Der Schiefe Turm von Pisa: 294 Stufen gegen die Schwerkraft
Die Stufen sind abgenutzt, über Jahrhunderte durch unzählige Schritte gezeichnet. Je weiter du nach oben steigst, desto mehr scheint sich der Boden unter deinen Füßen zu neigen. Dein Körper zögert und sucht das Gleichgewicht, während durch die Öffnungen der Loggia das Tageslicht einfällt. Der Aufstieg auf den Schiefen Turm von Pisa ist mehr als nur ein Weg nach oben: Es ist eine irritierende körperliche Erfahrung, bei der die Schwerkraft ihre eigenen Regeln aufzustellen scheint.
Warum lohnt sich der Aufstieg auf den Schiefen Turm?
Dieser Glockenturm war nie dazu bestimmt, weltberühmt zu werden. Der Bau begann am 9. August 1173 als Ergänzung zur Kathedrale Santa Maria Assunta, schlicht um die Glocken unterzubringen. Doch bereits nach dem dritten Stockwerk gab der lehmige Boden nach. Die Arbeiten zogen sich über fast 200 Jahre hin, bis 1372. Die aufeinanderfolgenden Baumeister versuchten, die Neigung auszugleichen, indem sie die oberen Stockwerke leicht in die entgegengesetzte Richtung bauten. Genau das verleiht dem Turm seine markante, leicht geschwungene Silhouette, die bei genauem Hinsehen erkennbar ist.
Heute beträgt die Neigung etwa 3,97 Grad. Stabilisierungsarbeiten, die 2001 abgeschlossen wurden, konnten den Neigungswinkel um 45 Zentimeter verringern. Experten gehen davon aus, dass der Turm für mindestens drei Jahrhunderte stabil bleiben wird.
Was dich beim Aufstieg erwartet
Die Besichtigung dauert exakt 30 Minuten. Ein Wärter begrüßt jede Gruppe mit einer kurzen historischen Einführung, bevor du den Aufstieg über eine weiße Marmortreppe beginnst, die sich in einer Spirale zwischen zwei konzentrischen Zylindern windet. Das Gefühl des Ungleichgewichts ist real: Mal wirst du zur Innenwand gedrückt, mal fühlst du dich zur Außenseite gezogen. Der polierte Marmor ist an manchen Stellen glatt.
Am Gipfel: Der Ausblick und die Glocken
Oben angekommen, überblickst du die gesamte Piazza dei Miracoli aus der Vogelperspektive, die Dächer von Pisa und bei klarem Wetter sogar die toskanischen Hügel am Horizont. Du befindest dich direkt auf der Ebene der cella campanaria (Glockenstube) mit ihren sieben Glocken, von denen jede auf einen anderen Ton gestimmt ist. Die schwerste, die Assunta, wiegt dreieinhalb Tonnen. Plane etwa zehn Minuten ein, um die Aussicht zu genießen, bevor der Abstieg beginnt.
Architektur im Detail
Aus der Ferne wirkt der Turm schlicht. Aus der Nähe beeindruckt die Finesse der Arbeit. Sechs Etagen mit Säulenloggien umgeben den zentralen Zylinder, verziert mit 207 Kapitellen aus Carrara-Marmor. Der romanische Stil von Pisa ist derselbe, der auch die Kathedrale und das benachbarte Baptisterium auszeichnet.
Mit einer Höhe von 58,36 Metern und einem Gewicht von 14.453 Tonnen ist er zudem der Ort, an dem Galileo Galilei der Legende nach seine Experimente zum freien Fall durchgeführt haben soll. Die Anekdote ist wahrscheinlich erfunden, hat aber maßgeblich zum Mythos beigetragen.
Tipp vom Experten: Buche dein Zeitfenster online auf der Website der Opera della Primaziale Pisana (Pisaner Dombauhütte), in der Hochsaison am besten mehrere Tage im Voraus. Die Besucherzahl ist streng auf 15-minütige Intervalle begrenzt. Taschen und Gepäck müssen vor dem Aufstieg in der kostenlosen Garderobe abgegeben werden. Für einen ruhigeren Besuch empfiehlt sich ein Zeitfenster vor 10:00 Uhr oder nach 17:00 Uhr.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Der Schiefe Turm von Pisa ist beeindruckend, selbst wenn man ihn nicht von innen besichtigt.
Von außen fragt man sich wirklich, wie er überhaupt noch stehen kann.
Das Gelände ist sehr fotogen, auch wenn fast immer sehr viele Leute dort unterwegs sind.
Einen Besuch wert, wenn man in der Gegend ist, aber es ist nicht unbedingt ein Muss für sich allein.
Ich ziehe einen ausgiebigen Besuch in Florenz weit vor, da die Stadt voller Charme und kultureller Schätze steckt.