Die angiovinische Burg als steinerne Wächterin über dem Ionischen Meer
Die Burg von Gallipoli liegt fast vollständig von den Fluten umgeben am östlichen Ende der Altstadt wie ein Riese aus Tuffstein, der direkt auf dem Wasser ruht. Schon von der Brücke aus, die das Inselchen mit dem Festland verbindet, zieht die massive Silhouette sofort alle Blicke auf sich. Dies ist kein gewöhnliches Bauwerk, sondern der jahrtausendealte Wächter der Stadt, der Byzantiner, Normannen, Anjou und Aragonesen kommen und gehen sah und bis heute die stolzen Narben seiner Kämpfe trägt.
Warum die Burg von Gallipoli besuchen?
Dieses Gemäuer erzählt die gesamte stürmische Geschichte des Salento. Die Anlage wurde bereits im 11. Jahrhundert auf Resten römischer Befestigungen errichtet und im 13. Jahrhundert unter byzantinischer Herrschaft neu aufgebaut. Bis ins 17. Jahrhundert erlebte sie zahllose Veränderungen. Jeder Eroberer hinterließ seine Spuren: Friedrich II. von Schwaben ließ sie im 13. Jahrhundert umgestalten, die Anjou verstärkten die Anlage im Jahr 1320, und zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert fügten Anjou und Aragonesen einen schützenden Graben sowie mächtige Rundtürme hinzu.
Doch erst der Bau des Rivellino im Jahr 1522 machte die Burg zu einem Meisterwerk der Militärarchitektur. Dieser fünfte Turm, entworfen vom sienesischen Architekten Francesco di Giorgio Martini, steht losgelöst von der Hauptmauer wie ein Vorposten mitten im Meer. Nach einer langen Zeit des Verfalls wurde die Burg 2014 nach einer umfassenden Restaurierung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ging 2016 in den Besitz der Gemeinde über.
Architektur, die den Jahrhunderten trotzt
Die Türme und das Verteidigungssystem
Der Grundriss der Burg ist viereckig und wird an den Ecken von vier Türmen flankiert: drei sind kreisförmig, einer ist polygonal und stellt ein Überbleibsel aus der Zeit der Normannen dar. Sie bestehen aus Carparo, einem honigfarbenen, lokalen Kalkstein, und ragen mit ihren geschrägten Sockeln und kleinen dekorativen Bögen an den Spitzen in den Himmel. Am Rivellino, der niedriger und breiter ist, sind noch immer die originalen Katapulte und Kanonen in Richtung Meer ausgerichtet.
Früher erreichte man die Burg über eine hölzerne Zugbrücke. Im 17. Jahrhundert wurde diese durch die heutige Steinbrücke ersetzt. Der Graben, der die Festung einst isolierte, wurde im 19. Jahrhundert zugeschüttet, und die Fassade wurde zwischen 1870 und 1879 durch den Bau der überdachten Fischmarkthalle teilweise verdeckt.
Die Innenräume und ihre Geheimnisse
Das Innere hält architektonische Überraschungen bereit. Die großen Räume mit ihren Tonnengewölben und Kreuzrippen zeugen vom Können mittelalterlicher Baumeister. Die Sala Ennagonale mit ihren neun Seiten beeindruckt durch ihre harmonischen Proportionen. In den Sale Circolari sorgt ein erstaunlicher Echoeffekt für Begeisterung bei Besuchern jeden Alters. Versäumt auf keinen Fall das Matroneo und den Arco Tudor, der als Überrest des ehemaligen Eingangs zur Festung dient.
Die unterirdischen Gänge und geheimen Korridore erzählen eine ganz eigene Geschichte. Einst als Fluchtwege genutzt, bergen sie heute mysteriöse Graffiti, die von Kaufleuten, Reisenden und Gefangenen hinterlassen wurden, die hier über die Jahrhunderte hinweg festsaßen. Einige dieser Inschriften sind bis heute nicht entziffert und verleihen dem Ort eine rätselhafte Note.
Ein lebendiger Ort zwischen Geschichte und Kultur
Heute ist die Burg weit mehr als ein Museum, das in der Vergangenheit erstarrt ist. Sie beherbergt eine Dauerausstellung über die Geschichte von Gallipoli und den Handel mit olio lampante, jenem Lampenöl, das der Stadt vom 16. bis zum 19. Jahrhundert Wohlstand brachte und die großen europäischen Metropolen erhellte. Die Ausstellung führt die Besucher durch die bewegte Historie dieser Perle des Ionischen Meeres.
Darüber hinaus finden in der Burg regelmäßig Kunstausstellungen, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen statt, die das Leben in Gallipoli bereichern. Besonders hervorzuheben sind die Ausstellung von Michelangelo Pistoletto im Jahr 2015 sowie die Werke von Renato Guttuso im Jahr 2025, die den Anspruch der Burg als Brücke zwischen historischem Erbe und moderner Kunst unterstreichen.
Der Tipp vom Experten: Steigt am späten Nachmittag auf die Stadtmauern, um eine außergewöhnliche Aussicht auf die Bucht und die Altstadt zu genießen. Das goldene Licht des Sonnenuntergangs lässt die weißen Fassaden der Città erstrahlen und verwandelt das Meer in einen kupfernen Spiegel. Bleibt danach noch einen Moment, um zu sehen, wie die Burg bei Einbruch der Dunkelheit beleuchtet wird. Ein magischer Anblick.