Der Jardin Majorelle: Wenn ein Maler seine eigene Farbe erfindet
Ein Blau. Aber nicht irgendeines. Ein intensives, leicht violettes Ultramarin, das den Blick sofort gefangen nimmt, sobald man das Tor durchschreitet. Jacques Majorelle entwickelte diesen Farbton im Jahr 1937 für den Anstrich seiner Villa und seines Ateliers. Diese bewusst provokante Entscheidung verändert alles. Im Licht von Marrakesch ist der Kontrast zum Grün der Bambusse und dem Ockersand der Stadt fast unwirklich.
Warum lohnt sich der Besuch im Jardin Majorelle?
Alles begann 1923, als der französische Orientmaler und Sohn des berühmten Kunsttischlers Louis Majorelle aus Nancy ein Grundstück am Rande der Palmenoase erwarb. Vier Jahrzehnte lang widmete er sich der Gartenarbeit, unternahm Reisen, um seltene Pflanzenarten aus Brasilien, Madagaskar, Nordafrika und China mitzubringen, und errichtete eine Villa im maurischen Stil mit Art-déco-Einflüssen. Der Garten öffnete 1947 für die Öffentlichkeit, verfiel jedoch nach dem Tod seines Schöpfers im Jahr 1962 langsam.
Es waren Yves Saint Laurent und Pierre Bergé, die ihn 1980 in letzter Minute retteten, als ein Hotelprojekt drohte, alles dem Erdboden gleichzumachen. Sie bezogen die Villa, die sie Villa Oasis nannten, und leiteten eine ambitionierte Restaurierung unter der Leitung des Landschaftsarchitekten Madison Cox ein. Die botanische Sammlung wuchs von 135 auf über 300 Arten an. Heute ist der Garten die meistbesuchte kostenpflichtige Touristenattraktion in Marokko mit jährlich über 700.000 Besuchern.
Blau, Pflanzen und Wasserbecken: Was wirklich in Erinnerung bleibt
Der Garten erstreckt sich über etwa einen Hektar und ist als Labyrinth aus sich kreuzenden Wegen angelegt. Überall finden sich verschiedene Ebenen, mit Kletterpflanzen bewachsene Pergolen und das Plätschern von Wasser in den Seerosenbecken. Die Kakteen-Sammlung verdient besondere Aufmerksamkeit. Jahrhundertalte Giganten aus Zentralamerika stehen neben seltenen Arten aus Südafrika in einer fast wüstenartigen, aber dennoch schattigen Umgebung.
Wir empfehlen, ganz früh am Morgen gegen 8:30 Uhr zu kommen, bevor die Gruppen eintreffen. Das Licht steht dann tief, die Wege sind fast leer und man versteht, was Pierre Bergé meinte, als er schrieb, der Ort erinnere sie an die Farben von Matisse in Verbindung mit der Natur.
Tipp vom Experten: Die Online-Reservierung ist in der Hochsaison (März bis November) nahezu unerlässlich. Der Garten arbeitet mit Zeitfenstern von 30 Minuten. Buchen Sie so früh wie möglich, idealerweise die Zeitfenster um 8:30 Uhr oder 9:00 Uhr, um den Menschenmassen zu entgehen. Zwischen 10:00 Uhr und 14:00 Uhr kann der Andrang den Besuch erschweren.
Die Museen und das YSL-Denkmal: Ein Muss
Das Pierre Bergé Museum für Berberkunst
In der ehemaligen blauen Atelier-Villa von Jacques Majorelle untergebracht, zeigt dieses Museum über 600 Stücke, die von der Kultur der Amazigh zeugen: antiken Schmuck, Trachten, Textilien und zeremonielle Waffen. Die Qualität der Sammlung ist bemerkenswert und der architektonische Rahmen wertet das Erlebnis auf. Der Eintritt ist im Kombiticket enthalten.
Das Musée Yves Saint Laurent Marrakech
Dieses zeitgenössische Gebäude grenzt seit 2017 an den Garten und zeichnet die Karriere des Modeschöpfers anhand von Dauer- und Wechselausstellungen nach. Es erzählt auch von der Liebe Saint Laurents zu Marokko, die er seit seinem ersten Besuch 1966 hegte. Tickets sind separat oder als Kombiticket erhältlich.
Das Denkmal und der Rosengarten
Nach dem Tod von Yves Saint Laurent im Jahr 2008 wurde seine Asche wunschgemäß im Rosengarten der Villa Oasis verstreut. Eine römische Säule aus Tanger, die auf einem mit seinem Namen gravierten Sockel ruht, markiert die Stelle. Ein diskreter, schlichter und auf seltsame Weise bewegender Ort.
Das macht den Unterschied
- Eine absolut einzigartige visuelle Identität: Nirgendwo sonst sieht man dieses Blau in diesem Kontext.
- Eine faszinierende Geschichte in drei Akten: Majorelle, das Verfallen, die Wiedergeburt durch YSL.
- Zwei hochwertige Museen im Kombiticket enthalten, die dem Besuch Tiefe verleihen.
- Die bewahrte Ruhe in den frühen Morgenstunden, eine echte Auszeit in der Hektik von Marrakesch.
Punkte zur Beachtung
- Sehr gut besucht zwischen 10:00 Uhr und 14:00 Uhr: Die Wege können überlaufen sein und die Ruhe verschwindet.
- Keine Informationen vor Ort zur Geschichte des Gartens oder YSL: Informieren Sie sich vorab.
- Hoher Preis im Vergleich zu marokkanischen Standards und Tickets nur online erhältlich.
- Der Garten umfasst kaum einen Hektar: zu wenig für einen halben Tag, wenn man ihn nicht mit den Museen kombiniert.
Richtpreise für Eintrittskarten
| Formel / Profil | Preis |
|---|---|
| Garten einzeln (Erwachsene) | 150 dhs (ca. 15 Euro) |
| Kombiticket: Garten + Berbermuseum + YSL-Museum (Erwachsene) | 300 dhs (ca. 30 Euro) |
| Ermäßigter Tarif: Kinder 10-18 Jahre / internationale Studierende | 75 dhs (Garten) / 150 dhs (Kombi) |
| Marokkanische Staatsbürger und in Marokko ansässige Ausländer | 75 dhs |
| Marokkanische Studierende | 40 dhs |
| Kinder unter 10 Jahren | Kostenlos |
Richtpreise, Änderungen vorbehalten. Kauf nur online unter tickets.jardinmajorelle.com möglich (Zahlung mit Visa oder Mastercard).
Öffnungszeiten
Wie viel Zeit du für diese Aktivität einplanen solltest
*Angaben können sich ändern
Verpassen Sie auf keinen Fall einen Besuch in diesem wundervollen Garten!
Tatsächlich ist das ehemalige Anwesen von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé ein absolutes Muss bei einem Besuch der roten Stadt.
Ich war begeistert von der Vegetation aus Kakteen, Bambus und riesigen Palmen.
Bunte Töpfe und beruhigende Springbrunnen bilden den perfekten Rahmen für das Berbermuseum.