Abu Simbel besuchen
Im Süden Ägyptens hätte Abu Simbel ein unauffälliger Ort bleiben können, der bei Fernfahrern vor allem für seine Nähe zur sudanesischen Grenze bekannt ist. Doch das alte Nubien hat zwei unschätzbare Schätze im Sand hinterlassen: den großen Tempel von Ramses II. und den Tempel der Nefertari, die 1813 und 1817 von schweizerischen und italienischen Entdeckern wiederentdeckt wurden. Bedroht durch das steigende Nilwasser mussten sie 1964 um 160 Meter versetzt werden. Es dauerte dreieinhalb Jahre und erforderte 3.000 Arbeiter, um die massiven Felsblöcke zu lösen und neu zusammenzusetzen. Diese gewaltige Unternehmung faszinierte die Welt und veränderte das Schicksal der kleinen Stadt nahe Assuan für immer. Heute liegt Abu Simbel direkt am Nassersee und empfängt jährlich Millionen von Reisenden.
Ein Ort der Ruhe
Die Lage am Rande der Wüste verleiht Abu Simbel einen besonderen Charakter. Auch wenn die archäologischen Stätten der Hauptgrund für den Besuch sind, lohnt es sich, mindestens eine Nacht zu bleiben. Einige Hotels sind eine echte Hommage an die nubische Kultur und bestechen durch ihre traditionelle Architektur und kunstvolle Dekoration. In den kleinen Restaurants erwartet dich eine Küche mit Charakter. Zu den Spezialitäten zählen Tahina auf Sesam-Basis, Babaghanouj (Aureginenpüree) und natürlich Foul, ein herzhafter Eintopf aus dicken Bohnen. Als Dessert lieben Einheimische wie Reisende die Mehallabeyya, eine Creme mit Rosenwasser und Pistazien. Während der nubische Kaffee weltweit einen exzellenten Ruf genießt, ist der Hibiskustee eine erfrischende Alternative.
Neben Ausflügen in die Wüste ist der Nassersee ein weiteres Highlight. Er wirkt wie ein blaues Meer inmitten der trockenen Landschaft. Zwischen den Papyrusstauden haben zahlreiche Vögel, darunter viele Reiher, ihr Zuhause gefunden. Es ist ein wunderbarer Ort, fernab vom Trubel, der in ein außergewöhnliches Licht getaucht ist. Am Ufer wacht der Pharao wie ein unvergänglicher Herrscher über sein Land.
Ramses II., mächtig und ewig
In einem Land voller antiker Stätten gehört Abu Simbel zweifellos zu den beeindruckendsten. Auf den einst heiligen Hügeln von Meha und Ibshek begann Ramses II. gleich zu Beginn seiner Herrschaft im Jahr 1279 vor unserer Zeitrechnung mit diesem gigantischen Bauprojekt. Davor zu stehen, ist schlichtweg überwältigend. Die Tempel wurden direkt in die Sandsteinfelsen gehauen. Der größere der beiden ist verschiedenen Gottheiten gewidmet, darunter Re-Harachte mit seinem Falkenkopf und natürlich Ramses selbst. Die 33 Meter hohe Fassade besteht aus vier Statuen von jeweils etwa 20 Metern Höhe. Bekleidet mit einem Schurz, dem Nemes-Kopftuch und dem typischen Zeremonialbart, thront der Pharao in seiner vollen Pracht. Im Inneren führt eine Hypostyl-Halle mit faszinierend feinen Gravuren zu zehn Seitenkammern und schließlich zur Statuenhalle. Die Wände erzählen von Siegen, etwa in der Schlacht bei Kadesch gegen die Hethiter oder Libyer. Die Ingenieurskunst der Erbauer zeigt sich in einem Detail: An jedem Äquinoktium, im Februar und Oktober, ist alles so berechnet, dass ein Sonnenstrahl den Weg ins Innere findet und die Statue von Ramses an seinem Geburtstag in goldenes Licht taucht.
Nur wenige Meter entfernt liegt der Tempel der Nefertari, der Hauptgemahlin von Ramses II., die hier als Hathor vergöttlicht wurde. Er wirkt intimer, mit sechs 10 Meter hohen Statuen an der Fassade, davon vier den Pharao darstellend, sowie prächtigen Reliefs und den Skulpturen ihrer Kinder zu ihren Füßen. Die Königin thront mit ihrer Krone aus Hörnern und Federn. Im Inneren betonen Texte und Reliefs die Zuneigung des Paares und die Verehrung der Götter. Am Abend beleuchtet eine Licht- und Tonshow das Gelände. Auch wenn Ramses II. längst Geschichte ist, regiert er hier auf eine Weise weiter, die Besucher bis heute in ihren Bann zieht.
Die beste Reisezeit
Die heiße Saison dauert von Mai bis Oktober. Das Klima ist trocken und heiß, oft sogar extrem. Der kühlste Monat ist Januar. Wenn du Hitze vermeiden möchtest, ist die Zeit zwischen Februar und April ideal. Um den großen Besucherströmen zu entgehen, empfiehlt es sich, die Tempel sehr früh am Morgen zu besichtigen.
Anreise
Die Anreise erfolgt meist über Kairo nach Assuan, das etwa 280 km entfernt liegt. Von dort führen Busverbindungen durch die Wüste nach Abu Simbel, alternativ kannst du einen privaten Fahrer buchen. Auch eine Nilkreuzfahrt mit Zwischenstopp in Abu Simbel ist möglich. Die Stadt verfügt zudem über einen eigenen Flughafen, der Flug ab Assuan dauert etwa 45 Minuten.
Während meiner Nilkreuzfahrt in Ägypten haben wir als Familie den zusätzlichen Ausflug nach Abu Simbel gebucht und ich habe es nicht bereut. Ein Jeep hat uns sehr früh am Morgen in Assuan abgeholt. Die Fahrt war den ganzen Tag über lang, aber die Besichtigung der Giganten von Abu Simbel ist surreal und man muss es einfach gemacht haben. Es ist sicherlich neben den Pyramiden die interessanteste Stätte. Wir wurden aufgrund der terroristischen Bedrohung von der Armee zusammen mit anderen Touristenfahrzeugen eskortiert!