Das Hôtel-Dieu von Beaune, ein gotisches Meisterwerk unter bunten Dächern
Die glasierten Ziegel leuchten unter der Sonne Burgunds. Rot, Grün, Gelb und Schwarz: Ihre geometrischen Muster bilden hypnotische Rauten auf den steilen Dächern. Im Jahr 1443 gründete der Kanzler Nicolas Rolin hier ein Hospiz für Arme. Fast sechs Jahrhunderte später ist dieses Gebäude eines der eindrucksvollsten Beispiele für mittelalterliche zivile Architektur in Europa.
Warum das Hôtel-Dieu von Beaune besuchen?
Dieses ehemalige Krankenhaus war bis 1971 in Betrieb. Die Ordensschwestern pflegten die Kranken unter Bedingungen, die uns heute wie aus einer anderen Zeit erscheinen. Der Besuch vermittelt ein Verständnis dafür, wie man im Mittelalter über Wohltätigkeit, Krankheit und Tod dachte. Der Ort beeindruckt durch seinen bemerkenswerten Erhaltungszustand: Originalmöbel, Küchenutensilien und medizinische Instrumente sind noch vorhanden. Alles hier erzählt eine Geschichte.
Neben dem historischen Aspekt beherbergt das Hôtel-Dieu ein Hauptwerk der flämischen Malerei: das Polyptychon des Jüngsten Gerichts von Rogier van der Weyden. Dieser Altaraufsatz, der von Nicolas Rolin selbst in Auftrag gegeben wurde, ist allein schon die Reise wert.
Die Grande Salle des Pauvres, das schlagende Herz des Hospizes
Mit einer Höhe von 16 Metern unter einem Dachstuhl, der an den umgedrehten Rumpf eines Schiffes erinnert, beeindruckt dieser Saal schon beim Betreten. Dreißig Betten mit rotem Baldachin säumen die Wände. Jedes Bett bot Platz für zwei Kranke. Am Ende des Raumes ermöglichte eine Kapelle den bettlägerigen Patienten, der Messe beizuwohnen, ohne sich bewegen zu müssen.
Die bemalten Balken tragen noch heute die Wappen von Nicolas Rolin und seiner Ehefrau Guigone de Salins. Ihr Wahlspruch "Seulle" taucht überall auf, eingemeißelt in Stein und Holz. Der Boden aus originalen Fliesen hat seine jahrhundertealte Abnutzung bewahrt.
Das Polyptychon des Jüngsten Gerichts
Ein prestigeträchtiger Auftrag
Rogier van der Weyden, offizieller Maler aus Brüssel, fertigte diesen Altaraufsatz um 1450 an. Im geöffneten Zustand ist er über fünf Meter lang und zeigt Christus in Majestät, wie er die Seligen von den Verdammten trennt. Die Gesichter der Auferstandenen drücken mit beunruhigendem Realismus entweder Schrecken oder Glückseligkeit aus.
Die Details beobachten
Für Besucher liegt eine Lupe bereit. Sie offenbart die Feinheit der Arbeit: Tränen auf den Wangen, Spiegelungen in den Augen, die Texturen der Stoffe. Die Tafel mit der Darstellung der Hölle zeigt sich windende Körper, die in die Flammen gezogen werden. Die Tafel des Paradieses hingegen ist in ein sanftes, goldenes Licht getaucht.
Tipp vom Experten: Kommen Sie direkt zur Öffnung oder nach 16:00 Uhr, um den Altar ohne Menschenmassen zu betrachten. Der Ausstellungsraum ist klein und der Andrang erschwert die genaue Betrachtung.
Apotheke und Küche als Zeugen des Alltags
In der Apotheke reihen sich Fayence-Gefäße aus Nevers auf Regalen aus Nussbaumholz. Theriak, Kanthariden-Salbe, Vipern-Pulver: Die Etiketten zeugen von einer Medizin, in der Heilmittel und Gift oft nah beieinander lagen. Ein Mörser aus Bronze aus dem Jahr 1782 thront in der Mitte des Raumes.
Die Küche bewahrt ihren mechanischen Bratspieß, der von einem Automaten angetrieben wurde. Kupferkessel hängen über der Feuerstelle. Hier wurden Suppen und Breie für die Bewohner zubereitet.
Der Innenhof mit den polychromen Dächern
Dies ist das berühmte Postkartenmotiv von Beaune. Die steilen Dächer reichen fast bis zum Boden des ersten Stocks. Ihre glasierten Ziegel bilden Muster in Fischgrät- und Rautenform. Der Brunnen aus Schmiedeeisen in der Mitte des Hofes stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die Fachwerkgalerien erstrecken sich über zwei Ebenen und boten den Besuchern früher wie heute Schutz vor dem Regen.
Nicht verpassen:
- Die skulptierten Wasserspeier an den Dachecken
- Die Sonnenuhr an der Südfassade
- Die kunstvollen Dachfenster im Stil der Flamboyant-Gotik
Die Weinversteigerung der Hospize
Jeden dritten Sonntag im November findet hier die berühmteste Wohltätigkeitsauktion der Welt statt. Die Weine, die auf den Weingütern produziert werden, welche den Hospizen über die Jahrhunderte vermacht wurden, erzielen Rekordpreise. Das Ereignis gibt den Ton für den burgundischen Jahrgang an und zieht Sammler aus der ganzen Welt an.
Das ist das absolute Muss in Beaune! Ich war schon zweimal dort und kann einfach nicht genug davon bekommen. Das Gebäude ist wunderschön, besonders das Dach mit seinen bunten, glasierten Ziegeln. Der schöne Innenhof führt direkt zu den historischen Sälen, die man besichtigen kann. Das Herzstück bleibt das berühmte Polyptychon des Jüngsten Gerichts von Rogier van der Weyden, ein echtes Meisterwerk, aber ich mochte auch die Gemälde, die flämischen Wandteppiche und die Apotheke, die mich in die alten medizinischen Praktiken eintauchen ließ.
Auch wenn der Eintritt etwas kostet, bietet die Ticketkasse eine riesige Auswahl an Erlebnissen, wie ausgefallene Rundgänge oder die Sternennacht, die ich geliebt habe, inklusive Beobachtungen mit dem Teleskop.