Kaiserliche Villa Shugakuin: Wenn ein Kaiser die Landschaft neu zeichnet
Reisfelder wiegen sich in der Morgenbrise, umrahmt von jahrhundertealten Kiefern. In der Ferne wacht der Mount Hiei. Wir schreiben das Jahr 1656, als der 60-jährige Kaiser Go-Mizunoo hier sein Lebenswerk beginnt: die Umgestaltung dieses Hügels nordöstlich von Kyoto in einen harmonischen Dialog zwischen Mensch und Natur.
Warum die Kaiserliche Villa Shugakuin besuchen?
Diese kaiserliche Residenz unterscheidet sich radikal von den prunkvollen Palästen der Edo-Zeit. Go-Mizunoo, der auf Druck des Tokugawa-Shogunats abdanken musste, widmete seine letzten Jahrzehnte einem Ort, an dem das Landschaftsbild wichtiger ist als die Architektur. Die Villa steht für den Höhepunkt der japanischen Aristokratenkultur, ähnlich wie die zeitgenössische Katsura-Villa. Die drei in den Hang gebauten Gartenanlagen nutzen eine kühne Landschaftstechnik: das shakkei, das Prinzip der geliehenen Landschaft. Die umliegenden Berge werden buchstäblich zum Teil des Gartens, wodurch die Grenzen zwischen menschlicher Gestaltung und unberührter Natur verschwimmen.
Die drei Villen: Ein kontemplativer Aufstieg
Die untere Villa und der Jugetsu-kan Pavillon
Der Weg beginnt am Fuß des Hügels. Der Pavillon Jugetsu-kan, der 1824 wiederaufgebaut wurde, diente dem Kaiser als Raststation, bevor er die Anhöhen erklomm. Die erhöhten Tatami-Matten und die Fusuma-Malereien der Kanō-Schule zeugen vom damaligen Raffinement. Die Kalligrafie auf dem Eingangsschild stammt übrigens von Go-Mizunoo persönlich.
Die mittlere Villa und die berühmten kasumi-dana Regale
Ein von Kiefern gesäumter Pfad führt durch Reisfelder, die noch heute von lokalen Landwirten bestellt werden. Die mittlere Villa beherbergt das kasumi-dana, eines der drei berühmtesten Regalsysteme Japans. Die fünf versetzt angeordneten Bretter wirken wie Dunstschleier am Horizont. Eine hartnäckige Legende umrankt die mit Karpfen verzierten Schiebetüren: Die Fische seien nachts regelmäßig davongeschwommen, weshalb die Wächter sie mit einem Netz abdecken mussten.
Die obere Villa und das Panorama vom Rin-un-tei
Die Anstrengung des Aufstiegs wird am Rin-un-tei Pavillon belohnt, der auf 150 Metern Höhe thront. Der Boden aus gestampfter Erde kombiniert rote und schwarze Kiesel in einem Muster namens hifumi-ishi. Von der zu drei Seiten offenen Terrasse blickt man auf den Yokuryū-chi Teich hinab, der durch die Umleitung eines Gebirgsbachs entstand. An klaren Tagen reicht der Blick über ganz Kyoto bis zu den Bergen im Westen.
Besonderheiten bei deinem Besuch:
- Die Chitose-bashi Brücke, die die beiden Inseln des oberen Teichs verbindet
- Das Ahorntal, das im November besonders eindrucksvoll ist
- Die Pfade von Hirschen und Reihern in den Reisfeldern
Ein Besuch, der sich lohnt
Das Kaiserliche Hofamt beschränkt den Zugang streng auf 50 Personen pro Führung, eine Reservierung ist Pflicht. Diese Maßnahme bewahrt eine Atmosphäre, die in Kyoto selten geworden ist. Keine Souvenirshops, keine Menschenmassen. Nur das Knirschen von Kies unter den Schritten und Vogelgezwitscher. Der drei Kilometer lange Rundgang dauert etwa 80 Minuten und erfordert bequemes Schuhwerk.
Tipp: Die Termine am Vormittag um 9:00 Uhr oder 10:00 Uhr bieten das weichste Licht auf dem oberen Teich. Im Sommer lohnt es sich, vor Ort um 11:00 Uhr für die Nachmittagsführungen anzufragen, da in der Nebensaison häufig noch Plätze frei sind.
Ich hatte einen Schmiedekurs in der Nähe gebucht und bin bei der Suche nach Aktivitäten in der Umgebung auf die Villa gestoßen. Und was für eine schöne Entdeckung! Die Besichtigung dauert etwa eine Stunde und muss vorab auf derselben Website wie der Kaiserpalast und die Villa Katsura reserviert werden. Die obere Villa war mein Lieblingsteil der Tour, da sie einen unglaublichen Blick über Kyoto und sogar bis nach Osaka bietet! Und die Stimmung ist dort so friedlich, zwischen Teich und Bergen: wirklich ein schöner Ausflug, den ich nur empfehlen kann, wenn Sie in der Gegend sind, da sie tatsächlich etwas außerhalb liegt.