Schloss Clos-Lucé, die letzte Wirkungsstätte von Leonardo da Vinci
Am 2. Mai 1519 verstarb Leonardo da Vinci im Alter von 67 Jahren in einem Zimmer im ersten Stock. Noch heute bewahrt dieser Raum mit seinen Wänden aus weißem Tuffstein eine ganz eigene Atmosphäre. Das Morgenlicht fällt durch dasselbe Fenster, das dem Meister einst einen direkten Blick auf die Chapelle Saint-Hubert des königlichen Schlosses von Amboise gewährte. Drei Jahre zuvor war er auf dem Rücken eines Maultiers über die Alpen gereist, um sich hier niederzulassen, und hatte dabei drei Gemälde im Gepäck, darunter die Mona Lisa.
Warum lohnt sich ein Besuch im Schloss Clos-Lucé?
Dieses Herrenhaus aus rotem Backstein und Tuffstein erzählt weit mehr als nur die Geschichte eines berühmten Lebensendes. Franz I., damals erst 20 Jahre alt, stellte dem florentinischen Genie dieses Wohnhaus zur Verfügung, das nur 400 Meter von seinem eigenen Schloss entfernt lag. Ein unterirdischer Gang verband die beiden Gebäude, um den täglichen Austausch zu erleichtern. Der junge König besuchte den Mann, den er liebevoll als seinen Vater bezeichnete, regelmäßig, um von seinem Wissen zu profitieren.
Seit 1854 befindet sich das Anwesen im Besitz der Familie Saint Bris, die den Ort zu einem Zentrum für die Interpretation von Leonardos Werk ausbaute. Besucher erhalten einen Einblick in das Privatleben eines Universalgelehrten, der hier bis zuletzt an seinen städtebaulichen Entwürfen für Romorantin oder an der Trockenlegung der Sumpfgebiete der Sologne arbeitete.
Die Bereiche des Schlosses entdecken
Das Renaissance-Wohnhaus
Der Rundgang beginnt in den Wohnräumen, die im Stil italienischer bottegas (Werkstätten) rekonstruiert wurden. Ob Leonardos Schlafzimmer, sein Arbeitskabinett oder die Küche von Mathurine, jeder Raum offenbart ein Stück seines Alltags. Reproduktionen der Mona Lisa, der Heiligen Anna und von Johannes dem Täufer stehen auf Staffeleien und erinnern daran, dass er sich zeitlebens nicht von diesen Werken trennen wollte.
Im Untergeschoss verdeutlichen 40 Modelle, die von IBM nach Originalzeichnungen angefertigt wurden, die technische Genialität Leonardos. Von Panzermodellen über Luftschrauben bis hin zu Flugmaschinen werden diese Konstruktionen durch sechs 3D-Animationen ergänzt, die mit Materialien der damaligen Zeit gefertigt wurden.
Der Park Leonardo da Vinci
Sieben Hektar Gartenlandschaft bilden ein Museum unter freiem Himmel. Zwanzig lebensgroße Maschinen warten darauf, ausprobiert zu werden. Drehen Sie an den Kurbeln der Luftschraube, nehmen Sie im Panzer Platz oder überqueren Sie die 20 Meter lange Drehbrücke aus massivem Eichenholz. Zweiunddreißig lichtdurchlässige Leinwände, die zwischen den Bäumen hängen, zeigen Detailausschnitte seiner berühmten Gemälde.
Geheimtipp: Kommen Sie gegen 9:00 Uhr oder nach 15:00 Uhr, um den Park ohne große Besuchermassen zu erleben. Auf der offiziellen Website gibt es eine Echtzeit-Anzeige zur Auslastung.
Galerien Leonardo da Vinci als Maler und Architekt
Diese 500 Quadratmeter großen Galerien wurden 2021 in einer ehemaligen Textilfabrik eröffnet, die vom Atelier Chaix & Morel saniert wurde. Im Erdgeschoss erwartet Besucher eine 15-minütige immersive Show, in der die 17 Meisterwerke des Künstlers erstmals wieder vereint sind, darunter Leihgaben aus dem Louvre, den Uffizien, dem Vatikan und der National Gallery in London. Untermalt von der Musik von Jordi Savall verschmelzen Gesichter, Hände und bläuliche Horizonte in einer choreografierten Lichtinszenierung.
Das Obergeschoss widmet sich Leonardos Wirken als Architekt. Hier finden sich interaktive Modelle, digitale Tische und Videospiele. Ein Flugsimulator ermöglicht es sogar, eine Flugmaschine über das in 3D modellierte Schloss von Romorantin zu steuern.
Ein familienfreundlicher Ort
Das Carnet de l'Inventeur, ein kostenloses Spielheft für Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren, lässt die Kleinen in die Rolle von Leonardos Schülern schlüpfen. Mit Zeichentischen im Park, einem schattigen Picknickbereich und den während der Schulferien angebotenen kostümierten Führungen durch Mathurine ist der Rundgang ideal auf junge Entdecker ausgerichtet. Planen Sie mindestens 2 Stunden für den gesamten Besuch ein, oder 4 Stunden, wenn Sie sich Zeit lassen möchten.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Wenn Sie die Schlösser an der Loire besuchen, empfehle ich Ihnen, sich zwei Stunden Zeit für das Clos-Lucé zu nehmen. Dieses kleine Anwesen hat zwar nicht die Größe eines Schlosses, aber es ist eine echte Hommage an das Genie von Leonardo da Vinci. Ich habe viel über das Leben dieses Schöpfers gelernt, aber am meisten hat es mich beeindruckt, einige seiner Erfindungen in Aktion zu sehen, besonders die Drehbrücke und den Panzer. Der Park bietet außerdem einen schönen Spaziergang. Ein absolutes Muss.