Das Naturschutzgebiet Baie de Somme verstehen
Die Schlickflächen verwandeln sich innerhalb weniger Stunden in riesige Wasserflächen. Das Nationale Naturschutzgebiet Baie de Somme umfasst fast 3.000 Hektar eines Ästuars, in dem der Rhythmus der Gezeiten das Leben von tausenden Zugvögeln sowie der größten französischen Kolonie von Seehunden bestimmt.
Dieses zweitgrößte Ästuar-System im Nordwesten von Frankreich erstreckt sich mit seinen Salzwiesen, Sandbänken und Dünen zwischen der Pointe du Hourdel im Süden und Saint-Quentin-en-Tourmont im Norden.
Ein Schutzgebiet seit 1994
Ein Ministerialerlass vom 21. März 1994 besiegelte den Schutz dieses außergewöhnlichen Gebiets, das aus einem bereits 1968 eingerichteten Jagdrevier hervorging. Heute wird das Reservat vom Syndicat Mixte Baie de Somme - Grand Littoral Picard (einem kommunalen Zweckverband für die Küstenregion) verwaltet und schließt auf seiner Landseite den bekannten Parc du Marquenterre ein. Mehr als 300 Vogelarten, was 65 Prozent der europäischen Arten entspricht, suchen diese Lebensräume auf. Das Gebiet steht seit 1998 auf der Ramsar-Liste und trägt zudem das Label Grand Site de France.
Die Schlickflächen sind reich an wirbellosen Tieren, die als Nahrungsgrundlage für Wat- und Stelzvögel dienen. Die Salzwiesen, bedeckt mit Queller und Strandflieder, beherbergen eine salztolerante Flora, die an die regelmäßigen Überflutungen angepasst ist. Zwischen Dünen, Schilfgürteln und Marschen sorgt diese Mosaiklandschaft für eine bemerkenswerte biologische Vielfalt.
Seehunde und Vögel in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten
Die Seehundkolonie
Bei Ebbe füllen sich die Sandbänke mit abgerundeten Silhouetten. Die Bucht beheimatet etwa 600 Robben, davon 450 Seehunde und 150 Kegelrobben. Die besten Beobachtungen gelingen zwei Stunden vor oder nach der Flut, wenn die Meeressäuger auf ihre Ruheplätze zurückkehren. Da die Weibchen im Juni und Juli ihre Jungen zur Welt bringen, bietet der Sommer die Chance, die Jungtiere zu sehen.
Es gibt verschiedene Orte, um sich den Kolonien zu nähern, ohne die Tiere zu stören. Der Hourdel im Süden oder die Sandbänke, die von Le Crotoy aus erreichbar sind, gelten als ideale Aussichtspunkte. Geführte Touren zu Fuß, mit dem Kajak oder dem Einbaum ermöglichen eine respektvolle Annäherung.
Das Schauspiel des Vogelzugs
April, Mai und September markieren die Höhepunkte des Vogelzugs. Graugänse, Knutt-Strandläufer, Löffler, Silberreiher und Säbelschnäbler wechseln sich im Jahresverlauf ab. Watvögel durchsuchen bei ablaufendem Wasser die Schlickflächen, während Enten in großer Zahl auf den Wasserflächen überwintern. Der Parc du Marquenterre, das ornithologische Herz des Naturschutzgebiets, bietet 13 getarnte Beobachtungsposten entlang von 6 Kilometern Wanderwegen.
In den Beobachtungshütten teilen fachkundige Naturführer ihr Wissen. Sie helfen bei der Bestimmung der Arten, erläutern deren Verhalten und enthüllen die Geheimnisse dieser Zugvögel, die hier zwischen Skandinavien und Afrika einen Zwischenstopp einlegen.
Das Reservat erkunden: Wanderwege und Naturerlebnisse
Der Parc du Marquenterre als idealer Ausgangspunkt
Dieser 200 Hektar große Polder, der seit 1973 als ornithologisches Schutzgebiet dient, empfängt jährlich durchschnittlich 170.000 Besucher. Drei markierte Routen mit einer Dauer von 45 Minuten bis zu mehr als 2 Stunden passen sich jedem Tempo an. Der Besuch ist eigenständig möglich oder, für ein intensiveres Erlebnis, in Begleitung eines Führers. Das Gelände ist täglich geöffnet, wobei die Zeiten je nach Saison variieren: von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr im Winter und bis 19:00 Uhr von April bis September.
Vor Ort können Ferngläser geliehen werden. Ein Restaurant und ein Shop ergänzen das Angebot. Das Parken ist kostenlos und Fahrradwege führen direkt zum Eingang.
Kostenfreie Wege zum maritimen Teil
Das Naturschutzgebiet lässt sich auch von mehreren kostenlosen Zugangspunkten aus entdecken. Der Chemin des Bergers in Saint-Quentin-en-Tourmont führt nach einem 3,6 Kilometer langen Fußmarsch durch bewaldete Dünen zu frei zugänglichen Beobachtungsposten. Wichtiger Hinweis: Hunde sind im gesamten Naturschutzgebiet streng verboten, auch wenn sie an der Leine geführt werden.
Regelmäßig starten geführte Wanderungen vom Parkplatz La Maye in Le Crotoy. Diese 2 bis 3 Stunden dauernden Touren führen durch Salzwiesen, entlang der Wasserläufe und bis in die Nähe der Bereiche, in denen sich Seehunde und Vögel aufhalten.
Ein Insidertipp: Prüfe zwingend die Gezeitenzeiten, bevor du dich in den maritimen Bereich begibst. Manche Zonen sind nur bei Ebbe erreichbar und die Flut kommt sehr schnell zurück. Die örtlichen Führer kennen die sicheren Wege und die einzuhaltenden Sicherheitsabstände, um die Tierwelt nicht zu stören. Für eine erste Erkundung solltest du unbedingt eine geführte Tour buchen, besonders wenn du Seehunde aus der Nähe beobachten möchtest.
Beste Reisezeit
Jede Jahreszeit offenbart ein anderes Gesicht. Im Frühling kommen die Brutvögel und die ersten Zugvögel an. Der Sommer ermöglicht die Beobachtung von jungen Seehunden und Vogelküken. Der Herbst markiert den Höhepunkt des Vogelzugs mit maximaler Artenvielfalt. Im Winter sind nordische Gäste wie Enten, Gänse und verschiedene Stelzvögel zu sehen.
Die touristische Hochsaison liegt im Juli und August. Wenn du eine ruhigere Umgebung bevorzugst, sind Mai, Juni oder September empfehlenswert. Das flache Licht am Morgen und am Abend verleiht der Landschaft eine besondere Stimmung und erleichtert die Beobachtung.
Dieses Gebiet ist reich an Biodiversität. Man kann viele verschiedene Vogelarten beobachten, aber auch Seehundkolonien, besonders in der warmen Jahreszeit. Um die besten Chancen zu haben, sollten Sie eine Tour mit einem Guide buchen. Ich fand es klasse.