Saint-Hippolyte, das Dorf, das nach Trauben und offenem Feuer riecht
Hier zieht die elsässische Weinstraße eine schnurgerade Linie zwischen den Reben und Fachwerkhäusern. Schon in den ersten Oktobertagen liegt der Duft von gärendem Most in der Luft, während rote Fensterläden leise gegen die Kopfsteinpflastergassen schlagen.
Saint-Hippolyte hat so gar nichts von einer erstarrten Postkartenkulisse: Es ist ein echter Winzerort, der seit Generationen im Rhythmus der Weinlese lebt.
Ein Ort wie für dich gemacht?
Du magst Zwischenstopps, die das Tempo eines Roadtrips drosseln? Weinberge so weit das Auge reicht, Weinkeller, in denen mehr geplaudert als verkauft wird, und Spaziergänge zu Burgruinen mit Blick auf die Rheinebene? Dann kreuzt dieses Dorf all deine Erwartungen an.
Suchst du hingegen nach Nachtleben, dutzenden Museen oder einer riesigen kulinarischen Auswahl, wird dir Saint-Hippolyte schnell zu ruhig erscheinen. Es ist ein Ausgangspunkt, kein eigenständiges Reiseziel für ein volles Programm.
Geeignet für:
Ungeeignet für:
- Städtereisen mit Nachtleben und vielfältiger Gastronomie
- Reisende ohne Auto (eingeschränkte öffentliche Verkehrsmittel)
- Alle, die große Touristenattraktionen direkt vor Ort erwarten
Überschaubare Kosten, weit weg von den Preisen in den Top-Orten
Verglichen mit Riquewihr oder Colmar bleiben die Preise hier moderat. Man bezahlt für den Wein und deftige Mahlzeiten, nicht für den Namen auf der Postkarte.
| Kategorie | Rahmen |
|---|---|
| Übernachtung in einer Pension (Chambre d'hôtes) | 60 bis 80 € |
| Übernachtung in einer Ferienwohnung (Gîte) | 90 bis 130 € |
| Snack unterwegs (Brezel, Flammkuchen auf die Hand) | 6 bis 10 € |
| Essen im Restaurant oder in einer Winstub | 18 bis 30 € |
| Weinprobe im Keller | 5 bis 15 € |
Richtpreise, Änderungen vorbehalten
Die Realität vor Ort
Große Hotels sucht man hier vergebens: Übernachtet wird vor allem in Chambres d'hôtes und Gîtes direkt bei den Winzern, oft mit Blick aus dem Fenster direkt auf die Rebstöcke. Reserviere während der Weinlese frühzeitig, da sich das Dorf in dieser Zeit rasch füllt.
Ein Auto ist fast unerlässlich, um die Weinstraße zu erkunden und die Nachbardörfer zu erreichen. Die Bergstraßen hinauf zum Haut-Koenigsbourg sind steil, sorge im Winter also für ein fahrtüchtiges Gefährt.
Das Rebland und die alten Gassen
Der Ortskern lässt sich in weniger als einer Stunde zu Fuß durchqueren. Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert säumen enge Straßen, in denen Winzer ihre Keller manchmal direkt zur Straße hin öffnen. Man begegnet hier eher Traktoren für die Lese als großen Reisebussen.
Die örtliche winzergenossenschaftliche Kellerei bündelt die Ernte mehrerer lokaler Erzeuger und bietet Verkostungen von Riesling und Spätburgunder (Pinot Noir) an, der als Königssorte der Region gilt.
Ein Tipp unter Freunden: Wähle für deinen Besuch lieber einen Wochentag außerhalb der Lesezeit (meide also September und Oktober), wenn du dich in Ruhe mit den Winzern unterhalten möchtest, statt auf deinen Zugewinn an Aufmerksamkeit zu warten.
Wanderungen zu den Burgen
Das Schloss Haut-Koenigsbourg
Nur wenige Kilometer entfernt thront diese im frühen 20. Jahrhundert restaurierte Mittelalterfestung in über 700 Metern Höhe über der elsässischen Ebene. Zu Fuß erreichst du sie vom Dorf aus über Waldwege oder mit dem Auto in etwa fünfzehn Minuten.
Die Ruinen des Petit-Hohnack
Diese weniger besuchten Ruinen mitten im Wald belohnen dich mit einem weiten Blick über die Weinberge und die umliegenden Ortschaften. Plane für den Hin- und Rückweg ab dem Dorfzentrum gut eine Stunde Gehzeit ein.
Der Wein und seine Aromen
Die Rebhänge von Saint-Hippolyte erstrecken sich an nach Südosten ausgerichteten Hängen, die ideal für den Spätburgunder sind, welcher den lokalen Ruf prägt, eine Ausnahme im ansonsten stark vom Weißwein dominierten Elsass. Bestimmte Parzellen bringen zudem einen mineralischen Riesling hervor, der vom Granitboden der Vogesen geprägt ist.
Gut zu wissen:
- Kostenlose Verkostungen bei mehreren unabhängigen Winzern im Dorf
- Ganzjährig geöffnete Genossenschaftskellerei mit Direktverkauf
- Ausgeschilderter Weinlehrpfad für einen Spaziergang zwischen den Rebzeilen
Wo essen und trinken in Saint-Hippolyte?
Die Winstubs des Dorfes servieren unaufgeregte elsässische Küche: knusprigen Flammkuchen, stundenlang geschmorten Baeckeoffe und dazu natürlich ein Glas lokalen Spätburgunder. Die Speisekarten verändern sich kaum, aber die Qualität bleibt konstant hoch.
Für eine unkomplizierte Stärkung bieten die Bäckereien im Zentrum je nach Saison Zwetschgenkuchenstücke an, die sich perfekt für ein Picknick in den Weinbergen eignen.
Wo übernachten in Saint-Hippolyte und Umgebung?
Das Ortsinnere besteht im Wesentlichen aus privaten Winzerzimmern, die wegen des authentischen Gefühls und des oft üppigen Frühstücks eine gute Wahl sind. Suchst du nach einer größeren Auswahl an Restaurants und Abendaktivitäten, bieten Ribeauvillé in 5 Kilometern Entfernung oder das direkt benachbarte Bergheim mehr Adressen.
Wie kommst du nach Saint-Hippolyte?
Der nächste Flughafen ist Strasbourg-Entzheim, rund 45 Autominuten entfernt. Von Straßburg aus brauchst du etwa 45 Minuten über die Weinstraße oder die Autobahn. Ab Colmar bist du in 20 Minuten da.
Aus der Schweiz, Deutschland oder Luxemburg erreichst du das Dorf je nach Startpunkt unkompliziert mit dem Auto in 2 bis 3 Stunden.
Wie bewegst du dich in Saint-Hippolyte fort?
Das Dorf lässt sich komplett zu Fuß erkunden. Für Ausflüge auf der Weinstraße und zu den umliegenden Burgen bleibt das Auto jedoch das praktischste Fortbewegungsmittel. Busverbindungen nach Ribeauvillé oder Sélestat existieren, fahren aber vor allem am Wochenende eher selten.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die Weinlese im September und Oktober bringt die lebendigste Atmosphäre mit sich, wenn die Winzer in den Reihen arbeiten und in den Kellern Hochbetrieb herrscht. Der Frühling im April und Mai besticht durch blühende Reben und einen ruhigeren Andrang.
Der Winter ist sehr friedlich, fast schon verschlafen, und einige Betriebe machen in dieser Zeit Pause.