Faro entdecken: Das bestgehütete Geheimnis der Algarve
Das Klappern der Störche auf den alten Stadtmauern mischt sich mit dem Duft der Orangenbäume, die durch die gepflasterten Gassen ziehen. Fernab vom Trubel der großen Touristenorte zeigt sich hier eine Provinzhauptstadt mit menschlichem Maßstab, die ihren Rhythmus ganz nach den Gezeiten der Lagune der Ria Formosa ausrichtet. Wie kann es sein, dass das Eingangstor zur Algarve gleichzeitig ihre authentischste Seite ist?
Faro: Ein echter Ausgangspunkt für Entdecker statt Pauschalresort
Die Stadt ist ein frischer Wind für Reisende, die mehr als nur einen Strand suchen. Sie ist das ideale Ziel für alle, die Geschichte und Natur lieben und den Puls einer echten portugiesischen Stadt spüren wollen. Wenn du gerne durch einen erhaltenen historischen Kern schlenderst, Bootsausflüge unternimmst und in lokalen Restaurants essen möchtest, ohne zu viel auszugeben, wirst du dich hier wohlfühlen.
Suchst du hingegen das nächtliche Party-Programm von Albufeira oder die von Klippen gesäumten Strände von Lagos, könnte dir Faro zu ruhig sein. Es ist kein klassischer Badeort, und der Hauptstrand ist vom Stadtzentrum aus nicht fußläufig erreichbar. Faro ist vielmehr ein Ausgangspunkt, eine Stadt für Kultur- und Naturfreunde, die ein wenig Neugier mitbringen.
Die Vila Adentro: Eine Zeitreise
Das eigentliche Juwel der Stadt ist die befestigte Altstadt, die Vila Adentro. Man betritt sie durch den imposanten Arco da Vila, ein neoklassizistisches Tor, das ein maurisches Portal aus dem 11. Jahrhundert beherbergt. Dahinter erstreckt sich ein Labyrinth aus Kopfsteinpflastergassen, schattigen Plätzen und weiß getünchten Häusern, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Blick nach oben lohnt sich, denn hier finden sich zahlreiche Storchennester, die symbolträchtigen Bewohner der Stadt.
Im Herzen der Zitadelle thront die Sé, die Kathedrale. Ihr Äußeres ist eine faszinierende Mischung aus verschiedenen Baustilen, die durch aufeinanderfolgende Umbauten entstanden sind. Der Aufstieg auf den Glockenturm ist zwar etwas anstrengend, wird aber mit einem spektakulären Panoramablick über die Dächer der Stadt, die Lagune und den Ozean belohnt.
Ein kleiner Tipp: Lass den Stadtplan einfach stecken. Das wahre Vergnügen in der Vila Adentro besteht darin, sich treiben zu lassen, in eine zufällige Gasse abzubiegen und plötzlich auf einem leeren Platz oder einem unerwarteten Aussichtspunkt auf den Stadtmauern zu landen.
Der Naturpark Ria Formosa: Ein verborgener Schatz
Direkt vor den Toren der Stadt erstreckt sich eines der schönsten Ökosysteme Portugals: der Parque Natural da Ria Formosa. Dieses Labyrinth aus Kanälen, Inseln, Sümpfen und Sandbänken ist ein Wunder der Artenvielfalt. Es ist ein Paradies für Vogelbeobachter und Naturliebhaber gleichermaßen.
Am besten lässt sich das Gebiet bei einem Bootsausflug ab dem Yachthafen erkunden. Einheimische Guides zeigen dir diese einzigartige Landschaft und steuern dabei die vorgelagerten Inseln an. Die Ilha Deserta macht ihrem Namen alle Ehre und bietet kilometerlange, wilde Strände. Die Ilha da Culatra hingegen ist ein authentisches Fischerdorf, in dem es weder Autos noch asphaltierte Straßen gibt.
Jenseits der Stadtmauern: Lokales Leben und eine makabre Kapelle
Der moderne Teil der Stadt außerhalb der Mauern ist ebenso angenehm. Fußgängerzonen wie die Rua de Santo António eignen sich hervorragend zum Bummeln und um die lokale Atmosphäre aufzusaugen. Die wohl erstaunlichste Sehenswürdigkeit ist jedoch die Igreja de Nossa Senhora do Carmo, eine prachtvolle Barockkirche.
Hinter dieser Kirche verbirgt sich die berühmte und zugleich beklemmende Capela dos Ossos (Knochenkapelle). Die Wände und die Decke dieser kleinen Kapelle sind vollständig mit den Gebeinen und Schädeln von über tausend Mönchen bedeckt. Eine Inschrift über dem Eingang erinnert an die Bedeutung des Ortes: Wir Knochen, die hier sind, warten auf die euren.
Ein kleiner Tipp: Nach dem Besuch der Kapelle kannst du dich im schönen Jardim da Alameda João de Deus entspannen, einem friedlichen Park mit Pfauen und exotischen Pflanzen, der perfekt ist, um die Eindrücke zu verarbeiten.
Wo kann man in Faro essen und trinken?
Die Küche der Algarve ist stark vom Meer geprägt. Die lokale Spezialität ist die cataplana de marisco, ein Meeresfrüchteeintopf, der in einem typischen Kupfertopf geschmort wird. Probiere außerdem die Muscheln (amêijoas à Bulhão Pato) oder Garnelen mit Knoblauch. Für ein authentisches Erlebnis empfiehlt es sich, die kleinen Restaurants in den Gassen rund um den Yachthafen aufzusuchen, in denen auch die Einheimischen essen.
Wo übernachten in Faro und Umgebung?
Für ein echtes Eintauchen in die Stadt wählst du ein charmantes Hotel oder eine Pension in der Vila Adentro. So bist du mitten im Geschehen, hast es aber abends angenehm ruhig. Das moderne Stadtzentrum bietet mehr Auswahl und eine lebendigere Atmosphäre. Wenn du direkten Strandzugang suchst, gibt es einige Unterkünfte auf der Praia de Faro, die jedoch etwas abgelegener liegen.
Anreise und Fortbewegung in Faro
Der Flughafen Faro (FAO) ist das wichtigste Tor zur Algarve und wird von zahlreichen Billigfluggesellschaften aus ganz Europa angeflogen. Das Stadtzentrum ist in wenigen Minuten mit dem Bus oder dem Taxi zu erreichen. Auch ab Lissabon ist Faro gut mit dem Zug oder Bus erreichbar (ca. 3 Stunden Fahrt).
Das historische Zentrum lässt sich problemlos zu Fuß erkunden. Um die Region zu erkunden, ist ein Mietwagen die beste Wahl. Er gibt dir die Freiheit, Orte wie Olhão und Tavira zu entdecken oder bis zum Sardinenhafen von Portimão und in die charmanten Dörfer des Hinterlandes zu fahren.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling und der Herbst sind ideal, da die Temperaturen sehr angenehm sind, weniger Touristen unterwegs sind und die Natur in voller Pracht steht. Der Sommer ist perfekt zum Baden, allerdings ist dann Hochsaison und es kann sehr heiß werden. Der Winter ist sehr mild, oft sonnig und ideal, um die Stadt in aller Ruhe zu genießen.
Ich weiß nicht, warum Faro oft als Top-Reiseziel für den Süden Portugals angepriesen wird, aber ich war ziemlich enttäuscht. Man hat die Altstadt in einer Stunde gesehen, es ist dort nicht besonders viel los und der Strand ist weit weg. Kurz gesagt, sucht euch lieber andere Orte in der Region aus, wie Portimao oder Lagos.