68f965b5ac0c5

Abseits der Touristenpfade: Ein Aufenthalt in der Serra do Caldeirão

Aus dem Französischen übersetzt — Original auf Französisch lesen

Im Süden Portugals, genau an der Grenze zwischen dem Alentejo und der Algarve, erstreckt sich die Serra do Caldeirão, wörtlich übersetzt das „Gebirge des Kessels“.
Ihren Namen verdankt sie ihrem Erscheinungsbild: Von den höchsten Punkten aus betrachtet, erinnert die Landschaft an einen brodelnden Kessel.

Anreise

Ein magischer Ort par excellence, weit abseits der touristischen Pfade und doch nur einen Katzensprung vom Trubel der Algarve entfernt. Um sich in diesem Labyrinth aus Wegen zurechtzufinden, braucht man eine gehörige Portion Geduld und Demut.
Es gibt nur wenige asphaltierte und einigermaßen gut ausgeschilderte Straßen, die das Gebiet durchqueren: von Nord nach Süd die Strecke von Almodôvar (Distrikt Beja) in Richtung Salir, von Ost nach West die Verbindung von Sao Barnabé nach Sao Marco da Serra sowie die Autobahn A2. Allerdings gibt es zwischen Almodôvar und der Algarve-Küste keine Ausfahrt. Am interessantesten ist es ohnehin, die befestigten Straßen zu verlassen und sich auf die kleineren Wege zu wagen. Danach gibt es kaum noch oder gar keine Wegweiser mehr an den Kreuzungen. Herkömmliche Karten decken das Gebiet kaum ab, und ob ein GPS hier wirklich hilfreich ist, wage ich zu bezweifeln.

Wunderschöne, unberührte Natur

Blüte in der Serra do CaldeirãoDoch was für ein Staunen erwartet einen hinter jeder Kurve; jedes Tal ist anders. Fauna und Flora sind hier noch ursprünglich, und der Blick über die gesamte Algarve-Küste ist atemberaubend. An manchen Morgen liegt ein Nebelschleier über den Tälern, der einem das Gefühl gibt, auf einer Insel zu stehen.

Obwohl es im Sommer sehr heiß und trocken ist, sorgen ausreichende Regenfälle im Winter und Frühling dafür, dass die Natur die trockenen Monate übersteht. Die wichtigsten Flüsse führen weiterhin Wasser, gespeist von tausenden Quellen, ob natürlich oder von Menschenhand angelegt, eine schöner als die andere. Auf jede Regenperiode folgt ein Sonnenstrahl, der die Natur wieder aufblühen lässt.

Der Frühling verwandelt die Landschaft in ein endloses Blumenmeer in allen Farben. Im Sommer hingegen verströmt die Gegend die Düfte der korsischen Macchia. Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Korkeichen, aber man findet auch viele Erdbeerbäume, Zistrosen, Heidekraut, Rosmarin und jahrhundertealte Olivenbäume, alles, was man in einem mediterranen Klima erwarten würde.

Der „Kessel“ überblickt die gesamte Umgebung: im Norden die Ebene des Alentejo, im Süden die Algarve-Küste, im Osten die spanische Ebene und im Westen die Atlantikküste. Der Horizont liegt einem zu Füßen, ein 360-Grad-Panorama. Man erlebt hier Sonnenauf- und -untergänge von purer Schönheit, und weniger bekannt, aber ebenso beeindruckend sind die Mondaufgänge. Wenn die Tage schon schön sind, so sind die Nächte schlicht magisch.

Da die Gegend kaum bewohnt und somit kaum beleuchtet ist, erlaubt die fehlende Lichtverschmutzung einen echten Blick in den Himmel. Man hat das Gefühl, mitten im Sternenzelt zu stehen, eingetaucht in die Milchstraße. Mit etwas Geduld kann man tatsächlich die Sterne zählen, alle.

Eine geschichtsträchtige Region

Auch wenn sich die Natur in diesem Gebiet über die Jahrhunderte kaum verändert hat, haben verschiedene Völker ihre Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind. In der Region wurden die ältesten bekannten Inschriften der Iberischen Halbinsel auf einem Stein entdeckt. Sie sind zusammen mit anderen Funden im Schriftmuseum in Almodôvar ausgestellt und stammen vermutlich aus dem 7. bis 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Man findet auch zahlreiche Dolmen und Menhire, das Erbe einer keltischen Vergangenheit. Zudem gibt es einige Tumuli (Grabhügel); diese sind zwar nicht mehr in bestem Zustand, aber in der Algarve wurden einige originalgetreu rekonstruiert, wobei die Oberseite mit weißem Quarz bedeckt ist.

Man stößt auch auf runde Häuser mit Strohdächern, man würde fast erwarten, einen Druiden herauskommen zu sehen. Sie werden heute nicht mehr als Wohnraum genutzt, sondern dienen als Unterstände für Tiere oder zur Heulagerung. Viele sind verfallen, aber einige werden noch gut instand gehalten. Nur noch wenige Menschen kennen die Geheimnisse der Dacheindeckung. Neben den Kelten zogen auch Römer und Mauren durch diese Gegend und hinterließen ihre Zeichen. Mit der Zeit verschwindet dieses Erbe jedoch; so wurde beispielsweise an einem Ort bei Castro da Cola eine Moschee abgerissen, um an ihrer Stelle eine Kirche zu errichten. Die Stätte beherbergt auch die Ruinen einer sehr alten Befestigungsanlage, deren Ursprünge nicht genau geklärt sind, sie könnte aus der Keltenzeit stammen. Direkt daneben gibt es ein Restaurant, in dem man gut isst und herzlich empfangen wird; die Besitzer erzählen gerne von „ihrer“ Burg und deren Geschichte. Eine weitere alte Befestigung befindet sich bei Santa Clara-a-Nova: Mesas de Castelinho, ebenfalls extrem alt, wo jedes Jahr archäologische Ausgrabungen stattfinden...

In der Gegend findet man zudem einige perfekt erhaltene römische Brücken und Überreste römischer Straßen. Und natürlich gibt es unzählige alte Legenden, die die Zeit überdauert haben.

Essen vor Ort

Les belles plages du sud du Portugal ne sont pas loinDie gesamte Gegend ist sowohl mit Restaurants als auch mit Unterkünften bestens versorgt. Manche Cafés in den kleinen Dörfern bieten auch etwas zu essen an. Das steht nicht immer direkt an der Tür, also fragen Sie einfach nach. Meistens handelt es sich um eine bodenständige Familienküche: kalorienreich und herzhaft. An manchen Tagen steht sogar Wildschwein auf der Karte, da es davon in der Region reichlich gibt. Die Gerichte basieren oft auf Fleisch und Wurstwaren, manchmal gibt es aber auch sehr leckere Tomatensalate. Wenn Sie richtig guten Fisch essen möchten, sollten Sie sich eher in Richtung Küste orientieren. Falls Ihnen die lokale Küche nicht zusagt, finden Sie auch Unterkünfte mit eigener Küche zur Selbstverpflegung.

Für Naturliebhaber, Schatzsucher, Sternengucker oder einfach für alle, die ein wunderschönes Gebirge abseits der ausgetretenen Pfade entdecken möchten: Machen Sie sich auf in die Serra do Caldeirão in Portugal. Ein Ort, den man gesehen und vor allem erlebt haben muss.

Kommentare (0)

und hinterlasse einen Kommentar.

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Weitere vorgeschlagene Artikel

Vorgeschlagene Fotoalben