Pontivy, die Stadt, die für einen Kaiser dreimal ihren Namen änderte
Im 7. Jahrhundert errichtete ein Mönch namens Ivy eine Brücke über den Blavet. Das Dorf, das um diese Brücke wuchs, übernahm den Namen: Pont-Ivy, später Pontivy. Dreizehn Jahrhunderte später heißt die Stadt noch immer so, abgesehen von den Perioden, in denen Napoleon entschied, dass sie seinen Namen tragen sollte.
Die Kleinstadt im Morbihan mit ihren 15 000 Einwohnern wurde dreimal in Napoléonville umbenannt und ist die einzige in Frankreich, die ihr doppeltes Gesicht bewahrt hat: Auf der einen Seite die verwinkelten Gassen aus dem Mittelalter, auf der anderen die schnurgeraden Avenuen, die der Kaiser entwerfen ließ.
Für Geschichtsfans und Radfahrer am Kanal
Wenn du Strände oder ein wildes Nachtleben suchst, wirst du hier nicht fündig. Pontivy richtet sich an Geschichtsinteressierte, Familien, die unberührte Natur suchen, und Radfahrer, die auf der Vélodyssée entlang des Kanals von Nantes nach Brest unterwegs sind. Die Stadt eignet sich zudem hervorragend als Ausgangspunkt, um das Zentrum der Bretagne zu erkunden: Der lac de Guerlédan, der größte künstliche See der Region, liegt nur fünfzehn Kilometer entfernt.
Ein Auto ist nahezu unerlässlich, um die Umgebung zu genießen. Das Busnetz von BreizhGo verbindet Pontivy zwar in 1 Stunde 30 Minuten mit Rennes, doch die abgelegenen Kapellen, Schmieden und Dörfer erreichst du am besten auf vier Rädern. Wer Slow Travel mag, wird sich hier wohlfühlen, denn die Zeit scheint langsamer zu vergehen.
Ein vernünftiges Budget für das bretonische Hinterland
Plane 70 bis 110 Euro pro Nacht für ein Gästezimmer oder ein kleines Hotel ein sowie 15 bis 25 Euro für eine komplette Mahlzeit. Der Eintritt zum Schloss und zu Führungen kostet etwa 4 bis 7 Euro, während das Festival L'Art dans les Chapelles im Sommer komplett kostenlos ist.
Das Schloss der Rohan und das mittelalterliche Viertel
Das château des Rohan überragt die Stadt seit 1485. Es wurde von Jean II. de Rohan erbaut, der als der Große Vicomte bekannt war, und zählt zu den letzten Wehrschlössern, die in der Bretagne errichtet wurden. Seine massiven Türme und dicken Mauern zeugen von einer Zeit, in der Artillerie die Kriegsführung veränderte. Im Februar 2014 stürzte nach heftigen Regenfällen die südliche Kurtine ein. Die Wiederaufbauarbeiten dauern an, doch während der Schulferien ermöglichen Führungen den Zutritt zum Innenhof und zu den Innenräumen.
Das mittelalterliche Viertel rund um das Schloss lässt sich gut zu Fuß erkunden. Auf dem place du Martray drängen sich Fachwerkhäuser, die aus einer Zeit stammen, als Pontivy durch den Leinenhandel florierte. Spaziere die rue du Fil und die rue du Pont hinunter, die alten Hauptstraßen, die deutlich verwinkelter sind als die napoleonischen Avenuen. Die basilique Notre-Dame-de-Joie, eine gotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert, ist wegen ihrer Glasmalereien einen Stopp wert.
Tipp vom Experten: Achte auf die Farbe der Straßenschilder. Rot steht für das mittelalterliche Viertel, Grün für das napoleonische Viertel. Das hilft dir, bei deinem Rundgang nicht den Faden zu verlieren.
Napoléonville und das imperiale Erbe
Im Jahr 1806 ordnete Napoléon I. den Bau des canal de Nantes à Brest an, um die britische Blockade zu umgehen. Pontivy, gelegen im Zentrum der Bretagne, wurde zu einem strategischen Knotenpunkt. Der Kaiser ließ ein neues Viertel mit rechtwinklig verlaufenden Straßen anlegen, das für 10 000 Soldaten ausgelegt war. Der place Aristide Briand bildet das Herzstück, gesäumt vom ehemaligen Tribunal, der Unterpräfektur und dem Rathaus.
Die église impériale Saint-Joseph, die 1858 von Napoléon III. und der Kaiserin Eugénie finanziert wurde, zeigt einen neugotischen Stil, der in dieser neoklassischen Umgebung überrascht. Ihr schlanker Glockenturm dominiert das Viertel. Ironischerweise erhielt die Stadt nach jedem Sturz eines Bonaparte ihren ursprünglichen Namen zurück.
Der Kanal und seine Treidelpfade
Das office de tourisme schwimmt. Es befindet sich auf dem Lastkahn Duchesse Anne, der am Quai Presbourg vertäut ist, und ist das einzige schwimmende Fremdenverkehrsamt in ganz Frankreich. Der Blavet canalisé fließt durch die Stadt und trifft auf den Kanal von Nantes nach Brest, was kilometerlange Treidelpfade bietet, die ideal zum Wandern oder Radfahren sind. Im Sommer kannst du direkt gegenüber dem Lastkahn Kajaks mieten.
Der Napoléon Express, ein touristischer Zug aus den 1950er Jahren, verkehrt von Juli bis September zwischen Pontivy und Lambel-Camors. Die Strecke führt durch das Blavet-Tal mit Haltestellen in Saint-Nicolas-des-Eaux und Quistinic. Kinder lieben diese Fahrt, und die Erwachsenen heimlich auch.
L'Art dans les Chapelles: Wenn zeitgenössische Kunst in sakrale Räume einzieht
Seit 1992 beherbergen jeden Sommer rund fünfzehn ländliche Kapellen in der Region Pontivy zeitgenössische Kunstwerke, die eigens für diese Orte geschaffen wurden. Das Festival L'Art dans les Chapelles zieht jährlich 100 000 Besucher an, dennoch ist der Eintritt kostenlos. Die Kapellen, die größtenteils im 15. und 16. Jahrhundert erbaut wurden, bilden einen spannenden Kontrast zu den Installationen, Skulpturen und Videos.
Die chapelle Sainte-Noyale in Noyal-Pontivy besitzt eine bemerkenswerte bemalte Decke. Die chapelle Saint-Nicodème in Pluméliau und die chapelle Notre-Dame de Quelven in Guern gehören zu den eindrucksvollsten. Vier beschilderte Routen ermöglichen es, die gesamte Ausstellung mit dem Auto oder dem Fahrrad zu erkunden.
Tipp vom Experten: Das Festival findet vom 4. Juli bis zum 31. August täglich außer dienstags von 14:00 bis 19:00 Uhr statt. Plane einen ganzen Tag ein, um eine vollständige Route abzufahren.
In der Umgebung: See, Schmieden und ein mittelalterliches Dorf
Der lac de Guerlédan, fünfzehn Kilometer nördlich, ist der größte See der Bretagne. Strände, Wasserski, Segeln, Angeln: Hier gibt es zahlreiche Aktivitäten. Im Jahr 2015 legte die Entleerung des Stausees die versunkenen Überreste des Kanals und der Schleusen frei, was mehr als eineinhalb Millionen Schaulustige anzog. Die abbaye de Bon-Repos in Saint-Gelven veranstaltet jeden Sommer eine historische Ton-und-Licht-Show.
In Melrand rekonstruiert das Village de l'An Mil das ländliche Leben um das Jahr 1000 mit strohgedeckten Häusern, einer Schmiede und Gärten. Die Forges des Salles in Sainte-Brigitte präsentieren ein vollständig restauriertes Industrie-Dorf aus dem 19. Jahrhundert, inklusive Arbeiterhäusern, Schule und Teichen. Die abbaye cistercienne de Timadeuc in Bréhan stellt weiterhin Käse her, der direkt vor Ort verkauft wird.
Wo kann man in Pontivy essen und trinken?
Das Restaurant Hyacinthe et Robert in der Nähe des Bahnhofs hält seit 2022 einen Bib Gourmand von Michelin. Küchenchef Damien bietet eine großzügige Küche aus dem Zentrum der Bretagne zu einem Menüpreis zwischen 30 und 50 Euro. Sein 2021 eröffnetes Bistro Numéro 100 bietet eine entspanntere Variante mit Gebäck und Weinkeller.
Für hausgemachte Burger mit lokalen Produkten ist Le Baradoz die richtige Adresse: Fleisch aus Frankreich, Käse aus der Abtei Timadeuc, Gemüse vom Gemüsehändler aus Loudéac. Der marché couvert findet am Samstagmorgen statt, der Wochenmarkt am Montag in der Rue De Gaulle. Die galettes de sarrasin (Buchweizenpfannkuchen) und der cidre fermier (bäuerlicher Apfelwein) sind die Klassiker, die du nicht verpassen darfst.
Wo übernachten in Pontivy und Umgebung?
Das Hôtel Le Rohan, ein Vier-Sterne-Haus in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert mit Garten, bietet Zimmer ab 90 Euro an. Les Berges de Blavet in der Altstadt direkt am Kanal bietet zehn Zimmer in einem intimeren Rahmen. Die Auberge de Jeunesse HI ist ideal für kleine Budgets und Radfahrer auf der Durchreise.
Rund um den lac de Guerlédan gibt es zahlreiche Ferienhäuser und Gästezimmer. Gîtes de Lenvos zwischen Pontivy und Cléguérec verfügt über einen Pool und zwei private Seen zum Angeln. Für ein außergewöhnliches Erlebnis bieten die hébergements de Quénécan Baumhäuser und Bauwagen mitten im Wald.
Wie kommt man nach Pontivy und wie bewegt man sich vor Ort?
Pontivy hat keinen eigenen Bahnhof. Die Busse von BreizhGo verbinden die Stadt mit Rennes in 1 Stunde 20 Minuten bis 1 Stunde 40 Minuten für 4 bis 10 Euro, je nach Verbindung. Die Linie 620 bietet wochentags 18 tägliche Verbindungen. Von Paris aus nimmst du den TGV bis Rennes und steigst dann auf den Bus um. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Vannes (52 km), Lorient (56 km) und Saint-Brieuc (67 km).
Mit dem Auto sind es von Rennes über die N24 und D764 etwa 1 Stunde 30 Minuten, von Nantes aus weniger als 2 Stunden. Das Parken im Stadtzentrum ist einfach, mit kostenlosen Parkplätzen rund um den place du Martray und den place Aristide Briand. Das städtische Busnetz PondiBus bedient die umliegenden Gemeinden, doch ein Auto ist für die Erkundung der Region vorzuziehen.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Sommer von Juli bis August ist die Zeit der Veranstaltungen: L'Art dans les Chapelles, der Napoléon Express und das Baden im lac de Guerlédan. Frühling und Herbst bieten ideale Bedingungen zum Wandern und Radfahren, ohne den sommerlichen Trubel. Im Winter kann das bretonische Hinterland grau und feucht sein. Der Markt am Montag belebt die Stadt das ganze Jahr über.
Ich habe meinen Besuch in Pontivy sehr genossen, eine Stadt mit reichem Erbe direkt am Canal de Nantes à Brest.
Der Spaziergang entlang des Kanals ist friedlich und sehr angenehm.
Das historische Zentrum mit seinen alten Gässchen und Fachwerkhäusern versprüht einen authentischen Charme.
Das mittelalterliche Schloss ist beeindruckend und gut erhalten, ein echtes Zeugnis der bretonischen Geschichte.