Kusakabe Mingeikan: Vom Handelshaus zum Tempel des Mingei
Der Hauptbalken misst 13 Meter. Er durchzieht die Haupthalle aus einem einzigen Stück, ganz ohne Fugen oder Verbindungen. Das Holz stammt von Rotkiefern aus den Bergen von Hida, die jahrelang trockneten, bevor sie 1879 unter dieses Dach gehievt wurden. Wer den Blick nach oben zu diesem monumentalen Gebälk richtet, versteht sofort, was Reichtum in Takayama gegen Ende des 19. Jahrhunderts bedeutete.
Warum ein Besuch im Kusakabe Mingeikan lohnt
Die Familie Kusakabe erarbeitete sich ihr Vermögen während des Tokugawa-Shogunats als Finanzvermittler für die Lokalregierung. Als Pfandleiher und Geldwechsler war ihr Geschäft äußerst lukrativ. Im Jahr 1875 zerstörte ein Feuer ihr Zuhause. Der Wiederaufbau, der nur vier Jahre in Anspruch nahm, wurde von dem besten Zimmermann der Region geleitet: Jisuke Kawajiri. Das Ergebnis ist dieses massive Gebäude aus japanischer Zypresse, das seit 1966 als Wichtiges Kulturgut eingestuft ist.
Im Jahr 1966 wandelte der elfte Erbe der Linie, Reiichi Kusakabe, den Wohnsitz in ein Museum für Volkskunst um. Er schloss sich der Mingei-Bewegung an, einer ästhetischen Philosophie der 1920er Jahre, die die Schönheit alltäglicher Gebrauchsgegenstände aus anonymer Hand feiert. Das Haus wurde so zu einem Schaukasten für diese schlichten, aber ausdrucksstarken Sammlungen.
Kaufmannsarchitektur auf ihrem Höhepunkt
Die Tokugawa-Shogune legten den Kaufleuten strenge Regeln auf, darunter das Verbot, zu protzige Häuser zu bauen. Doch die Meiji-Zeit hob diese Beschränkungen auf. Das Kusakabe Mingeikan zeugt von dieser plötzlichen Freiheit. Doppelte Deckenhöhe, sichtbare Balken von gewaltigem Querschnitt und eine Wohnfläche von 1.500 Quadratmetern auf zwei Etagen zeigen den Erfolg der Besitzer ohne falsche Bescheidenheit.
Details, auf die man achten sollte
Die Fassade weist die typischen Merkmale der Machiya von Takayama auf: degoshi, jene vertikalen Holzgitter, die die Fenster schützen, sowie ein flach geneigtes Dach, wie es in schneereichen Regionen üblich ist. Im Inneren zieht die Vertikalität der Haupthalle den Blick auf sich. Die Säulen und Querstreben bilden ein dreidimensionales Gefüge von fast roher Geometrie. Das dunkle, über die Zeit patinierte Holz absorbiert das Licht, das durch die hohen Fenster einfällt.
In der Mitte des Hauptraums befindet sich ein irori, eine offene Feuerstelle im Boden, die zum Heizen und Kochen diente. Darüber hängt ein massiver, geschnitzter Holzhaken, das Herzstück der Inneneinrichtung. Sein Design variiert von Haus zu Haus, doch jenes der Familie Kusakabe ist besonders kunstvoll gestaltet.
Mingei-Sammlungen: Schönheit der Anonymität
Das Museum stellt Alltagsgegenstände aus, die die Familie über dreizehn Generationen hinweg zusammengetragen hat: lackierte Schalen, lokal gefertigte Shibukusa-yaki-Keramiken, Haarkämme, Kosmetikdosen und Hochzeitskimonos. Eine prächtige Sänfte für die Braut nimmt einen Ehrenplatz ein. Diese Stücke tragen keine Signatur berühmter Künstler. Ihr Wert liegt in ihrem Gebrauch, ihrer Patina und der anonymen Hand, die sie geformt hat.
In einem Nebengebäude, einem ehemaligen kura (traditionelles Lagerhaus), das zur Galerie umgebaut wurde, findet sich eine Sammlung in Verbindung mit dem Mingeikan de Tokyo (Mingei-Museum von Tokio), das von Yanagi Soetsu, dem Begründer der Mingei-Bewegung, ins Leben gerufen wurde. Der schlichte, helle Raum bildet einen Kontrast zur dichten Atmosphäre des Haupthauses.
Tipp vom Experten: Seit August 2023 steht kostenlos ein englischsprachiger Audioguide per QR-Code bereit. Er gleicht das Fehlen von Erklärtafeln in Fremdsprachen weitgehend aus und gibt den ausgestellten Objekten ihren Kontext.
Zeit nehmen: Café und Veranstaltungen
Der Innenhof bietet einen Blick auf einen kleinen japanischen Garten, den man von der engawa (Holzveranda) aus betrachten kann. In einem der Räume befindet sich ein Teesalon, in dem heißer grüner Tee im Winter oder eiskalter Gerstentee im Sommer serviert wird. Das Tempo verlangsamt sich. Man hört den Wind in den Bambusrohren und gelegentlich den Klang einer Flöte, wenn ein Konzert auf dem Programm steht.
Das Museum organisiert regelmäßig kulturelle Veranstaltungen und nutzt dabei die hervorragende Akustik der hohen Halle. Konzerte mit traditioneller Musik, bunraku-Puppenspiele oder temporäre Ausstellungen zeitgenössischer Kunst stehen auf dem Plan. Der Eintrittspreis kann zu diesen Anlässen leicht variieren.
Taniya: Übernachten in der Geschichte
Das benachbarte Gebäude, ein ehemaliges Nebengebäude der Kusakabe, wurde in eine Luxusherberge namens Taniya umgewandelt. Gäste erhalten nach der Schließung des Museums einen privaten Zugang zu den Räumlichkeiten. Am Abend gehört das Haus ihnen allein. Auf der engawa kann eine Bar aufgebaut werden, und das Abendessen wird in der Halle serviert. Das Erlebnis kostet etwa 160.000 JPY für eine Gruppe von vier Personen, Mahlzeiten sind nicht inbegriffen.
Ein Museum, das den traditionellen Künsten von Takayama gewidmet ist. Es befindet sich in einem wunderschönen ehemaligen Kaufmannshaus. Man findet dort Alltagsgegenstände, Keramiken, Kämme und mehr. Nichts Spektakuläres, aber ein beruhigender, schlichter und aufgeräumter Ort, der einem viel über das Leben zur Zeit der Edo-Periode vermittelt.