Italien, 59 UNESCO-Welterbestätten und 3000 Jahre Geschichte
Kein anderes Land der Welt vereint so viele Stätten des UNESCO-Welterbes auf so engem Raum. Unter jedem Marktplatz liegen römische Ruinen, hinter jeder Kirche verbirgt sich ein Renaissance-Fresko. Italien besucht man nicht wie ein Museum, in dem man nur schaut. Hier spaziert man buchstäblich durch die Geschichte, während man am Tresen einen Espresso bestellt.
Ist das das richtige Reiseziel für dich?
Dieses Land belohnt Neugierige und Genießer. Wer sich für Kunst, Architektur und die gute Küche begeistert, kann hier Wochen verbringen, ohne dass es je langweilig wird. Reisende, die es eilig haben oder allergisch auf organisiertes Chaos reagieren, könnten hingegen schnell ihre Geduld verlieren. Züge haben manchmal Verspätung, Behörden arbeiten in ihrem eigenen Tempo und Improvisation gehört zum Alltag.
Die Preise variieren stark je nach Region. Rom, Mailand und Venedig sind teuer: Kalkuliere für ein Paar etwa 120 bis 180 €* pro Tag ein. Der Süden und ländliche Gegenden sind deutlich günstiger, mit Agriturismos ab 70 bis 90 €* pro Nacht inklusive Halbpension.
Ideal für:
- Liebhaber von Kunst, Geschichte und Architektur
- Feinschmecker sowie Fans von Weinen und regionalen Spezialitäten
- Paare auf der Suche nach Romantik und dolce vita
- Wanderer, die die Dolomiten oder die Amalfiküste erkunden wollen
- Reisende, die Strand, Kultur und Kulinarik in einem Urlaub verbinden möchten
Weniger geeignet für:
- Reisende in Eile, die alles in fünf Tagen sehen wollen
- Menschen, die im Sommer die Massen an den Hauptsehenswürdigkeiten schlecht ertragen
- Sehr kleine Budgets: Die Großstädte sind teuer
- Wer wilde, einsame Natur ganz ohne Menschen sucht
Variable Budgets je nach Region
| Reiseart | Wo | Dauer | Geschätztes Budget |
|---|---|---|---|
| Kultureller Städtetrip | Rom | 4-5 Tage | 500 bis 1.000 €* |
| Große Städterundreise | Mailand, Venedig, Florenz, Rom | 10 Tage | 1.000 bis 2.200 €* |
| Wein- und Feinschmecker-Roadtrip | Toskana und Umbrien | 1 Woche | 700 bis 1.500 €* |
| Badeurlaub und Entspannung | Sardinien oder Sizilien | 1 Woche | 600 bis 1.400 €* |
| Wanderurlaub in den Bergen | Dolomiten | 1 Woche | 500 bis 1.200 €* |
| Tiefer Süden und Dörfer | Apulien, Basilikata, Kalabrien | 10 Tage | 600 bis 1.300 €* |
Gut zu bereisen, aber mit Tücken
Die touristische Infrastruktur im Norden und in der Mitte ist exzellent. Hochgeschwindigkeitszüge verbinden die wichtigsten Städte in wenigen Stunden. Im Süden ist das Netz weniger dicht, weshalb ein Mietwagen oft unumgänglich ist. Die Bergstraßen und die Amalfiküste erfordern allerdings Geduld und starke Nerven.
Sicherheitstechnisch ist das Land insgesamt sicher. Taschendiebe sind jedoch in den touristischen Hotspots von Rom, Neapel und Mailand aktiv, besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln. In Neapel kann der Fahrstil auf den Straßen zudem auf Ungeübte aggressiv wirken. Ein paar Brocken Italienisch öffnen Türen: Einheimische schätzen die Mühe, auch wenn sie etwas holprig ist.
Großstädte und tausendjährige Schätze
Das Kolosseum beeindruckt trotz der Besuchermassen. Das Forum Romanum und das Pantheon runden die Zeitreise ab. Plane für Rom mindestens drei Tage ein, um das Wesentliche ohne Eile aufzunehmen.
Florenz bietet eine ungewöhnlich hohe Dichte an Kunstschätzen. Der David von Michelangelo in der Galleria dell'Accademia und die Uffizien sollten unbedingt vorab reserviert werden. Das historische Zentrum lässt sich in einem Tag zu Fuß erkunden, aber die Atmosphäre erschließt sich erst bei einem längeren Aufenthalt.
In Venedig sind der Markusplatz und der Dogenpalast Pflichtprogramm. Der wahre Charme liegt jedoch in den Stadtteilen Cannaregio oder Dorsoduro, abseits der ausgetretenen Pfade. Es gibt noch Gassen ohne Touristen, man muss sich nur trauen, sich zu verlaufen.
Ein Tipp unter Freunden: Reserviere deine Tickets für das Kolosseum, die Uffizien und die Vatikanischen Museen mindestens zwei Wochen im Voraus. Vor Ort können die Wartezeiten in der Hochsaison über zwei Stunden betragen.
Berge, Seen und toskanische Landschaften
Die Hügel der Toskana
Die Toskana bietet Postkartenpanoramen, die in der Realität sogar noch schöner sind. Alleen aus Zypressen, die Weinberge des Chianti und auf Hügeln thronende Dörfer wie San Gimignano oder Montepulciano bilden eine zeitlose Kulisse. Das Val d'Orcia, UNESCO-Welterbe, erkundet man am besten mit dem Auto über die kurvenreichen Straßen.
Die Dolomiten
Im Norden ragen die Kalksteinwände der Dolomiten auf über 3 000 Meter empor. Das Val di Funes bietet spektakuläre alpine Ausblicke. Ob Wandern im Sommer oder Skifahren im Winter: Diese Region zieht Bergfreunde das ganze Jahr über an. Cortina d’Ampezzo ist ein idealer Ausgangspunkt.
Die oberitalienischen Seen
Der Comer See und der Lago Maggiore bieten eine ruhigere Atmosphäre. Alte Villen, botanische Gärten und Orte wie Varenna oder Bellagio begeistern Besucher, die Ruhe suchen. Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und September. Wir empfehlen außerdem den kleinen Ortasee, der in vielen Reiseführern untergeht: Er ist weniger überlaufen als seine berühmten Nachbarn und bietet die gleichen Vorzüge, dazu die Insel San Giulio.
Neapel und der tiefe mediterrane Süden
Neapel spaltet die Gemüter. Chaotisch, laut, intensiv: Die Stadt muss man sich erarbeiten. Das historische Zentrum ist voll von Barockkirchen und jahrhundertealten Pizzerien. Die Ruinen von Pompeji liegen nur 30 Minuten mit dem Zug entfernt.
Die Amalfiküste reiht ihre Dörfer wie Positano und Ravello an steile Klippen. Die engen Straßen und die Touristenmassen erschweren den Besuch im Juli und August. Ravello, hoch über der Küste gelegen, bietet eine ruhigere Alternative zu den Orten direkt am Meer.
Auf Sizilien bewahrt Syrakus seine griechische und römische Vergangenheit. Taormina verbindet Strand und antike Überreste mit Blick auf den Ätna. Die Barockstadt Noto ist für ihre Hauptstraße mit den goldfarbenen Fassaden einen Umweg wert.
Sardinien bietet Strände mit türkisfarbenem Wasser, besonders an der Costa Smeralda und im Golf von Orosei. Die Insel ist insgesamt wilder und weniger erschlossen als Sizilien.
Regionen abseits der Touristenströme
Apulien zeigt ein ganz anderes Gesicht. Die Trulli von Alberobello bilden eine einzigartige Landschaft aus Steinhäusern mit konischen Dächern. Locorotondo und Polignano a Mare vervollständigen eine Reise in den Absatz des Stiefels.
Umbrien steht oft im Schatten der toskanischen Nachbarin. Assisi, Perugia und Orvieto sind jedoch absolut sehenswert. Die schwarzen Trüffel der Region gehören zu den besten des Landes.
In der Basilikata überrascht Matera mit seinen in den Fels gehauenen Höhlenwohnungen. Diese UNESCO-geschützte Stadt galt in den 1950er Jahren noch als nationale Schande. Heute beherbergen die Grotten charmante Hotels und Restaurants.
Ein Tipp unter Freunden: Fahre zwischen Matera und Apulien über Castelmezzano und Pietrapertosa in der Basilikata. Diese beiden Dörfer, die an die Lukanischen Dolomiten geklammert sind, sind durch eine spektakuläre Zipline verbunden.
Italien auf dem Teller: Zwanzig Regionen, zwanzig Küchen
Die italienische Küche gibt es nicht im Singular. Jede Region verteidigt ihre Spezialitäten mit Stolz. In Rom regieren Carbonara, Cacio e Pepe und Amatriciana. Neapel beansprucht die neapolitanische Pizza aus dem Holzofen für sich, die man bei Da Michele oder Sorbillo für unter 10 €* genießen kann.
Die Emilia-Romagna ist das Herz der italienischen Speisekammer: Parmigiano Reggiano, Prosciutto di Parma und Balsamico aus Modena. Die Tortellini in Brodo aus Bologna und die echten Tagliatelle al Ragù haben mit ihren internationalen Kopien wenig gemein. In Mailand dominieren das Risotto alla Milanese mit Safran und Ossobuco die Karten.
Das Ritual des Aperitivo wird überall gegen 18:00 Uhr zelebriert. Ein Spritz oder Negroni mit kleinen salzigen Snacks markiert den Übergang vom Arbeitstag zum Abend. In Mailand bieten manche Bars großzügige Buffets, die im Preis des Getränks inbegriffen sind.
Wann ist die beste Reisezeit?
Frühling und Herbst bieten die besten Bedingungen. April bis Juni sowie September bis Oktober kombinieren angenehmes Wetter mit moderatem Besucherandrang. Die Temperaturen liegen im Zentrum des Landes zwischen 15 und 25 Grad.
Juli und August sind heiß und überlaufen. In Rom und Florenz werden regelmäßig über 35 Grad erreicht. Strände und Küsten sind voll, die Preise steigen. Mitte August, rund um Ferragosto, schließen viele Geschäfte und die Italiener gehen selbst in den Urlaub.
Der Winter eignet sich für weniger frequentierte Kunststädte und die Skigebiete in den Alpen. Der Karneval in Venedig im Februar zieht viele Besucher an. Achtung: Die Amalfiküste und die Cinque Terre fahren von November bis März ihren Betrieb stark herunter.
Wie kommt man nach Italien?
Direktflüge gibt es von fast jedem größeren deutschen Flughafen. Ab Frankfurt oder München ist man in knapp zwei Stunden in Rom, nach Mailand oder Venedig geht es noch schneller. Lufthansa fliegt von den beiden Drehkreuzen auch Neapel, Bologna, Florenz, Bari und Palermo an, Eurowings bedient Italien ab Düsseldorf, Köln, Hamburg, Stuttgart und Berlin. Dazu kommen ITA Airways als italienische Fluggesellschaft, Swiss ab Zürich und die europaweiten Billigflieger easyJet, Ryanair, Transavia und Vueling, bei früher Buchung ab 30 bis 50 €* pro Strecke.
Mit der Bahn ist Italien vor allem aus dem Süden Deutschlands bequem erreichbar. EuroCity-Züge fahren von München über den Brenner nach Verona und Bologna, mit Anschluss nach Florenz, Rom und Venedig; bis Verona sind es rund fünf bis sechs Stunden. Der Nightjet der ÖBB fährt abends in München ab und ist am Morgen in Mailand, Venedig, Florenz oder Rom, Liege- und Schlafwagen inklusive.
Mit dem Auto führt die klassische Route ebenfalls über den Brenner: von München sind es etwa fünf Stunden bis Verona. Alternativ geht es durch die Schweiz über den Gotthard oder den San Bernardino Richtung Mailand und Comer See. Eingeplant werden müssen die Vignette für Österreich beziehungsweise die Schweiz, die Sondermaut der Brennerautobahn und die Kilometermaut auf den italienischen Autostrade. Der Mont-Blanc- und der Fréjus-Tunnel sind dagegen die französischen Zufahrten und aus dem deutschsprachigen Raum ein weiter Umweg.
Wie bewegt man sich in Italien fort?
Das Bahnnetz verbindet die Großstädte effizient. Die Hochgeschwindigkeitszüge Frecciarossa von Trenitalia und die Züge von Italo verkehren auf der Achse Mailand-Bologna-Florenz-Rom-Neapel. Die Fahrt von Rom nach Neapel dauert 1 Stunde, Florenz nach Rom etwa 1,5 Stunden, Mailand nach Rom 3 Stunden.
Die Preise richten sich nach dem Buchungsdatum. Super Economy Tickets starten bei 9,90 €* bei frühzeitiger Buchung. Das Angebot Italia in Tour von Trenitalia ermöglicht es, für 35 €* an 3 Tagen mit Regionalzügen zu reisen. Vergleiche immer Trenitalia und Italo für dieselbe Strecke.
Für ländliche Regionen, die Toskana, Apulien oder Sizilien, bleibt ein Mietwagen die beste Option. Achte auf die ZTL, die Zonen mit beschränktem Verkehr in den historischen Zentren: Das Einfahren ohne Genehmigung wird mit saftigen Bußgeldern bestraft. Fähren verbinden das Festland mit Sardinien ab Civitavecchia, Genua oder Livorno.
Ein Tipp unter Freunden: Buche deine Bahntickets für Langstrecken mindestens 3 Wochen im Voraus auf den Seiten von Trenitalia oder Italo. Die Preise können sich bei kurzfristiger Buchung verdreifachen.