Marokko im Wandel der Zeit: Das Haus der Fotografie in der Medina
Ein Funduk aus dem 19. Jahrhundert, ein Innenhof aus Stampflehm, das Licht, das durch die Deckenöffnung fällt. Schon bevor du das erste Bild betrachtest, erzählt das Gebäude seine eigene Geschichte. Der Pariser Sammler Patrick Menac'h und der passionierte Marrakcher Hamid Mergani hatten die Idee, ihre privaten Archive genau hier zusammenzutragen, in dieser restaurierten Karawanserei mitten in der Medina.
Warum lohnt sich der Besuch im Haus der Fotografie?
Die Sammlung wurde 2009 unweit der Medersa Ben Youssef eröffnet und umfasst heute mehr als 10.000 Exponate: Originalfotos, Glasplatten, Autochrom-Aufnahmen, Postkarten, Zeitungen und Dokumentarfilme aus der Zeit von 1879 bis 1960. Regelmäßige Schenkungen, wie die von Daniel Chicault oder Ana Muller, haben den Bestand über die Jahre hinweg erheblich erweitert.
Das Besondere an diesem Ort ist der dokumentarische Anspruch. Es geht hier nicht darum, die großen Namen der Weltfotografie zu feiern, sondern Marokko so zu zeigen, wie es gesehen wurde: durch die Augen anonyme Fotografen, Bibliothekare aus Tanger, ungarischer Ethnologen oder belgischer Dokumentarfilmer, die alle von der enormen kulturellen Vielfalt des Landes fasziniert waren.
Ein Rundgang über drei Ebenen
Erdgeschoss: Porträts und Ursprünge
Die Räume rund um den Innenhof sind meist den Porträts gewidmet. Hier findest du die ältesten Aufnahmen der Sammlung, darunter ein seltenes Stück: ein Porträt von Hamidou Laambre, einem subsaharischen Diener, das 1885 von einem Bibliothekar aus Tanger namens Arévalo aufgenommen wurde. Dazu kommen Gesichter tätowierter Frauen aus den Bergstämmen, Notabeln aus Fès und Bauern aus dem Hohen Atlas.
Erster Stock: Alltag und bekannte Fotografen
Auf dieser Ebene gewinnt die Sammlung an Tiefe. Die Werke des Ungarn Nicolas Muller aus den 1940er Jahren stehen neben denen des Belgiers Charles Henneghien, dessen Fotoserien über das Marokko der 1960er Jahre eine beeindruckende dokumentarische Kraft besitzen. Die thematischen Ausstellungen wechseln alle sechs bis zwölf Monate, was ein Grund ist, warum auch Einheimische immer wieder gerne vorbeikommen.
Zwischengeschoß: Der Dokumentarfilm von 1956
In einem kleinen Raum am Treppenaufgang läuft ununterbrochen ein Film. Es handelt sich um den Dokumentarfilm von Daniel Chicault über den Hohen Atlas aus dem Jahr 1956. Wenige Minuten reichen aus, um zu erkennen, wie wenig sich bestimmte Berglandschaften seitdem verändert haben. Wir empfehlen dir dringend, hier kurz stehen zu bleiben.
Tipp vom Insider: Das Ticket gilt auch als Eintrittskarte für das Musée de la Musique de Marrakech. Tickets gibt es ausschließlich vor Ort, entweder in bar oder mit Karte, eine Online-Reservierung ist nicht möglich. Der Andrang ist hier deutlich entspannter als am Jardin Majorelle. Selbst um 11:00 Uhr an einem Mittwoch kann es gut sein, dass du die Ausstellungsräume fast für dich allein hast.
Die Dachterrasse: Einer der besten Ausblicke in der Medina
Der Weg nach oben hält einen letzten Höhepunkt bereit. Das Dachcafé gehört zu den am höchsten gelegenen Aussichtspunkten der Medina und bietet einen Rundumblick auf die Terrakottadächer, die Minaretten und an klaren Tagen auf die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas. Mit einem Minztee oder einem frischen Saft in der Hand und den verwinkelten Gassen weit unter dir ist das ein Moment, der dir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Was dieses Museum auszeichnet
- Ein seltener und geschlossener Bestand an Fotografien, der sich auf das menschliche Marokko von 1879 bis 1960 konzentriert
- Ein historisches Gebäude, dessen Architektur Teil des Erlebnisses ist
- Weit weniger überlaufen als die großen Touristenmagneten der Medina
- Dachterrasse mit Panoramablick über die Dächer und den Hohen Atlas
- Das Kombiticket mit dem Musikmuseum als echter Mehrwert
Gut zu wissen
- Kein Online-Ticketverkauf, Bezahlung erfolgt ausschließlich vor Ort
- Der Eingang ist in den verschlungenen Gassen der Medina nicht ganz leicht zu finden, also am besten die Navigation nutzen oder nach dem Weg fragen
- Die Beschilderung an den Bildern ist kurz gehalten, wobei die ausliegenden Informationsmappen in den Räumen eine gute Ergänzung bieten
Öffnungszeiten
| Montag | 09:30-19:00 |
|---|---|
| Dienstag | 09:30-19:00 |
| Mittwoch | 09:30-19:00 |
| Donnerstag | 09:30-19:00 |
| Freitag | 09:30-19:00 |
| Samstag | 09:30-19:00 |
| Sonntag | 09:30-19:00 |
Wie viel Zeit du für diese Aktivität einplanen solltest
*Angaben können sich ändern
Dieses Museum befindet sich in einem restaurierten Riad und bietet einen großartigen Überblick über die Geschichte von Marrakesch.
Hier schmücken Schwarz-Weiß-Aufnahmen die Wände des schönen Gebäudes.
Die Fotos zeigen die Entwicklung der Stadt, bewundern Sie die Medina zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Mein absolutes Highlight waren die Porträts der Bewohner, insgesamt ein wundervoller Ort.