Nantes: Zwischen der Loire und einer Prise Fantasie
Der Duft von frischer Butter aus einer Bäckerei, das metallische Rattern der Straßenbahn, die an Art-déco-Fassaden vorbeizieht, und in der Ferne die imposante Silhouette eines mechanischen Elefanten, der majestätisch durch die Straßen schreitet. Genau das ist der erste Eindruck von Nantes: eine faszinierende Mischung aus Tradition, künstlerischem Mut und der typischen Gelassenheit des Loire-Tals.
Nantes: Eine Stadt für Künstler oder Flaneure?
Hier kommt es ganz auf deine Stimmung an. Wenn du Städte magst, die sich neu erfinden, ohne ihre Wurzeln zu kappen, wirst du dich schnell wohlfühlen. Nantes zieht sowohl Geschichtsliebhaber als auch Fans von moderner Architektur an. Auch Familien schätzen die entspannte Atmosphäre. Wer hingegen absolute Stille oder unberührte Natur direkt vor der Haustür sucht, könnte sich im lebendigen Stadtzentrum manchmal etwas überreizt fühlen.
Das Preisniveau ist für eine französische Großstadt moderat. Cafés sind erschwinglich und die Unterkünfte vielfältig, auch wenn manche Museen und Attraktionen ins Geld gehen können. Ein großer Vorteil: Du kannst alles bequem zu Fuß oder mit der Straßenbahn erreichen. Ein Auto ist innerhalb der Stadt überflüssig, es sei denn, du planst Ausflüge in die Umgebung.
Das mittelalterliche und königliche Herz
Das Zentrum dreht sich um das beeindruckende château des ducs de Bretagne. Die alten Stadtmauern laden zu einem Rundgang mit Blick über die Dächer der Stadt ein. Direkt daneben beeindruckt die cathédrale Saint-Pierre mit ihrem hellen Innenraum und ihrer beruhigenden, vertikalen Architektur.
In den umliegenden kleinen Gassen verstecken sich Fachwerkhäuser und überdachte Passagen wie der passage Pommeraye. Dieses Meisterwerk aus dem 19. Jahrhundert wirkt mit seinen feinen Boutiquen und den kunstvoll geschwungenen Treppen fast wie eine Theaterbühne.
Tipp vom Experten: Besuche das Schloss am Abend, wenn die Steine sanft beleuchtet sind und die Tagestouristen längst weg sind.
Die Île de Nantes und ihre außergewöhnlichen Maschinen
Auf der Île de Nantes ändert sich das Bild komplett. Ehemalige Werften wurden in Werkstätten umgewandelt. Hier begegnest du auch dem berühmten mechanischen Elefanten, der Passanten mit Wasserfontänen erschreckt. Die Machines de l’île verbinden die fantastische Welt von Jules Verne, der in Nantes geboren wurde, mit moderner Ingenieurskunst zu einem Spielplatz der besonderen Art.
Entlang der Loire laden zudem zahlreiche Bars und Guinguettes dazu ein, bei einem Craft-Bier den Blick über den Fluss schweifen zu lassen.
Tipp vom Experten: Buche deine Tickets für die Werkstätten der Maschinen unbedingt im Voraus, besonders an Wochenenden und in den Schulferien.
Das Viertel Bouffay und das Nachtleben
Das Viertel Bouffay ist ein Labyrinth aus gepflasterten Gassen, in denen es aus den überfüllten Straßencafés lautstark zugeht. Es ist der perfekte Ort, um ein Glas Muscadet zu Austern zu trinken oder eine echte bretonische Galette in einer Crêperie zu genießen.
Nachts wird es hier richtig feierlich. Aber Vorsicht: Da das Viertel bei Studenten beliebt ist, ist es zwar sehr lebendig, aber eben auch laut.
Tipp vom Experten: Wenn du es abends etwas ruhiger angehen willst, findest du in den kleinen Seitenstraßen versteckte Weinbars mit deutlich entspannterer Atmosphäre.
Natur und frische Luft vor den Stadttoren
Nur wenige Straßenbahnstationen entfernt bietet der jardin des Plantes eine grüne Oase, in der Skulpturen und exotische Gewächshäuser zwischen jahrhundertealten Bäumen stehen. Weiter außerhalb begeistert der Uferweg entlang der Erdre Wanderer und Radfahrer mit seinen eleganten Herrenhäusern.
Für Tagesausflüge sind die Atlantikküste oder die Sumpflandschaften der Brière in unter einer Stunde erreichbar, was Nantes zum idealen Ausgangspunkt für eine Mischung aus Stadtleben und Natur macht.
Tipp vom Experten: Miete dir ein Fahrrad und fahre bei Sonnenuntergang die Erdre entlang. Das goldene Licht auf dem Wasser ist fantastisch.
Essen und Trinken in Nantes
Die lokale Küche ist eine Verbindung aus Loire und Atlantik. Probiere den beurre blanc nantais zu fangfrischem Fisch, rillettes de canard auf dem Markt von Talensac oder den berühmten gâteau nantais, der mit einem Schuss Rum verfeinert wird. Auf den Märkten findest du zudem eine große Auswahl an Käse aus der Region und Meeresfrüchten.
Übernachten in Nantes
Wenn du mitten im Geschehen sein willst, ist das Viertel Bouffay oder die Gegend um den Bahnhof ideal. Wer es ruhiger mag, sollte sich auf der île de Versailles oder entlang der Erdre umsehen, wo einige Hotels einen schönen Blick aufs Wasser bieten. Außerhalb der Stadt bieten die Unterkünfte im Weinbaugebiet eine schöne Basis, um die hügeligen Weinberge und die lokalen Weinkeller zu erkunden.
Anreise und Fortbewegung
Der Flughafen ist durch einen schnellen Shuttlebus mit dem Zentrum verbunden, und die Zugverbindungen von Paris bringen dich in weniger als zwei Stunden ans Ziel. Vor Ort sind Straßenbahn und Bus sehr effizient, wobei das meiste ohnehin am besten zu Fuß zu entdecken ist. Ein Auto lohnt sich nur, wenn du die Küste oder das Hinterland erkunden möchtest.
Wann ist die beste Reisezeit?
Das Frühjahr und der frühe Herbst sind ideal: Das Wetter ist mild, es gibt zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und die Touristenmassen halten sich in Grenzen. Im Sommer wird es voller, vor allem wegen des Voyage à Nantes, einem künstlerischen Parcours, der die ganze Stadt verwandelt. Der Winter ist ruhiger und perfekt für alle, die lieber Museen besuchen und in gemütlichen Cafés entspannen.
Auch wenn die Sicherheit in der Stadt seit einigen Jahren nachlässt, bleibt Nantes eine sehr dynamische Stadt mit großem Potenzial. Die Besichtigungsmöglichkeiten sind vielfältig und für jedes Publikum geeignet, vom Château des Ducs de Bretagne bis zu den Machines de l’île. Das Verkehrsangebot ist ideal (Straßenbahn, Fluss-Shuttle, Bus...), wenn man kein Auto besitzt, egal ob man Tourist oder Student ist. Ich mag besonders die Veranstaltungssäle, die kleinen Cafés und das kulturelle Angebot, bei dem man ins Kino gehen, tanzen oder Musik hören kann, und das zu Preisen, die erschwinglich bleiben!