Der Diokletianpalast, eine römische Stadt, die niemals schlief
Wer in Split ankommt, sucht oft nach dem Palast. Die Ladenbesitzer im Viertel antworten dann meist lachend: "Du bist mittendrin." Und genau das ist der Punkt. Dieser befestigte Komplex aus dem 4. Jahrhundert ist kein klassisches Museum, sondern ein gelebter Ort. Knapp 3.000 Menschen wohnen hier noch heute, zwischen Mauern, die vor über 1.700 Jahren errichtet wurden.
Warum solltest du den Diokletianpalast besuchen?
Kaiser Diokletian, der nur wenige Kilometer entfernt im antiken Salona geboren wurde, ließ diese Residenz für seinen Ruhestand zwischen 295 und 305 n. Chr. aus dem weißen Stein der Insel Brač errichten. Er importierte Marmor aus Italien und Griechenland sowie Säulen und zwölf Sphinxe aus Ägypten. Als erster römischer Kaiser, der freiwillig abdankte, zog er sich hierher zurück, um sich dem Anbau von Kohl zu widmen, bis er 311 starb.
Seit 1979 gehört der Palast zum UNESCO-Welterbe. Er erstreckt sich über etwa 29.000 m² und macht die Hälfte der Altstadt von Split aus. Der rechteckige Grundriss von 215 auf 180 Metern folgt dem Schema eines römischen Militärlagers, bei dem zwei sich kreuzende Straßen den Raum in vier Quartiere unterteilen.
Das Einzigartige ist die geschichtliche Überlagerung: Römische Säulen stützen mittelalterliche Balkone, ein Dom nimmt das ehemalige kaiserliche Mausoleum ein und Caféterrassen befinden sich unter Arkaden, die siebzehn Jahrhunderte alt sind.
Die vier Tore und was sie verraten
Jedes Tor ist nach einem Metall benannt:
- Das Goldene Tor im Norden ist das monumentalste. Hier betrat Diokletian am 1. Juni 305 erstmals seine Residenz. Die Fassade bewahrt noch die Nischen, in denen einst die Statuen der vier Tetrarchen standen. Direkt davor zieht die monumentale Statue des Bischofs Grgur Ninski, ein Werk des Bildhauers Ivan Meštrović, die Blicke auf sich. Wer seinen großen Zeh berührt, soll Glück haben, was an dem blank polierten Bronze-Zeh unschwer zu erkennen ist.
- Das Bronzene Tor im Süden führte früher direkt zum Meer, sodass Schiffe ihre Waren direkt in die Palastkeller entladen konnten. Heute ist es der Zugang von der Uferpromenade Riva und das am häufigsten genutzte Tor für Besucher.
- Das Silberne Tor im Osten führt direkt zum Pazar, dem lebendigen Markt unter freiem Himmel.
- Das Eiserne Tor im Westen ist das einzige, das seit der Antike ununterbrochen in Gebrauch ist und auf den Volksplatz führt.
Sehenswürdigkeiten im Palastinneren
Das Peristyl
Dieser säulengeschmückte Hof bildet das zeremonielle Herzstück des Palastes. Korinthische Säulen rahmen den Eingang zur Kathedrale und zum kaiserlichen Vestibül ein. Ein schwarzer Granitsphinx, der einzige heute noch intakte von einst zwölf, hält hier Wache. Abends treten oft Musiker auf, deren Klänge durch die Akustik des Steins verstärkt werden. Das ist vermutlich der eindrücklichste Moment eines Besuchs in Split.
Kathedrale Sveti Duje (Sankt Domnius) und ihr Glockenturm
Das achteckige Mausoleum des Diokletian wurde im 7. Jahrhundert in eine christliche Kathedrale umgewandelt, die jenem Heiligen gewidmet ist, den der Kaiser einst verfolgen ließ. Eine gewisse Ironie liegt in der Luft. Im Inneren ist unter der Kuppel noch ein Fries mit den Medaillons von Diokletian und seiner Frau erhalten.
Der romanische Glockenturm wurde nach einem Einsturz 1908 neu errichtet. Die 173 Stufen führen zu einem Panoramablick über die Dächer, den Hafen und die vorgelagerten Inseln. Die letzten Meter überwindet man auf einer schmalen Metalltreppe über dem Abgrund, was für Menschen mit Höhenangst eher ungeeignet ist.
Die Kellergewölbe
Unter den früheren kaiserlichen Privatgemächern hat sich ein System aus gewölbten Räumen erhalten, da sie über Jahrhunderte durch Schutt geschützt waren. Der Grundriss dieser Keller entspricht exakt dem der oberen Etagen, was Archäologen half, die Aufteilung der kaiserlichen Wohnräume zu rekonstruieren.
Ein Teil kann kostenlos vom Durchgang am Bronzenen Tor aus besichtigt werden. Der vollständige Zutritt zu den tiefsten Räumen kostet 8 Euro. Fans von Game of Thrones werden die Kulisse sofort erkennen, denn hier wurden in den Staffeln 4 und 5 die Drachen von Daenerys gefangen gehalten.
Tipp vom Experten: Das kombinierte "Purple Ticket" für 15 Euro gewährt Zugang zur Kathedrale, der Krypta, dem Baptisterium, dem Schatzhaus und dem Glockenturm. Es ist die beste Wahl, um die Warteschlangen zu minimieren. Kauf es am Schalter beim Peristyl und erklimme den Glockenturm am besten früh am Morgen, bevor gegen 10:30 Uhr die ersten größeren Gruppen eintreffen.
Der Jupitertempel und die versteckten Gassen
Der im 7. Jahrhundert zum Baptisterium umgewandelte Jupitertempel bewahrt sein originales Tonnengewölbe und den dekorativen Fries. Eine Bronzestatue von Johannes dem Täufer, ebenfalls von Meštrović, ersetzte die ursprüngliche Statue des Gottes. Zu seinen Füßen erinnert ein geköpfter Sphinx an die gezielten Zerstörungen durch die ersten Christen.
Abseits der Hauptsehenswürdigkeiten bieten die engen Gassen des Palastes Überraschungen. Hinter dem Eisernen Tor liegt die Gasse Pusti me da prodjem, was übersetzt "Lass mich durch" bedeutet und bei der Enge der Passage absolut Sinn ergibt. Das Stadtmuseum von Split (Muzej grada Splita) befindet sich im gotischen Papalić-Palast aus dem 15. Jahrhundert und dokumentiert die Geschichte des Ortes auf drei Etagen für gerade einmal 3 Euro.
Die Renaissance-Terrasse, die man über eine romanische Treppe südlich des Vestibüls erreicht, bietet zudem einen der besten Ausblicke auf das Innere des Palastkomplexes.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Mit seinen sehr gut erhaltenen Mauern und römischen Baudenkmälern überrascht der Diokletianpalast durch seine riesige Anlage und seine Pracht. Das Peristyl, ein wunderschöner, von Säulen gesäumter Innenhof, bleibt der schönste Ort dort. Leider ist es dort auch am wärmsten und vollsten. Ich empfehle euch, den Besuch eher auf den frühen Abend zu legen. Das Innere des Palastes birgt noch viele andere Schätze, insbesondere die Kathedrale des heiligen Domnius und das Stadtmuseum.