Épinal, die Stadt der Bilder: Ein Stück Lothringen und die Vogesen zum Greifen nah
Im Jahr 1796 startete ein Drucker namens Jean-Charles Pellerin in einer Stadt in den Vogesen die Produktion populärer Bilder für ganz Frankreich. Zwei Jahrhunderte später sind diese naiven, farbenfrohen Stiche weltweit bekannt, und ihre Heimatstadt trägt bis heute stolz den Beinamen Stadt der Bilder.
Épinal, das von der Mosel durchflossen wird und sich an die ersten Hügel aus rosa Sandstein schmiegt, ist diesem besonderen Erbe treu geblieben. Gleichzeitig hat die Stadt ein kulturelles und naturverbundenes Angebot entwickelt, das weit über den Ruf einer reinen Durchgangsstation hinausgeht.
Eine Reise für dich?
Épinal ist eine überschaubare Stadt mit rund 35.000 Einwohnern. Sie ist genau richtig für Neugierige sowie Liebhaber von Natur und Geschichte. Wer Party sucht oder auf internationalen Tourismustrubel aus ist, wird hier weniger fündig.
Ideal für:
- Kulturinteressierte: Populäre Bildkunst, Museen und das Festival für phantastische Literatur.
- Familien: Das Schlossgelände, der SpinaParc und das Planetarium bieten viel Abwechslung.
- Wanderer und Mountainbiker: 480 km markierte Wanderwege und 900 km Mountainbike-Strecken.
- Entdecker der Vogesen: Ein perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge nach Gérardmer oder auf die Route des Crêtes.
- Preisbewusste Reisende: Épinal ist deutlich günstiger als die großen Touristen-Hotspots in Frankreich.
Weniger geeignet für:
- Reisende, die einen Badeort oder ein typisches Hochgebirgsresort suchen.
- Gourmets, die Sterneküche erwarten: Das Angebot ist hier begrenzt.
- Nachtschwärmer, die ein intensives Nachtleben suchen.
- Besucher des MUDAAC: Das Museum ist wegen Umbauarbeiten bis Anfang 2027 geschlossen.
Ein fairer Preis für eine Stadt im Osten
Épinal bietet ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Unterkünfte und Restaurants liegen selbst in der Hochsaison meist unter dem französischen Durchschnitt.
| Ausgaben | Richtwert |
|---|---|
| Einfache Unterkunft (2-Sterne-Hotel, Pension) | 40 bis 65 Euro / Nacht |
| Komfortable Unterkunft (3-4-Sterne-Hotel, Spa) | 80 bis 130 Euro / Nacht |
| Imbiss (Bäckerei, Flammkuchen zum Mitnehmen) | 8 bis 14 Euro |
| Restaurantbesuch (Lothringer Küche, Brasserie) | 18 bis 35 Euro |
| Aktivitäten (Cité de l'Image, SpinaParc, Planetarium) | 5 bis 20 Euro je nach Angebot |
| Tagesbudget Backpacker | 60 bis 90 Euro |
| Tagesbudget komfortabel | 130 bis 200 Euro |
Eine Stadt, in der man sich leicht zurechtfindet
Das historische Zentrum lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Der Bahnhof liegt weniger als einen Kilometer von der place des Vosges entfernt, und das Parken ist am Stadtrand oft einfach und sogar kostenlos.
Das städtische Busnetz erschließt die Stadt gut, aber für die weitere Umgebung, wie den Lac de Bouzey oder das Vogesenmassiv, ist ein Auto empfehlenswert. Carsharing-Apps und lokale Taxis funktionieren ordentlich, auch wenn sie nicht die Dichte einer Metropole bieten.
Das rechte Ufer und der tausendjährige historische Kern
Alles beginnt an der place des Vosges, die man nicht mit ihrem berühmten Namensvetter in Paris verwechseln sollte. Gesäumt von Arkadenhäusern, darunter die bemerkenswerte maison du Bailli von 1604, vereint dieser Platz Markt, Theater, Rathaus und Straßencafés auf überraschend kompaktem Raum. Samstagvormittags bauen hier die lokalen Erzeuger ihre Stände auf.
Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich die basilique Saint-Maurice aus dem für die Vogesen typischen rosa Sandstein. Ihre Architektur zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert verbindet gotische, champenoise und burgundische Einflüsse. Das Innere ist besonders im Licht des späten Nachmittags sehenswert.
Tipp vom Experten: Das musée du Chapitre, untergebracht in einem der letzten Türme der mittelalterlichen Stadtmauer, bewahrt ein sehr anschauliches Modell der Stadt aus dem 17. Jahrhundert. Oft von eiligen Besuchern übersehen, ist es einer der besten Einstiege in die Geschichte von Épinal.
Die Cité de l'Image: Die DNA der Stadt
Hier schlägt das Herz der Stadt. Das Musée de l'Image, in den ehemaligen Werkstätten der Imagerie Pellerin angesiedelt, beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen populärer Druckgrafik in Frankreich und Europa. Jahrhundertelange Techniken wie Kolorierung, Holzschnitt und Lithografie werden in den Werkstätten noch heute angewandt.
Der Besuch dauert mit Tablet und Audioguide etwa eine Stunde und kostet 11 Euro. Unsere Einschätzung: Die Sammlung ist faszinierend für alle, die sich für die Geschichte des Bildes und des Drucks interessieren. Für kleine Kinder ist es weniger spektakulär, aber ab 10 Jahren ist es ideal.
Tipp vom Experten: Gehe direkt in die l'Imagerie am Ende des Hofes und nicht nur in das Museum am Eingang. Besucher, die beides verwechseln, sind oft enttäuscht, während das wahre Erlebnis am Ende des Geländes wartet.
Das Schlossgelände und grüne Oasen
Épinal trägt das Prädikat als eine der blütenreichsten Städte Frankreichs. Das ist kein leeres Marketing, denn die Grünanlagen sind wirklich allgegenwärtig und bestens gepflegt.
Der parc du château, 27 Hektar auf einem Hügel über der Stadt, verdient einen halben Tag Zeit. Dort findest du die imposanten Ruinen einer mittelalterlichen Burg, die 1670 auf Befehl Ludwigs XIV. zerstört wurde, dazu einen Tierpark, einen mittelalterlichen Garten und Spielplätze. Der Blick auf die Dächer von Épinal und die Mosel ist einer der schönsten der Stadt.
Weiter südlich verläuft der parc du Cours entlang der Mosel mit schattigen Wegen. Die roseraie de la Maison Romaine, eine Rekonstruktion aus dem späten 19. Jahrhundert, duftet im Frühling herrlich.
Vor den Toren der Vogesen: Natur und Geschichte
Acht Kilometer westlich bietet der lac de Bouzey 140 Hektar Wasserfläche, ideal für einen Tag am See. Eine Stunde Fahrt Richtung Osten und du erreichst die Vogesenkämme, Gérardmer und im Winter die Skipisten sowie im Sommer zahlreiche Wanderwege.
Geschichtsinteressierte sollten den fort d'Uxegney besuchen, eines der wenigen Werke der Vogesen-Verteidigungslinie, das die Weltkriege unbeschadet überstanden hat. Das Innere ist so erhalten, wie die Soldaten es verlassen haben. Der cimetière et mémorial américain, sieben Kilometer südöstlich von Épinal, ist einer der bedeutendsten US-Friedhöfe in Frankreich für den Zweiten Weltkrieg.
Tipp vom Experten: Der SpinaParc, nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt in einem alten Sandsteinbruch, bietet Kletterparcours für alle Levels, inklusive einer 170 Meter langen Seilrutsche für Erwachsene. Ein Muss für Familien oder um das kulturelle Programm aufzulockern.
Wo essen und trinken in Épinal?
Die lothringische Küche steht im Mittelpunkt: Flammkuchen mit Sahne, Speck und Zwiebeln, geschmolzener Munster in Burgern oder als Käseplatte und die typisch spinalischen beignets râpés mit crème d'Albert. Die Märkte am Samstag auf der place des Vosges bringen lokale Erzeuger und Handwerker zusammen.
Für regionale Küche ist L'Aromance in der rue Général Leclerc eine gute Adresse. Wer eine lebendige Brasserie mit lokalem Craft-Bier und Live-Musik sucht, wird in der Stadt ebenfalls fündig. Im Dezember verwandelt der Markt zum Saint-Nicolas auf der place Pinau die Stadt in eine winterliche Kulisse voller Lebkuchen- und Glühweinduft.
Wo übernachten in Épinal und Umgebung?
Das Stadtzentrum nahe der place des Vosges und dem Bahnhof ist für kurze Aufenthalte am praktischsten. Das Best Western Plus La Fayette Hotel et Spa ist das am besten bewertete 4-Sterne-Haus mit Pool, Sauna und Hamam. Für kleinere Budgets decken mehrere 2- und 3-Sterne-Hotels den Bedarf für unter 70 Euro pro Nacht.
Pensionen in den umliegenden Vogesendörfern bieten eine idyllischere Umgebung, sofern du ein Auto hast. Richtung Gérardmer oder in den Dörfern der route des crêtes gibt es viele Optionen, um Stadturlaub und Natur zu verbinden.
Wie kommt man nach Épinal?
Von Paris aus sind es etwa drei Stunden Fahrt über die A4 und N57. Mit dem Zug ist Épinal an Paris Saint-Lazare und Paris Est angebunden, die Fahrt dauert je nach Verbindung zwischen 2,5 und 3 Stunden. Es gibt Direktverbindungen, aber die Fahrpläne sollten vorab geprüft werden.
Der aéroport Épinal-Mirecourt liegt 32 km entfernt, bietet aber nur wenige Flüge. Der aéroport Metz-Nancy Lorraine, etwa 75 Minuten entfernt, hat mehr Verbindungen, besonders nach Paris und zu einigen Low-Cost-Zielen. Von Strasbourg aus benötigt man 90 Minuten mit dem Auto, von Nancy aus nur eine Stunde.
Wie bewegt man sich in Épinal fort?
Das historische Zentrum lässt sich komplett zu Fuß erkunden. Die rive droite (historisches Viertel) und die rive gauche (neue Stadt) sind durch mehrere Brücken über die Mosel verbunden. Das städtische Busnetz hilft bei Fahrten in weiter entfernte Viertel für etwa 1,50 Euro pro Fahrt.
Für Ausflüge in die Umgebung ist ein Auto empfehlenswert. Taxis sind vorhanden, aber in geringer Anzahl. Es gibt zwar keinen großen Uber-Service, aber lokale Taxibetriebe decken den Bedarf. Das Parken im Stadtzentrum ist einfach, mit mehreren Parkhäusern für unter einen Euro pro Stunde.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling (April bis Juni) ist ideal, um die blühenden Parks zu genießen und die Imaginales zu besuchen, das europäische Festival für phantastische Literatur, das jedes Jahr Ende Mai Autoren und Fans von Fantasy und Science-Fiction aus aller Welt anzieht. Der Sommer ist perfekt für den See, Wanderungen und Nachtmärkte.
Auch der Dezember ist wegen des fête de la Saint-Nicolas eine Reise wert, eine große lothringische Tradition, die die Stadt in ein Volksfest verwandelt. Januar und Februar solltest du meiden, wenn du empfindlich gegenüber Kälte und grauem Himmel bist, denn das Klima in den Vogesen kann rau sein.
Ich hatte keinen wirklichen Lieblingsmoment in der Stadt Épinal, die ich ein bisschen traurig fand. Dem Stadtzentrum fehlt es ein wenig an Leben und Unterhaltung, das ist schade. Man hat die Stadt schnell erkundet. In der Hochsaison gibt es vielleicht ein bisschen mehr Aktivitäten, das muss man sehen.