kosten rund 15 €*. Ein ein- oder zweitägiger Ausflug dorthin rundet eine Reise in die Emirate perfekt ab.