Chicago besuchen
Als drittgrößte Metropole der Vereinigten Staaten am Ufer des Lake Michigan im Middle-West hat das monumentale Chicago heute nur noch wenig mit Al Capone und der Prohibition zu tun. Nachdem das Stadtzentrum 1871 bei einem Großbrand fast vollständig zerstört wurde, entwickelte sich die Stadt zu einem architektonischen Laboratorium und zog Millionen skandinavische Einwanderer an, die den amerikanischen Traum suchten. Lange Zeit als Industriestandort für Stahlwerke und Schlachthöfe in der östlichen Landeshälfte bekannt, hat sich Chicago gewandelt. Heute ist die Stadt für ihre Bluesszene, ein pulsierendes Kunstleben und über 8000 Hotdog-Verkaufsstellen berühmt. Die Chicagoans sind überzeugt: Hier ist das wahre Amerika. Das Motto Urbs in Horto, wörtlich die Stadt im Garten, unterstreicht die hohe Lebensqualität. Versuche unbedingt eine deep dish pizza, die gut 6 cm dick ist, während du dir ein Spiel der legendären Bulls ansiehst.
Das Jahr wird von 4 Jahreszeiten geprägt, mit Wintern, die kalt, aber nicht extrem sind, und Sommern, die warm und angenehm windig sind.
The Loop, ein beeindruckendes Geschäftsviertel mit unerwarteten Facetten
Begrenzt durch den Chicago River, konzentriert The Loop die meisten ikonischen Wolkenkratzer wie den Willis Tower, das John Hancock Center sowie das Gebäude der Zeitung Tribune, dazu Museen und zahlreiche Parks. In diesem faszinierenden Viertel trifft Street Art harmonisch auf Skulpturen von Meistern wie Chagall, Miro oder Picasso.
Bemerkenswerte Architektur entdecken
Wenn es sich einrichten lässt, nimm an einer der 85 Führungen der Chicago Architecture Foundation teil (ca. 15 USD, entspricht etwa 14 Euro). Du lernst die verschiedenen Strömungen der modernen Stadtplanung kennen und siehst, wie sich der modernistische Stil durchgesetzt hat. Ebenfalls lohnenswert ist eine Bootstour mit Chicago's First Lady Cruises, bei der man die riesigen Gebäude vom Wasser aus bewundern kann. Eine sportliche Alternative ist die Tour mit dem Kajak.
Die Chicago Architecture Foundation bietet zudem ein kostenloses Stadtmodell. Für einen schnellen Überblick von etwa 15 Minuten steigst du an der Station Merchandise Mart in die Brown Line in Richtung Süden. Fans von Kriminalgeschichten sollten die Untouchable Gangster tour mit kostümierten Guides nicht verpassen.
Beginne im beeindruckenden Chicago Cultural Center, einer ehemaligen neoklassizistischen Bibliothek, die heute als Ausstellungsraum dient. Die Marmortreppen, die Tiffany-Kuppel und die Pastellmosaiken sind sehenswert. Wochentags finden hier kostenlose Konzerte statt. Danach geht es hoch auf den 442 Meter hohen Willis Tower (ehemals Sears Tower) für einen Panoramablick über den Loop. Das Skydeck im 103. Stock bietet Informationen zur Geschichte der Stadt. Mutige treten auf The Ledge, einen gläsernen Balkon. Ein weiterer Aussichtspunkt ist das John Hancock Center 360° Chicago Observatory. Eine kostenlose Alternative ist die 9. Etage der Harold Washington Public Library. In der Nähe liegen das Auditorium Building und das Carsons Camp Store im prachtvollen Sullivan Center (ehemals Carson Pirie Scott store).
Windy City, eine Stadt mit vielen Möglichkeiten
Kunst und Kultur
Entdecke den Millennium Park mit berühmten Skulpturen wie dem spiegelnden Cloud Gate von Anish Kapoor, dem scharlachroten Flamingo von Alexander Calder oder der Crown Fountain von Jaume Plensa. Der Park erstreckt sich bis zum grünen Grant Park, in dem sich das wunderbare Art Institute befindet. Liebhaber des Impressionismus kommen hier voll auf ihre Kosten.
Für eine Reise in eine andere Welt empfiehlt sich der Campus der University of Chicago, an der einst Barack Obama lehrte. Die neugotischen Gebäude, das Robie House und die ruhige Atmosphäre sind ein schöner Kontrast zum Trubel.
Shopping
Shopping-Fans zieht es zur Magnificent Mile mit vielen bekannten Marken. Besonders beliebt ist das Water Tower Place. Ganz in der Nähe befindet sich das elegante Wrigley Building, das von der Kathedrale von Sevilla inspiriert wurde und nachts wunderbar beleuchtet ist.
Entspannung
Mit Kindern ist das John G. Shedd Aquarium ein Highlight. Kostenlose Alternativen sind der Lincoln Park Zoo und das Lincoln Park Conservatory.
Bei schönem Wetter kannst du eine der 34 Strände der Stadt besuchen, die man vom Navy Pier aus erreicht. Ein Sonnenbad am Oak Street Beach ist ein besonderes Erlebnis. Wenn du Zeit hast, bietet ein Fahrradtrip auf dem Lakefront Trail einen Blick auf die Stadt, bei dem man den urbanen Stress schnell vergisst.
Wann ist die beste Reisezeit?
Die beste Zeit für einen Besuch in Chicago ist der Herbst.
Wie kommt man hin?
Airlines wie Air Canada, Air France, American Airlines, Delta Airlines, Icelandair, Lufthansa und United Airlines bieten tägliche Direktflüge von Paris nach Chicago an.
Wie bewegt man sich fort?
Vom Flughafen O'Hare nimmst du die Blue Line ab Terminal 3 (Dauer ca. 45 Min., für das Stadtzentrum an der Haltestelle Clark aussteigen). Alternativ gibt es den Airport Express (ca. 30 USD, entspricht etwa 28 Euro) oder ein Taxi (ca. 50 USD, entspricht etwa 47 Euro, je nach Verkehr).
Im Loop ist man am besten zu Fuß unterwegs. Ansonsten nutzt man die Hochbahn L Train. Da die Stadt sehr weitläufig ist, können die Fahrtzeiten lang sein.
Ich habe die „Windy City“ an einem Wochenende entdeckt, als ich an einem Austauschprogramm an der Universität in Columbus (Ohio) teilnahm. Da man über Chicago viel weniger spricht als über andere nordamerikanische Metropolen, habe ich mir vor dem Besuch nicht allzu viele Gedanken gemacht. Letztendlich war ich aber absolut geflasht (mehr noch als bei meiner Entdeckung von New York ein paar Jahre später). Eine beeindruckende Skyline, monumentale Gebäude, sowohl was das Volumen als auch die Höhe angeht, der Lake Michigan, der Chicago River, der sich wunderbar in die moderne Stadtplanung einfügt... Wir haben zwei Tage damit verbracht, ununterbrochen durch die Stadt zu laufen, ohne dass es jemals langweilig wurde. Wir haben dort gut gegessen (gut, für richtig gutes Essen muss man bereit sein, ein paar Dollar locker zu machen) und ordentlich gefeiert.
Kurz gesagt, meine beste Erinnerung an dieses erste Quartal auf amerikanischem Boden!