Figueres, wo Dalí seine Verrücktheit hinterließ
Ein gigantisches Ei starrt dich von einem blutroten Dach aus an. Willkommen in Figueres, der Geburtsstadt von Salvador Dalí, wo der Surrealismus buchstäblich in Stein gemeißelt ist.
Nur 30 Kilometer von der französischen Grenze entfernt liegt diese katalanische Stadt mit ihren 40.000 Einwohnern. Sie lebt zwar im langen Schatten ihres berühmten Sohnes, besitzt aber einen ganz eigenen Charakter. Die gepflasterten Gassen, die von jahrhundertealten Platanen gesäumte Rambla und die Plätze, die sich im Takt der Märkte beleben: Hier atmet alles eine Katalonien-Atmosphäre, die vom Massentourismus verschont geblieben ist. Die Einheimischen treffen sich abends auf der Plaça del Sol zum Aperitif, weit weg von den Besuchermassen, die tagsüber das Museum stürmen.
Nur ein Stopp oder ein echtes Ziel?
Viele Besucher sind nur auf der Durchreise. Sie kommen morgens aus Barcelona, besichtigen das Dalí-Museum und fahren abends wieder zurück. Das ist schade. Figueres ist einen längeren Aufenthalt wert, besonders wenn du die Costa Brava oder die Dörfer des Empordà erkunden möchtest. Die Stadt ist ein idealer Ausgangspunkt, günstiger und deutlich ruhiger als die Küstenorte.
Die Stadt spricht Kunst- und Architekturliebhaber an sowie neugierige Reisende, die gerne ohne festes Programm durch die Straßen schlendern, und natürlich Feinschmecker, die eine authentische katalanische Küche ohne viel Schnickschnack suchen. Wer einen Strand direkt vor dem Hotel oder exzessives Nachtleben erwartet, wird hier eher nicht fündig. Familien mit Kindern kommen hingegen auf ihre Kosten, vor allem dank des Spielzeugmuseums und der Festung Sant Ferran, die sich perfekt für kleine Entdecker eignet.
Ein vernünftiges Budget für Katalonien
Plane für ein ordentliches Hotel im Stadtzentrum etwa 60 € bis 100 € pro Nacht ein. Eine Mahlzeit in einem lokalen Restaurant kostet 15 € bis 25 €, Tapas auf der Rambla liegen bei etwa 3 € bis 5 € pro Portion. Der Eintritt für das Dalí-Theater-Museum variiert je nach Saison zwischen 15 € und 20 €.
Das Dalí-Theater-Museum: Mehr als nur ein Museum
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Das Dalí-Theater-Museum zieht jährlich eine Million Besucher an und zählt damit zu den meistbesuchten Museen Spaniens. Der Künstler hat es selbst auf den Ruinen des alten Stadttheaters entworfen, das während des Bürgerkriegs zerstört wurde. Jeder Raum ist eine Installation, jeder Flur eine Inszenierung. Der berühmte Mae-West-Saal mit seinem Sofa in Form von Lippen, der Regen-Cadillac im Innenhof, die Hologramme und die optischen Täuschungen: Alles ist Teil eines Gesamtkunstwerks.
In der Krypta befindet sich das Grab von Dalí. Man steigt in einer fast religiösen Stille hinab, was einen seltsamen Kontrast zur Exuberanz der oberen Stockwerke bildet. Die Sammlung Dalí Joies, die mit demselben Ticket zugänglich ist, zeigt die vom Künstler entworfenen Schmuckstücke. Es sind extravagante Stücke, bei denen Rubine und Gold zu Herzen kombiniert wurden, die mechanisch schlagen.
Geheimtipp: Reserviere deine Tickets unbedingt einige Tage im Voraus über das Internet, besonders im Sommer. Das Tourismusbüro bietet ein Paket für etwa 22 € an, das eine Stadtführung und den Museumseintritt beinhaltet, was eine gute Möglichkeit ist, die Warteschlangen zu umgehen.
Sich im historischen Zentrum verlieren
Wenn du das Museum verlässt, wirf einen Blick auf die Kirche Sant Pere, die direkt an das Gebäude angrenzt. Ihr katalanischer gotischer Glockenturm bildet einen schönen Kontrast zu den Eiern auf dem Museumsdach. Lass dich anschließend treiben. Die Plaça de l'Ajuntament mit ihrem neoklassizistischen Rathaus ist ein guter Orientierungspunkt. Die angrenzenden Straßen schlängeln sich zu weiteren Plätzen, von denen jeder seinen eigenen Charme hat.
Dienstags, donnerstags und samstags findet vormittags der Markt auf der Plaça del Gra statt. Die Stände quellen über vor sonnengereiftem Obst, iberischen Wurstwaren und Schafskäse. Sogar Salvador Dalí verpasste nie den Donnerstagmarkt und behauptete stets, es sei ein Feiertag. Deck dich mit Leckereien für ein Picknick ein und zieh weiter in den Parc del Bosc, eine 45.000 m² große grüne Lunge, in der sich Familien im Schatten der Bäume treffen.
Die Plaça de Catalunya, erkennbar an ihrer modernen Photovoltaik-Struktur, markiert die Verbindung zwischen Altstadt und neueren Vierteln. Spaziere unbedingt über die Rambla, diese schattige Allee voller Cafés, wo man ein Glas Wein aus dem Empordà genießt und den Passanten zuschaut. Eine Statue erinnert dort an Narcís Monturiol, einen weiteren berühmten Sohn der Stadt und Erfinder des ersten U-Boots.
Eklektische Architektur und herrschaftliche Häuser
Figueres verbirgt bemerkenswerte Fassaden für alle, die ihren Blick nach oben richten. Auf der Plaça de l'Escorxador treffen drei Stile aufeinander: das neoklassizistische Casa Bonaterra, eine rationalistische Buchhandlung und eine Apotheke im Art-déco-Stil. Dieser Platz allein fasst den architektonischen Eklektizismus der Stadt perfekt zusammen.
Liebhaber des katalanischen Modernismus sollten nach dem Casa Salleras mit seinen floralen Motiven, dem Casa Cusí mit seinen kunstvollen Schmiedeeisenarbeiten oder dem Casa Puig-Soler mit seinen schlanken Säulen Ausschau halten. Auch das Casa Mas Roger, ein ehemaliges Wohnhaus von Salvador Dalí, ist einen Umweg wert. Das Tourismusbüro bietet einen Plan mit architektonischen Rundgängen an.
Das Castell de Sant Ferran: Eine gigantische Festung
Zehn Minuten vom Zentrum entfernt beeindruckt das Castell de Sant Ferran durch seine schiere Größe. Die im 18. Jahrhundert erbaute Festung, die die Grenze vor französischen Invasionen schützen sollte, ist die größte ihrer Art in Europa. Die Mauern erstrecken sich über mehr als drei Kilometer. Man kann sich dort frei bewegen und auf die Wälle klettern, um den Panoramablick über die Ebene des Empordà und die Pyrenäen zu genießen.
Die Besichtigung der unterirdischen Zisternen per Jeep und Schlauchboot ist ein besonderes Erlebnis. Man steigt in die Eingeweide der Festung hinab und navigiert durch Becken mit schwarzem Wasser, nur vom Licht der Taschenlampe des Guides beleuchtet. Kinder lieben das. Menschen mit Klaustrophobie eher weniger.
Ausflüge ab Figueres
Die Stadt liegt in einer Region von unglaublichem Reichtum. Cadaqués, das weiße Dorf, in dem Dalí sein Haus hatte, ist 45 Autominuten entfernt. Roses mit seinen goldenen Stränden erreichst du in 20 Minuten. Das Kloster Sant Pere de Rodes, das hoch über dem Cap de Creus thront, bietet atemberaubende Aussichten.
Näher gelegen ist das Dorf Peralada, das bei Einheimischen für den Sonntagsausflug beliebt ist. Das Schloss beherbergt ein Museum, ein Casino und Gärten, in denen man wunderbar flanieren kann. Das Musikfestival, das dort jeden Sommer stattfindet, zieht Musikliebhaber an. In Vilabertran, drei Kilometer entfernt, findet im August in einem restaurierten romanischen Kloster ein Festival statt, das Schubert gewidmet ist.
Wo kann man in Figueres essen und trinken?
Die Küche des Empordà verbindet Meer und Berge in Gerichten, die man mar i muntanya nennt. Hier findet man Kombinationen wie Huhn mit Garnelen, Tintenfisch mit Schnecken. Die butifarra dolça, eine süße Wurst, die man roh oder gekocht genießt, ist ein lokaler Stolz. Die Zwiebel von Figueres, rosafarben und schmackhaft, begleitet viele Gerichte. Probiere auch die flaonas, kleine süße Teigtaschen, die jede Mahlzeit abrunden.
Vermeide die Restaurants direkt am Dalí-Museum, da diese oft mittelmäßig und überteuert sind. Suche dir lieber Adressen rund um die Rambla oder in den angrenzenden Straßen. Das Restaurant Duran, in dem Dalí regelmäßig verkehrte, bietet gehobene Gastronomie in elegantem Rahmen. Can Jeroni auf dem Marktplatz serviert Familienküche, die seit vier Generationen von Mutter zu Tochter weitergegeben wird. Für Tapas bietet die Sidreria Txot's eine angenehme Terrasse und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Die Region produziert Weine unter der Appellation DO Empordà. Mehr als 30 Weingüter öffnen ihre Tore für Besucher entlang der Weinstraße. Im Juni verwandelt die Weinmesse die Rambla in eine riesige Verkostung unter freiem Himmel.
Wo übernachten in Figueres und Umgebung?
Das Stadtzentrum rund um die Rambla ist ideal, da man alles zu Fuß erreichen kann. Hotels gibt es dort reichlich, von preiswerten Herbergen bis hin zu gehobeneren Häusern wie dem Hotel Duran oder dem Hotel Pirineos. Für mehr Ruhe bietet das Viertel Sant Ferran in der Nähe der Festung geräumige Unterkünfte mit Parkmöglichkeiten.
Wenn du die Region erkunden möchtest, erleichtert eine Unterkunft in der Nähe des Bahnhofs Figueres-Vilafant die Anreise. Die umliegenden Dörfer wie Vilabertran oder Peralada bieten ruhige Gästezimmer in ländlicher Umgebung. Die Preise bleiben dort unter denen von Barcelona oder den Badeorten der Costa Brava.
Anreise und Fortbewegung in Figueres
Die Anreise aus Frankreich ist unkompliziert. Mit dem Auto führt die Autobahn AP-7 ab Perpignan in 30 Minuten zum Ziel. Von Montpellier sind es etwa 1,5 Stunden, von Toulouse etwa 2,5 Stunden. Die Maut ab Le Perthus kostet etwa 10 Euro.
Der Zug ist die praktischste Option. Der Bahnhof Figueres-Vilafant liegt an der Hochgeschwindigkeitsstrecke und wird von TGV-Zügen aus Paris in etwa 5 Stunden angefahren. Von Barcelona aus benötigen die AVE- und Avant-Züge für die Strecke 55 Minuten, bei Preisen zwischen 7 € und 20 € je nach Buchungszeitpunkt. Es gibt etwa 15 tägliche Verbindungen. Der Flughafen Girona-Costa Brava, 45 Minuten entfernt, bietet eine Alternative für Low-Cost-Flüge.
Vor Ort ist alles fußläufig erreichbar. Das Zentrum ist kompakt und die wichtigsten Attraktionen liegen nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Ein Auto ist nur erforderlich, wenn du die Umgebung erkunden willst.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling und der Herbst bieten die besten Bedingungen: milde Temperaturen, weniger Andrang und ein wunderschönes Licht auf die Landschaft. Der Sommer lockt Massen in das Dalí-Museum, die Warteschlangen werden lang und die Preise steigen. Die Tramontana, ein charakteristischer Nordwind, weht regelmäßig und kühlt heiße Tage ab. Der Winter bleibt mild, aber einige Einrichtungen schließen oder reduzieren ihre Öffnungszeiten. Vermeide den August, wenn du Menschenmengen nicht magst.
Ich war im Urlaub in Empuria Brava, wo die Eltern einer Freundin wohnten, als ich Figueres besucht habe. Es ist eine charmante kleine Stadt an der Costa Brava. Sie ist vor allem für ihr beeindruckendes, rosafarbenes Dali-Museum mit den riesigen Eiern auf dem Dach bekannt. Ideal, um in die surreale Welt des Künstlers einzutauchen. Danach kann man wunderbar durch das historische Zentrum schlendern und die belebten Gassen entdecken.