Der Puy de Dôme, der Wächtervulkan der Chaîne des Puys
Am 19. September 1648, in den frühen Morgenstunden, verließ Florin Périer Clermont mit einem Quecksilberrohr unter dem Arm. Sein Schwager Blaise Pascal hatte ihn gebeten, den Puy de Dôme zu besteigen, um den Beweis zu erbringen, dass Luft ein Gewicht hat. Das Quecksilber sank zwischen der Ebene und dem Gipfel um neun Zentimeter. Damit war die moderne Vorstellung vom Luftdruck geboren und der Vulkan ging in die Wissenschaftsgeschichte ein.
Warum den Puy de Dôme besuchen?
Dieser Vulkan vom Typ Peléan, der seit etwa 12.000 Jahren ruht, erreicht eine Höhe von 1.465 Metern. Er überragt die Chaîne des Puys, eine Aneinanderreihung von 80 Vulkanen, die seit 2018 unter dem Namen "Haut lieu tectonique Chaîne des Puys - faille de Limagne (Tektonischer Hotspot Chaîne des Puys - Verwerfung von Limagne)" zum UNESCO-Welterbe gehört. Es ist das erste Naturdenkmal des französischen Mutterlandes, dem diese Auszeichnung zuteilwurde.
Der Gipfel, der seit 2008 als Grand Site de France ausgezeichnet ist, bietet ein 360-Grad-Panorama über die Vulkane, die Ebene von Limagne und Clermont-Ferrand. Bei klarem Wetter zeichnen sich die Monts du Sancy am Horizont ab. Schlackenkegel, Dome und Maare sind wie auf einem Modell zu erkennen.
Auf den Gipfel: Zahnradbahn oder Wanderweg?
Der Panoramique des Dômes
Seit 2012 ersetzt eine elektrische Zahnradbahn die ehemalige Mautstraße. Der Panoramique des Dômes legt die 565 Höhenmeter in 15 Minuten zurück und folgt dabei den natürlichen Kurven des Vulkans. Die Ankunftshalle ist vollständig unterirdisch angelegt und mit einer subalpinen Wiese begrünt, um das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gipfels zu wahren.
Der Sentier des Muletiers und der Chemin des Chèvres
Der Sentier des Muletiers (Weg der Maultiertreiber) beginnt am Col de Ceyssat und führt auf 1,9 Kilometern in Serpentinen 350 Höhenmeter hinauf. Planen Sie 45 Minuten bis eine Stunde ein. Dieser Pfad folgt dem historischen Weg, den bereits antike Pilger auf dem Weg zum Tempel nutzten. Der Chemin des Chèvres (Ziegenpfad), der am Parkplatz der Bahn startet, ist länger, aber weniger frequentiert und führt durch schöne Waldabschnitte.
Tipp vom Experten: Steigen Sie über den Sentier des Muletiers auf, um das Panorama zu genießen, und nehmen Sie für den Abstieg den Chemin des Chèvres, um neue Perspektiven zu entdecken. Prüfen Sie vor dem Start die Webcam am Gipfel, da das Wetter zwischen der Ebene und den 1.465 Metern schnell umschlagen kann.
Am Gipfel: 2.000 Jahre Geschichte unter freiem Himmel
Ein 3 Kilometer langer Rundweg, der auch für Rollstuhlfahrer zugänglich ist, führt um den Gipfel. Der Temple de Mercure (Merkurtempel), der im 2. Jahrhundert von den Bürgern von Augustonemetum erbaut wurde, umfasste einst 3.600 m². Es war eines der größten Bergheiligtümer im westlichen Römischen Reich. Die Stätte wurde im Juni 2024 nach über zehn Jahren Restaurierung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erlaubt es, zwischen den Ruinen zu wandeln und dank teilweise rekonstruierter Mauern die einstige Größe zu ermessen.
Der Espace temple de Mercure, ein Museum am Gipfel, zeigt Modelle, Videos und Faksimiles der bei Ausgrabungen gefundenen Objekte. Eine Ausstellung erinnert zudem an die Leistung des Piloten Eugène Renaux, der 1911 seinen Doppeldecker auf dem Gipfel landete, um ein Preisgeld von 100.000 Francs zu gewinnen. Bei schönem Wetter rundet das Ballett der Gleitschirmflieger über den Vulkanen das Schauspiel ab.
Abflug vom Gipfel mit dem Gleitschirm
Der Puy de Dôme verfügt über acht Gleitschirm-Startplätze, die in alle Himmelsrichtungen ausgerichtet sind, eine Konfiguration, die in Europa als einzigartig gilt. Mehrere von der FFVL (französischer Verband für freies Fliegen) zertifizierte Schulen bieten das ganze Jahr über Tandemflüge an, vom 15-minütigen Schnupperflug bis zum 40-minütigen Thermikflug, bei dem man den benachbarten Vulkanen besonders nahe kommt.
Die Preise liegen je nach Angebot zwischen 100 und 240 Euro, inklusive einer optionalen Videoaufnahme, um den Flug über die Chaîne des Puys als Erinnerung festzuhalten.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Der Puy de Dôme ist beeindruckend, man sieht ihn schon von weitem in der Landschaft.
Um den Gipfel zu erreichen, sind keine Autos erlaubt: Man kann den Panoramazug Panoramique des Dômes nehmen oder an den speziellen Radtagen mit dem Fahrrad hochfahren.
Es gibt auch zahlreiche Wanderwege.
Die Region ist herrlich, eine wirklich schöne Entdeckung.