Brasilien trifft dich mit voller Wucht
Die feuchte Hitze klebt schon an dir, bevor du überhaupt den Flughafen von Rio de Janeiro verlassen hast. Taxis hupen ununterbrochen, aus einem vorbeifahrenden Auto dröhnt Samba, und ein Verkäufer spricht dich auf Portugiesisch an. Dieses Land, flächenmäßig etwa 16-mal so groß wie Frankreich, macht keine halben Sachen: Strände ziehen sich über Kilometer, der Amazonas-Regenwald bedeckt ein Drittel des Territoriums und Feste dauern tagelang.
Eine Reise nach Brasilien braucht Vorbereitung

Sagen wir es direkt: Das Land ist für Reisende, die ein gewisses Maß an Chaos akzeptieren und keinen europäischen Standard an jeder Ecke erwarten. Die Infrastruktur unterscheidet sich je nach Region stark. Rio und São Paulo bieten U-Bahnen, moderne Restaurants und Hotels, doch sobald man die Großstädte verlässt, werden Straßen oft unvorhersehbar und Fahrpläne sind eher Empfehlungen als feste Zeiten.
Portugiesisch ist die dominierende Sprache, weniger als 10 Prozent der Bevölkerung sprechen Englisch. Google Übersetzer herunterzuladen oder ein paar Sätze Portugiesisch zu lernen, verbessert das Reiseerlebnis erheblich.
Ist eine Reise nach Brasilien gefährlich?
Das Sicherheitsthema erfordert Aufmerksamkeit. Die Kriminalitätsraten sind hoch, besonders in Rio und bestimmten Vierteln der Metropolen. Das bedeutet nicht, dass dir zwangsläufig etwas passiert, aber dauerhafte Wachsamkeit ist notwendig. Trage keinen Schmuck offen, behalte dein Telefon in der Tasche und meide nachts menschenleere Gegenden. Apps wie Uber oder 99 sind eine sicherere Alternative zu Straßentaxis. Touristenviertel wie Copacabana und Ipanema sind tagsüber dank verstärkter Polizeipräsenz meist sicher. Favelas solltest du absolut meiden, selbst mit einem Guide, da die Lage dort unberechenbar ist.
Das Budget hängt von deinen Ansprüchen ab
Brasilien kann für Backpacker, die in Hostels übernachten, in günstigen Restaurants essen und Fernbusse nutzen, etwa 40 bis 60 BRL (ca. 7 bis 10 Euro) pro Tag kosten. Plane für ein mittleres Niveau mit ordentlichen Hotels und einigen Aktivitäten eher 80 bis 120 BRL (ca. 13 bis 20 Euro) pro Tag ein. Inlandsflüge mit Gol, Azul oder LATAM lassen die Kosten schnell steigen, sind bei den enormen Distanzen aber oft unumgänglich. Exkursionen in den Amazonas oder das Pantanal kosten für drei Tage schnell 300 Euro.
Rio zwischen Klischees und städtischer Realität
Die Cidade Maravilhosa macht ihrem Namen alle Ehre, wenn man mit der Seilbahn auf den Zuckerhut fährt. Die Bucht glitzert tief unter einem, Berge ragen aus dem Ozean und die Statue des Christus-Erlösers thront über allem auf dem Corcovado. Beide Orte besucht man am besten frühmorgens, um Menschenmassen zu vermeiden und das weichere Licht zu nutzen. Tickets online zu reservieren spart gerade in der Hochsaison wertvolle Zeit in der Warteschlange.
Die Strände von Copacabana und Ipanema sind Institutionen, erwarte aber kein einsames Tropenparadies. Der Sand ist voll von Cariocas, die Fußball spielen, Bier trinken und Musik hören. Die Atmosphäre ist laut und lebendig. Beim Baden ist Vorsicht geboten, da die Strömungen überraschend stark sein können. Fliegende Händler bieten ständig gekühltes Bier, Pareos oder Snacks an. Lass deine Sachen niemals unbeaufsichtigt, selbst für einen kurzen Sprung ins Wasser.
Das Viertel Lapa erwacht abends mit Bars und Samba-Clubs zum Leben, erfordert aber erhöhte Vorsicht. Die Arcos da Lapa und die Escadaria Selarón mit ihren 2.000 bunten Kacheln fotografiert man am besten bei Tageslicht. Santa Teresa, das auf den Hügeln gelegene Künstlerviertel, bietet gepflasterte Gassen mit Ateliers und charmanten Restaurants. Die historische gelbe Straßenbahn erklimmt die steilen Hänge mühsam und bietet eine malerische, wenn auch langsame Fahrt.
Um dem städtischen Trubel zu entfliehen, fahren die Cariocas gern nach Ilha Grande, nur 2 Stunden entfernt. Die Insel beherbergte bis 1994 ein Bundesgefängnis und blieb vom Bauboom verschont. Kaum Autos, kaum Bebauung, dafür schöne Strände und Waldwanderungen. Der Kontrast zu Rio ist enorm.
Tipp vom Experten: In den "Restaurantes por quilo" kannst du für 15 bis 25 BRL (ca. 2,50 bis 4 Euro) lokal essen. Du wählst aus, was dir schmeckt, wiegst deinen Teller und zahlst nach Gewicht. Ideal, um verschiedene Gerichte zu probieren, ohne viel auszugeben.
Amazonas und Pantanal: Die Tierwelt erleben

Der Amazonas will erarbeitet werden. Du musst nach Manaus oder Belém fliegen und von dort aus mit einem Boot tiefer in den Dschungel reisen oder in einer Lodge übernachten. Expeditionen von mindestens drei Tagen ermöglichen es, tief genug vorzudringen, um Kaimane, rosa Flussdelfine, Brüllaffen und zahllose Vogelarten zu beobachten. Die feuchte Hitze ist anstrengend, Mücken stechen unaufhörlich trotz Insektenschutz und Nächte in der Hängematte unter einem Moskitonetz sind nicht jedermanns Sache. Doch die Fahrt auf einem Amazonas-Nebenfluss bei Sonnenaufgang, umgeben vom Konzert des Waldes, bleibt unvergesslich.
Lokale Guides kennen den Wald in- und auswendig und entdecken Tiere, die du alleine nie finden würdest. Manche Lodges bieten Übernachtungen in der Baumkrone oder Begegnungen mit indigenen Gemeinschaften an. Die beste Reisezeit ist von Juli bis September während der Trockenzeit. Die Regenfälle von April bis Juni machen Pfade schlammig und schränken Aktivitäten ein.
Das Pantanal, ein riesiges Feuchtgebiet an der Grenze zu Paraguay und Bolivien, bietet noch bessere Chancen zur Tierbeobachtung. Jaguare, Wasserschweine, Anakondas, blaue Aras und Hunderte Vogelarten bevölkern diese Überschwemmungsgebiete. Die zu Lodges umgebauten Fazendas organisieren 4x4-Safaris, nächtliche Bootsausflüge und Ausritte. Preise beginnen bei ca. 100 Euro pro Tag inklusive Verpflegung, eine Investition, die sich für Naturliebhaber lohnt.
Naturwunder, die die Vorstellungskraft übersteigen

Die Iguazú-Wasserfälle an der Grenze zu Argentinien sind kaum zu beschreiben. 275 Kaskaden stürzen mit ohrenbetäubendem Lärm in die Tiefe und erzeugen Sprühnebel, in denen sich ständig Regenbögen bilden. Die brasilianische Seite bietet einen spektakulären Panoramablick, die argentinische Seite erlaubt es, auf Stegen ganz nah an die Fälle heranzukommen. Plane einen Tag pro Seite ein und nimm einen Regenmantel mit, denn du wirst definitiv nass. Die Stadt Foz do Iguaçu dient als logistische Basis, ist aber wenig charmant.

Die Lençóis Maranhenses im Nordosten wirken wie eine Fata Morgana. Schneeweiße Sanddünen erstrecken sich über 155.000 Hektar, gespickt mit türkisfarbenen Lagunen, die nach der Regenzeit entstehen. Von Juni bis September sind diese natürlichen Pools am schönsten gefüllt. Man erreicht den Park von Barreirinhas aus, einem kleinen Ort, der touristisch schnell wächst. Ausflüge per 4x4 und Wanderungen durch die Dünen unter praller Sonne erfordern eine gute körperliche Verfassung.
Salvador und die Küste des Nordostens

Salvador de Bahia pulsiert im Rhythmus seiner afro-brasilianischen Wurzeln. Das Pelourinho, das historische Zentrum mit bunten Fassaden, konzentriert barocke Kirchen, Kunstgalerien und Restaurants mit bahianischer Küche. Capoeira-Darbietungen beleben die Plätze, Trommelrhythmen hallen durch die Kopfsteinpflasterstraßen. Die Stadt hat eine eigene Seele, ganz anders als Rio oder São Paulo. Sonntags zieht die Kirche Bonfim Tausende für Candomblé-Zeremonien an, eine synkretistische Religion, die aus der Begegnung afrikanischer Glaubensvorstellungen mit dem Katholizismus entstand.
Richtung Süden bieten die Strände von Morro de São Paulo, Itacaré oder Trancoso feinen Sand, Palmen und eine entspannte Stimmung. Jericoacoara im Bundesstaat Ceará zieht Kitesurfer und Feiernde an. Fernando de Noronha, ein geschützter Archipel 350 km vor der Küste, besticht durch kristallklares Wasser und eine außergewöhnliche Meereswelt, wobei die Eintrittsgebühr von 100 BRL (ca. 17 Euro) pro Tag und hohe Preise den Massentourismus filtern.
São Paulo und Brasília: Zwei gegensätzliche Gesichter
São Paulo beeindruckt durch seine Maßlosigkeit. 12 Millionen Einwohner, 30.000 Restaurants, eine intensive Kulturszene mit Theatern, Museen und ein hektisches Nachtleben, das nie schläft. Das Viertel Vila Madalena ist bekannt für seine Street-Art, Liberdade beherbergt die größte japanische Gemeinschaft außerhalb Japans, die Avenida Paulista konzentriert Geschäfte und Museen. Diese Stadt ist nicht touristisch im klassischen Sinn, man erlebt sie für ihre kreative Energie und Gastronomie, die alle Küchen der Welt vereint.
Brasília, die vom Architekten Oscar Niemeyer entworfene Hauptstadt, fasziniert oder stößt ab. Ihre futuristischen Gebäude aus den 1960ern bilden ein Architekturmuseum unter freiem Himmel. Die Kathedrale mit ihrer hyperbolischen Struktur, der Nationalkongress mit seinen zwei Zwillingstürmen und der Palácio da Alvorada zeigen den Wagemut dieser Stadt, die in vier Jahren mitten im Cerrado erbaut wurde. Das Fehlen eines traditionellen Zentrums und die riesigen Distanzen zwischen den Stadtteilen machen den Besuch etwas befremdlich.
Brasilien auf dem Teller: Vielfalt und Großzügigkeit

Feijoada, das Nationalgericht, ist ein Eintopf aus schwarzen Bohnen und verschiedenen Schweinefleischstücken, der stundenlang köchelt. Restaurants servieren ihn traditionell mittwochs und samstags, begleitet von Reis, Orangenscheiben und Farofa, geröstetem Maniokmehl, das knusprig ist. Dazu trinkt man eine Caipirinha, ein Cocktail aus Cachaça, Limette und Zucker, der gefährlich süffig ist.
Pão de queijo, kleine Käsebällchen, isst man zu jeder Tageszeit. Coxinhas, tropfenförmige, mit Huhn gefüllte Krapfen, gibt es in jeder Bäckerei. Die bahianische Moqueca gart Fisch oder Garnelen in einem Sud aus Kokosmilch und Palmöl, serviert in einem heißen Tontopf. In Churrascarias gibt es "Rodizios", bei denen Kellner Fleischspieße direkt an den Tisch bringen, bis man kapituliert.
Tropische Fruchtsäfte erfrischen hervorragend: Açaí, Cupuaçu, Maracuja, Caju. Açaí wird oft als Bowl mit Granola und Bananen gegessen, besonders beliebt nach dem Strand. Die Märkte quellen über vor Früchten, die in Europa unbekannt sind. Brigadeiros, Trüffel aus Kondensmilch und Kakao, beenden die Mahlzeit süß und klebrig.
Die beste Reisezeit
Die Hochsaison dauert von Dezember bis März, während des brasilianischen Sommers. Temperaturen steigen auf 35 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit, Strände sind überfüllt, Preise steigen um 30 bis 50 Prozent. Karneval im Februar oder Anfang März verwandelt Rio vier Tage lang in ein riesiges Fest. Tickets für die Sambaschulen im Sambadrom müssen Monate im Voraus reserviert werden.
Von Mai bis September bringt der australische Winter mildere Temperaturen im Süden des Landes, perfekt für São Paulo, Iguazú oder die Kolonialstädte. Der Nordosten bleibt das ganze Jahr heiß. Dies ist die beste Zeit für den Amazonas und das Pantanal, mit weniger Regen und besserer Sicht auf die Tierwelt. Die Lençóis Maranhenses besucht man am besten von Juni bis September, wenn die Lagunen gefüllt sind.
Die Nebensaison von März bis November bietet reduzierte Preise und weniger Andrang. Tropische Regenfälle von April bis Juli können Aktivitäten stören, dauern aber selten den ganzen Tag. Lokale Festivals wie die Festas Juninas im Juni feiern die Volksheiligen mit Lagerfeuern, Volkstänzen und typischem Essen, besonders im Nordosten.
Anreise in den südamerikanischen Riesen
Direktflüge nach Rio oder São Paulo dauern etwa 11 bis 12 Stunden. Europäische Fluggesellschaften wie Air France, TAP und LATAM bieten regelmäßige Verbindungen. Rechne mit 600 bis 900 Euro in der Nebensaison, in der Ferienzeit oder zu Karneval oft das Doppelte. Ein Zwischenstopp in Lissabon verlängert die Reise, bietet aber manchmal günstigere Tarife.
Deutsche Staatsangehörige benötigen für touristische Aufenthalte von bis zu 90 Tagen kein Visum. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate nach Einreise gültig sein. Eine Gelbfieberimpfung wird für Amazonas und Pantanal dringend empfohlen, in manchen Regionen ist sie vorgeschrieben. Lass dich mindestens zehn Tage vor Abflug impfen. Reisende aus Österreich oder der Schweiz prüfen am besten die Bestimmungen für ihre Staatsangehörigkeit.
Die Einreise über Land von Argentinien, Paraguay, Uruguay oder Bolivien ist möglich. Fernbusse überqueren die Grenzen mit den nötigen Kontrollen. Eine Fahrt von Buenos Aires nach Foz do Iguaçu dauert etwa 18 Stunden.
Unterwegs im Land der Kontinente
Inlandsflüge sind aufgrund der Distanzen oft unerlässlich. Rio-Manaus sind 2.800 km, São Paulo-Salvador 1.500 km. Die drei Hauptgesellschaften bieten bei Vorab-Buchung wettbewerbsfähige Preise: 80 bis 150 Euro im Schnitt. Hauptflughäfen sind gut mit dem Zentrum verbunden.
Fernbusse sind eine günstige Alternative mit bequemen, halb liegenden Sitzen. Unternehmen wie Gontijo, Itapemirim oder Cometa durchqueren das Land. Ein Ticket Rio-São Paulo kostet 50 BRL (ca. 9 Euro) und dauert sechs Stunden. Nachtfahrten sparen eine Hotelübernachtung. Busbahnhöfe liegen oft am Stadtrand, plane ein Uber für die Weiterreise ein.
In Großstädten erleichtern U-Bahnen die Fortbewegung. Die Apps Uber und 99 funktionieren überall und sind deutlich günstiger als in Europa, rechne mit 2 bis 5 Euro für eine durchschnittliche Stadtfahrt. Meide Straßentaxis, außer an Flughäfen, wo sie reguliert sind. Eine Mietwagenbuchung lohnt sich für die Erkundung Küstenregionen oder Nationalparks, aber der aggressive Fahrstil erfordert eine ordentliche Portion Nervenstärke.