Die Blaue Moschee: 20.000 Fliesen aus Iznik unter einer im Licht schwebenden Kuppel
Das Erste, was beim Betreten auffällt, ist nicht das Blau. Es ist das Licht. Es fällt durch die 260 Fenster, die auf verschiedenen Ebenen angeordnet sind, bricht sich an den Fayencefliesen und verleiht der Luft im Innenraum eine fast flüssige Qualität. Die ursprünglichen, mit Blumenmotiven verzierten Buntglasfenster filterten einst noch intensivere Farben. Wer sie im 17. Jahrhundert sah, kam aus dem Staunen nicht heraus.
Warum die Blaue Moschee besuchen?
Die Sultanahmet Camii, so ihr offizieller Name, ist die letzte große Moschee der klassischen osmanischen Periode. Sultan Ahmed I. ließ sie zwischen 1609 und 1616 errichten, um mit der Hagia Sophia zu konkurrieren, die ihr direkt gegenübersteht. Er war kaum zwanzig Jahre alt, als er das Bauprojekt startete, während das Reich eine Phase des militärischen und finanziellen Niedergangs durchlief. Der Bau war ein ebenso politischer wie spiritueller Akt.
Der Architekt Sedefkâr Mehmed Ağa, ein Schüler des legendären Mimar Sinan, war zudem ein Meister der Perlmuttintarsien. Diese Doppelbegabung erklärt die ornamentale Detailverliebtheit des Gebäudes. Sein Beiname Sedefkâr bedeutet wörtlich Handwerker des Perlmutts. Es gelang ihm, die von der Hagia Sophia geerbten byzantinischen Einflüsse mit der osmanischen Architektursprache zu vereinen und damit das zu schaffen, was viele als den dekorativen Gipfel dieser Gattung betrachten.
Architektur und Details, die den Unterschied machen
Der Skandal um die sechs Minarette
Sechs Minarette. Keine osmanische Moschee hatte zuvor jemals so viele besessen. Nur die heilige Moschee in Mekka zählte zur damaligen Zeit ebenso viele, was heftige Kontroversen auslöste. Der Sultan löste die Krise, indem er den Bau eines siebten Minaretts in Mekka finanzierte. Einer populären Legende nach soll Mehmed Ağa altın (Gold) mit altı (sechs) verwechselt haben, als der Sultan ihn um vergoldete Minarette bat.
Die 20.000 Fliesen aus Iznik
Mehr als 21.043 Fayencefliesen bedecken die Innenwände. Sie wurden in den Werkstätten von Iznik gefertigt, die damals auf dem Höhepunkt ihrer Kunst standen. Tulpen, Nelken, Zypressen, Granatäpfel: Die pflanzlichen Motive zeigen sich in Kobaltblau, Türkis, Grün und Tomatenrot, jener für die Keramik aus Iznik charakteristischen Farbe. Die Dichte der Fliesen verleiht den Wänden eine beinahe textile Textur, als wären sie mit bemalter Seide bespannt.
Die Kuppel und die Elefantenfüße
Die zentrale Kuppel erreicht eine Höhe von 43 Metern bei einem Durchmesser von 23,5 Metern. Sie ruht auf vier massiven Pfeilern mit 5 Metern Durchmesser, die die Einwohner Istanbuls Elefantenfüße nennen. Die Anordnung der Fenster um die Basis erzeugt eine Illusion: Die Kuppel scheint zu schweben, losgelöst von ihrer Struktur. Die Kalligraphie im Inneren stammt von Seyyid Kasım Gubarî, der aus Diyarbakır stammte.
Was die meisten Besucher übersehen
Das Grabmal von Sultan Ahmed I., der mit 27 Jahren starb, befindet sich direkt neben der Moschee. Dort ruhen auch seine Ehefrau Kösem Sultan sowie seine Söhne Murad IV. und Osman II. Die Moschee war Teil eines weitläufigen Komplexes, der ein Krankenhaus, Koranschulen, einen überdachten Basar und ein Hamam umfasste. Der Basar, der Arasta, existiert noch heute. Er verläuft entlang der Südseite der Moschee und bietet heute Teppiche und Keramik an.
Auch der Innenhof lädt zum Verweilen ein. Seine 26 Granitsäulen stützen Arkaden, die mit kleinen Kuppeln überdacht sind, und in der Mitte steht der hexagonale Brunnen für die rituellen Waschungen. Oft ist es hier am späten Nachmittag am schönsten, um die Minarette im Licht zu fotografieren.
Tipp vom Experten: Die Moschee schließt für Besucher während der fünf täglichen Gebetszeiten für jeweils etwa 90 Minuten. Freitags ist sie für Nicht-Muslime erst ab 13:30 Uhr zugänglich. Prüfe die aktuellen Gebetszeiten vor deinem Besuch. Das ideale Zeitfenster ist dienstags bis donnerstags zwischen 9:00 und 11:30 Uhr, wenn die Warteschlange an der Sicherheitskontrolle selten länger als 15 Minuten ist.
- Sehenswert: Die Iznik-Fliesen in den oberen Galerien, das Mihrab aus weißem Marmor, die skulptierte Minbar, die tief hängenden Kronleuchter und die kaiserliche Loge mit ihren Perlmutt- und Elfenbeineinlagen.
- Kleiderordnung: Schultern und Beine müssen bedeckt sein, Frauen tragen ein Kopftuch. Am Eingang werden bei Bedarf kostenlose Tücher verliehen. Die Schuhe werden vor dem Betreten ausgezogen.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Sie ist wirklich sehr schön und wirkt natürlich moderner als die Hagia Sophia direkt gegenüber. Der Eintritt ist kostenlos, und man bekommt eine Kombination geliehen, um Haare, Knie und Schultern zu bedecken. Das kann ziemlich lustig sein, wenn man sich plötzlich wie ein Schlumpf verkleidet fühlt! Spaß beiseite, das Innere ist großartig und auch wenn man nicht ewig dort bleibt, lohnt sich der Abstecher auf jeden Fall.