Musée Albert-Kahn: Vier Hektar Weltreise vor den Toren von Paris
Die rote Brücke spiegelt sich im dunklen Wasser des Teichs. Nur wenige Schritte weiter stehen Atlas-Zedern neben japanischen Ahornbäumen. Etwa fünfundzwanzig Minuten mit der Metro vom Pariser Stadtzentrum entfernt bietet das Musée Albert-Kahn ein seltenes Erlebnis: Man durchquert sieben verschiedene Landschaftsformen, ohne Boulogne-Billancourt zu verlassen.
Warum sich ein Besuch im Musée Albert-Kahn lohnt
Das vier Hektar große Gelände ist das Vermächtnis eines außergewöhnlichen Mannes. Albert Kahn, ein Bankier aus dem Elsass und einer der wohlhabendsten Männer Frankreichs seiner Zeit, war überzeugt, dass gegenseitiges Verständnis zwischen den Völkern zum Weltfrieden führen würde. Er initiierte die Archives de la Planète (Archiv des Planeten), eine Sammlung von 72.000 Farbfotografien und rund hundert Stunden Filmmaterial, die zwischen 1909 und 1931 in fünfzig Ländern entstanden. Diese Bestände wurden 2025 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.
Nachdem Kahn durch den Börsenkrach von 1929 sein Vermögen verlor, lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 1940 auf seinem Anwesen. Heute verwaltet das Département Hauts-de-Seine das Erbe. Nach sechsjährigen Umbauarbeiten durch den japanischen Architekten Kengo Kuma wurde das Museum im April 2022 wiedereröffnet.
Ein Gebäude von Kengo Kuma
Der neue Eingangspavillon bildet einen bewussten Kontrast zur Hektik am rond-point Rhin-et-Danube. Die Fassade aus Metalllamellen wirkt wie eine schützende Mauer und leuchtet bei Nacht wie eine Laterne. Im Inneren filtern Decken aus Eichenholz und Bambus das einfallende Licht.
Kengo Kuma griff dabei das japanische Konzept des engawa auf, einen Zwischenraum zwischen Innen und Außen. Überdachte Gänge, die durch Holzjalousien namens sudare vor der Sonne geschützt werden, umgeben das Gebäude. Der Blick wird stets durch etwas gelenkt: eine Bambuswand, eine Spiegelung im Glas oder das Blätterdach der Bäume.
Sieben Gartenlandschaften zum Erkunden
Der jardin japonais (japanische Garten) ist das Highlight des Rundgangs. Die pont rouge (rote Brücke), ein Nachbau der Shinkyo-Brücke aus Nikko, führt über einen Teich, in dem sich die Ahornbäume spiegeln. In einem Teehaus finden gelegentlich traditionelle Zeremonien statt.
Die forêt vosgienne (Vogesenwald) erinnert an die Heimat von Albert Kahn. Der forêt bleue (blaue Wald) verdankt seinen Namen den silbrig schimmernden Atlas-Zedern. Der jardin français (französischer Garten), entworfen von den Landschaftsarchitekten Duchêne, gruppiert sich um einen Rosengarten, während der jardin anglais (englischer Garten) mit weitläufigen Rasenflächen zwischen den Pflanzungen besticht.
Tipp vom Experten: Am ersten Sonntag jedes Monats ist der Eintritt frei. Reserviere dein Ticket unbedingt vorab online, da die Plätze schnell vergeben sind. Das Frühjahr ist die ideale Zeit, um die Blüte im japanischen Garten zu erleben.
Die fotografischen Sammlungen
Die originalen Autochrome-Platten sind zu empfindlich für eine dauerhafte Ausstellung. Hochwertige Reproduktionen zeigen jedoch die faszinierende körnige Technik, bei der Kartoffelstärke zur Farberzeugung genutzt wurde. Ein runder Raum mit Bildschirmen ermöglicht es, die Sammlung thematisch zu durchstöbern.
Die Salle des plaques (Plattensaal) rekonstruiert die Lichtbildvorführungen, die Albert Kahn einst für seine Gäste veranstaltete. Die Fabrique des images (Bildwerkstatt) zeigt die historische Ausrüstung der Fotografen, darunter Kameras und speziell angefertigte Reisekoffer.
Ein Teesalon mit Blick auf die Gärten
Das Museumscafé verfügt über eine Terrasse mit direktem Blick auf den englischen Garten. Dort werden Gebäck und leichte Gerichte serviert, die den Besuch entspannt abrunden.
Viele Fotos und einige Projektionen gibt es im überdachten Bereich des Museums zu sehen. Nicht alles ist gleichermaßen interessant, aber es lohnt sich trotzdem, überall mal reinzuschauen, um ein paar Schätze zu entdecken.
Draußen gibt es einen wirklich wunderschönen Garten, der allein schon die Reise wert ist. Der japanische Garten ist absolut gelungen, mit seiner Mischung aus bunten Pflanzen, dem hügeligen Gelände und den Teichen...
Ein besonderes Lob geht an das Paar, das das Restaurant betreibt: Sie bieten echte portugiesische Spezialitäten an, die man sonst in Paris nur schwer findet. Es schmeckt super und die beiden sind total nett.