Die Domitilla-Katakomben, das weitläufigste Labyrinth des antiken Rom
Siebzehn Kilometer an Gängen schlängeln sich unter der Via Ardeatina durch den Boden. Auf vier Ebenen ruhen hier 150.000 Verstorbene. Wenn du hinabsteigst, weht dir ein kühler, feuchter Luftzug entgegen, während an den Wänden aus Tuffstein frühchristliche Fresken zum Vorschein kommen. Im Herzen dieses Labyrinths verbirgt sich eine unterirdische Basilika, die man hier kaum vermuten würde. Diese Katakomben gehören zu den ältesten und größten Anlagen in Rom und stammen aus dem 2. Jahrhundert.
Die Geschichte einer konvertierten kaiserlichen Familie
Die Katakomben erstrecken sich auf dem ehemaligen Grundbesitz von Flavia Domitilla. Sie war die Nichte von Flavius Clemens, einem Konsul des Jahres 95 n. Chr., der wiederum mit einer Nichte des Kaisers Domitian verheiratet war. Dieser Zweig der kaiserlichen Familie hegte christliche Sympathien. Für Flavius Clemens endete dies tragisch, als er von Domitian aus religiösen Gründen zum Tode verurteilt wurde. Seine Ehefrau und seine Nichte wurden auf die Pontinischen Inseln verbannt.
Bevor sie ins Exil ging, stellte die Nichte des Konsuls ihr Gelände an der Via Ardeatina der christlichen Gemeinschaft zur Verfügung. So entstand der größte unterirdische Friedhof der Stadt. Inschriften vor Ort belegen dies mit Hinweisen wie "e beneficio" und "ex indulgentia Flaviae Domitillae", was auf die Großzügigkeit von Flavia Domitilla zurückzuführen ist.
Die unterirdische Basilika der Heiligen Nereus und Achilleus
Diese Katakomben sind die einzigen in Rom, die eine unterirdische Basilika beherbergen. Sie ist den Märtyrern Nereus und Achilleus gewidmet. Die beiden Soldaten fielen vermutlich im Jahr 304 n. Chr. der Christenverfolgung unter Diokletian zum Opfer. Papst Damasus I. wandelte ihre Krypta zwischen 366 und 384 in eine kleine Basilika um, die später durch Papst Siricius zwischen 390 und 395 erweitert wurde.
Der Bau umfasst ein Narthex, drei durch zwei Reihen von je vier Säulen getrennte Schiffe und eine Apsis. Eine Säule am Hauptaltar zeigt die Enthauptung des Achilleus. Hinter der Apsis illustriert ein Fresko die heilige Petronilla, die als Tochter des heiligen Petrus verehrt wurde. Ihr Kult zog im Mittelalter zahlreiche Pilger an.
Die Fresken: Ein Schatz frühchristlicher Kunst
Mit etwa 80 bemalten Gräbern besitzen die Domitilla-Katakomben eine der bedeutendsten Sammlungen unterirdischer Grabmalerei. Die Gänge zeigen eine faszinierende Mischung aus heidnischer und christlicher Symbolik, die den spirituellen Wandel jener Zeit verdeutlicht.
Das Cubiculum des Ampliatus und das Hypogäum der Flavier
Das Cubiculum des Ampliatus gilt als eine der ältesten christlichen Grabstätten in Rom und zeigt noch deutliche heidnische Einflüsse. Das Hypogäum der Flavier, eine große Galerie mit vier Nischen für die Sarkophage der wichtigsten Familienmitglieder, bildet den ältesten Teil der Anlage aus dem späten 2. Jahrhundert.
Christus als Guter Hirte und die Anbetung der Könige
Auf der unteren Ebene findet sich ein bemerkenswertes Fresko aus dem 3. Jahrhundert, das Christus als Guten Hirten darstellt. Der Bereich, der als Madonnenkapelle bekannt ist, beherbergt mehrere Wandmalereien aus dem 3. und 4. Jahrhundert. Besonders hervorzuheben ist die Epiphanie, bei der vier statt der üblichen drei Heiligen Drei Könige zur Jungfrau mit dem Kind treten. Diese seltene Ikonografie gibt Kunsthistorikern bis heute Rätsel auf.
Ein kleiner Tipp: Die Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich und dauert etwa 45 Minuten. Da es unter der Erde ganzjährig etwa 15 Grad kühl ist, solltest du auch im Hochsommer eine Jacke mitnehmen. Führungen werden in verschiedenen Sprachen angeboten. Frage bei der Reservierung nach, um sicherzugehen, dass du die detaillierten Erklärungen zu den Fresken in einer für dich passenden Sprache erhältst.
Ein besonderer Einblick in das unterirdische Rom
Die Katakomben werden heute von der Societas Verbi Divini (Steyler Missionare), einer 1875 von Arnold Janssen gegründeten Gemeinschaft, betreut. Diese Ordensleute kümmern sich um den Erhalt des Ortes und vermitteln engagiert die komplexe Geschichte dieses frühchristlichen Friedhofs.
Die durch Restaurierungen freigelegten Bilder gewähren einen Blick in den Alltag der Vergangenheit: arbeitende Bäcker, üppige Weinreben, Jesus im Kreis seiner Apostel, die Arche Noah oder Daniel in der Löwengrube. Jedes Fresko erzählt ein Stück vom Glauben der ersten Christen in Rom.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Ich fand die Besichtigung dieser Katakomben richtig toll, eine schöne Entdeckung. Der Ort ist überhaupt nicht gruselig, im Gegenteil. Die Fresken sind sehr schön und gut erhalten. Diese Stätte ist weniger bekannt als die üblichen Hotspots in Rom, was den Besuch sehr angenehm macht.