Nanterre, die Präfektur, die man zu kennen glaubt, ohne jemals dort gewesen zu sein
Wer zu einem Pariser von Nanterre sagt, erntet meist den Gedanken an La Défense, Glastürme und den Ausgang der RER A oder an die Plattenbauten aus den Kriminalreportagen.
Dabei existierte die Stadt lange vor den Wolkenkratzern. Hier soll im 5. Jahrhundert Sainte Geneviève auf den Anhöhen geboren worden sein, die heute die Seine überragen. Zwischen dem dichtesten Geschäftsviertel Europas und einem fast dörflichen historischen Zentrum pflegt Nanterre einen urbanen Kontrast, der im Großraum Paris ziemlich einzigartig ist.
Eine Destination für dich?
Nanterre spricht all jene an, die den Großraum Paris in seiner ganzen Komplexität verstehen wollen. Da ist der Kontrast zwischen der Skyline von La Défense und den Gassen des vielten Nanterre, zwischen den Konzernzentralen des CAC 40 und den Schrebergärten, die stellenweise noch überleben. Zudem dient die Stadt als logischer Ausgangspunkt für Paris-Besuche mit günstigeren Übernachtungspreisen.
Wer dagegen einen romantischen Ausflug oder ein malerisches Stadtzentrum für tagelange Spaziergänge sucht, ist hier definitiv an der falschen Adresse. Nanterre bleibt vor allem eine funktionale Stadt, die tagsüber von Berufsverkehr durchströmt wird.
Geeignet für:
- Geschäftsreisende rund um La Défense
- Reisende, die günstig nah an Paris unterkommen möchten
- Fans von Stadtplanung und moderner Architektur
- Naturliebhaber in der Stadt an den Seineufern
Ungeeignet für:
- Liebhaber dichter historischer Altstädte
- Romantische oder kontemplative Reisen
- Alle, die abends ein belebtes touristisches Nachtleben suchen
Ein deutlich sanfteres Budget als im Zentrum von Paris
| Kategorie | Betrag |
|---|---|
| Übernachtung in einfachem Hotel | 60 bis 90 € |
| Komfortable Übernachtung (3- bis 4-Sterne-Kette, Viertel La Défense) | 110 bis 180 € |
| Essen auf die Hand | 8 bis 13 € |
| Restaurantbesuch | 18 bis 30 € |
| Transport und kleinere Aktivitäten pro Tag | 10 bis 15 € |
Ungefähre Richtwerte, Änderungen vorbehalten
Praktische Infos
Dank der RER A und der Metrolinie 1, die beide Endstationen oder Haltestellen in La Défense und fünf Minuten von Nanterre-Préfecture haben, ist die Stadt in Rekordzeit an Paris angebunden. Das Klima entspricht dem der gesamten Île-de-France mit milden Sommern sowie kühlen, regnerischen Wintern, was für europäische Reisende keine Überraschung darstellt.
In puncto Sicherheit birgt Nanterre keine besonderen Risiken, solange du dich in den üblichen Bereichen wie Innenstadt, La Défense oder Universität aufhältst. Wie in den meisten Pariser Vororten meidest du am besten späte Alleingänge in abgelegenen Wohnvierteln.
La Défense, die Skyline, die am Wochenende niemals schläft
Das Geschäftsviertel erstreckt sich zu großen Teilen auf das Stadtgebiet von Nanterre, auch wenn sein Image fest mit Paris verbunden ist. Die 1989 fertiggestellte Grande Arche überragt noch immer die Esplanade, die heute oberirdisch frei zugänglich ist. Der auf der Esplanade verteilte Skulpturenpark mit Werken von Miró, Calder und César überrascht oft Besucher, die zwischen den Bürotürmen nicht mit zeitgenössischer Kunst gerechnet hätten.
Am Wochenende ändert sich die Atmosphäre grundlegend. Angestellte bleiben aus, die Straßen leeren sich und der Ort nimmt fast unwirkliche Filmset-Züge an. Das ist der ideale Moment für Architekturfotografie, sofern du weite, stille Flächen magst.
Das alte Nanterre, das andere Gesicht der Stadt
Das historische Zentrum von Nanterre bewahrt einen echten Stadtkern rund um die Kathedrale Sainte-Geneviève-et-Saint-Maurice. Das heutige Gebäude, das hauptsächlich zwischen 1924 und 1937 errichtet wurde, beherbergt unter anderem eine bemerkenswerte Ansammlung von Fresken aus den 1930er Jahren.
Der marché du Centre auf dem Place du Maréchal-Foch dienstags, donnerstags und sonntags vormittags bietet dir einen guten Startpunkt, um das lebendige Alltagsgeschehen im Stadtkern zu erleben.
Der auf ehemaligen Industriebrachen angelegte Parc André Malraux bietet eine weitläufige Grünfläche mit Teichen und Wiesen, die an Wochenenden bei den Familien vor Ort sehr beliebt ist.
Wo essen und trinken in Nanterre?
Das gastronomische Angebot rund um La Défense richtet sich vor allem an Geschäftsleute mit Fast-Food-Ketten und Brasseries am Mittag, die abends ruhiger werden. Das historische Stadtzentrum bietet eine abwechslungsreichere und erschwinglichere Küche, geprägt von einer starken multikulturellen Bevölkerung. Nordafrikanische, portugiesische und westafrikanische Lokale liegen in den Vierteln um den Markt nah beieinander.
Wo übernachten in Nanterre und Umgebung?
Das Viertel La Défense bündelt den Großteil der Hotels mit zahlreichen internationalen Ketten für Geschäftsreisende, die am Wochenende oft günstiger sind. Das Zentrum von Nanterre bietet bescheidenere und preiswertere Optionen, ideal, wenn das Budget wichtiger ist als die direkte Nachbarschaft zu den Türmen.
Wie kommst du nach Nanterre?
Von Paris aus brauchst du mit der RER A etwa 15 bis 20 Minuten von Châtelet-Les Halles bis nach Nanterre-Préfecture. Internationale Reisende erreichen den Flughafen Paris-Charles de Gaulle mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in knapp einer Stunde, den Flughafen Orly je nach Verbindung ebenfalls in etwa einer Stunde.
Wie kommst du in Nanterre von A nach B?
Mit La Défense, mehreren RER-Linien (A und E) und der Metrolinie 1 ist die Stadt nahtlos an Paris angebunden. Ein Tages- oder Wochenticket im Rahmen des Navigo-Systems bleibt die praktischste Wahl für unkomplizierte Fahrten.
Das Auto bringt kaum Vorteile, da Verkehr und Parkplätze rund um La Défense unter der Woche stressig werden können. Zu Fuß erkundest du die Altstadt problemlos, für den Weg ins Geschäftsviertel brauchst du jedoch die öffentlichen Verkehrsmittel.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die Stadt lässt sich das ganze Jahr über besuchen, doch die Wochenenden eignen sich am besten, um La Défense in einem unerwarteten, leeren und ruhigen Licht zu erleben. Unter der Woche geht es lebendiger und mit den Pendlerströmen zu den Stoßzeiten auch deutlich voller zu.
