Madrid, die Hauptstadt, die niemals schläft und spät isst
Es ist weit nach Mitternacht, doch auf den Gehwegen von La Latina herrscht noch immer reges Treiben. Freundesgruppen teilen sich Teller mit jamón ibérico an Resopaltischen, in einer Ecke der Gasse klimpert ein Gitarrist, und irgendwo ruft jemand die dritte Runde cañas (kleine Biere) ab. In Madrid ist 22:00 Uhr kaum mehr als die Zeit für den Aperitif.
Die spanische Hauptstadt tickt anders und nimmt es mit der Uhrzeit gelassener als der Rest Europas. 3,3 Millionen Einwohner, ein kastilisches Hochplateau auf 650 Metern Höhe, kein Strand, kein Hafen, kein schiffbarer Fluss. Was die Stadt jedoch bietet: drei der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt auf einem einzigen Boulevard, eine kulinarische Szene, die mit Barcelona mithalten kann, und eine nächtliche Energie, die auf dem Kontinent ihresgleichen sucht.
Die große Rivalin Barcelonas, nur spanischer
Wir sagen es direkt: Madrid wird oft unterschätzt. Die meisten Reisenden steuern direkt auf Barcelona zu, ohne hier einen Stopp einzulegen. Das ist ein Fehler. Die Hauptstadt ist erschwinglicher, weniger von Touristen überlaufen und vermittelt ein viel authentischeres Bild des spanischen Lebensgefühls.
Ideal für:
- Kunstliebhaber und Fans erstklassiger Museen
- Nachtschwärmer und Fans eines intensiven Nachtlebens
- Feinschmecker auf der Jagd nach Tapas, Märkten und Tresen-Küche
- Städtetrip-Fans für ein Wochenende von 2 bis 4 Tagen
- Fußballfans, die das Santiago Bernabéu sehen wollen
Weniger geeignet für:
- Reisende, die Strandurlaub oder unberührte Natur suchen
- Menschen, die Hitze schlecht vertragen: Im Juli und August werden regelmäßig 40 °C überschritten
- Familien mit Kleinkindern, die ein ruhiges Tempo bevorzugen
- Reisende, die gerne früh schlafen gehen
Ein moderates Budget für eine westeuropäische Hauptstadt
Madrid bleibt eine der erschwinglichsten Metropolen Westeuropas und ist etwa 5 bis 10 Prozent günstiger als Barcelona. Das menú del día, ein Mittagsmenü mit drei Gängen inklusive Getränk, ist dein bester Begleiter: Es kostet in den meisten Restaurants im Zentrum zwischen 12 und 18 Euro.
| Ausgaben | Preisspanne |
|---|---|
| Übernachtung in Hostel oder Pension | 25 bis 45 Euro |
| Übernachtung in gut gelegenem 3-4-Sterne-Hotel | 80 bis 150 Euro |
| Snack für zwischendurch: Bocadillo, Markt, lokales Fast-Food | 4 bis 8 Euro |
| Restaurantbesuch oder Tapas-Runde | 15 bis 30 Euro |
| Transport + ein Museumseintritt pro Tag | 8 bis 20 Euro |
| Tagesbudget Low-Budget | 55 bis 80 Euro |
| Tagesbudget Komfort | 120 bis 200 Euro |
Eine sichere Stadt, die man schnell versteht
Das Stadtzentrum lässt sich hervorragend zu Fuß erkunden. Die Sprachbarriere ist gering: Viele Madrilenen sprechen ein wenig Englisch, und in touristischen Gegenden wird man auch mit Französisch oder ein paar Brocken Spanisch gut verstanden. Das Klima ist kontinental und trocken: sehr heiß im Sommer, kalt und sonnig im Winter. Zwischen Juni und September sind Sonnencreme und eine Wasserflasche Pflicht.
Sicherheit
Taschendiebstahl ist das Hauptproblem in stark frequentierten Bereichen wie der Puerta del Sol, der Gran Vía oder in überfüllten U-Bahnen. Behalte deine Wertsachen sicher im Blick und bleibe in Menschenmengen aufmerksam. Abgesehen davon ist die Stadt sehr sicher, auch bei Nacht.
Das goldene Kunstdreieck: Prado, Reina Sofía, Thyssen
Nur wenige Städte weltweit konzentrieren so viele Meisterwerke auf einer einzigen Achse. Der Paseo del Prado vereint drei bedeutende Museen auf weniger als 800 Metern. Im Museo del Prado warten die großen Leinwände von Velázquez, Goya und El Greco auf dich. Allein die Meninas sind den Besuch wert.
Nur wenige hundert Meter weiter beherbergt das Museo Reina Sofía Picassos Guernica, ein erschütterndes, monumentales Werk, auf das keine Reproduktion vorbereiten kann. Dazwischen bietet das Museo Thyssen-Bornemisza einen Überblick über die westliche Kunst vom 13. bis zum 20. Jahrhundert, der sich gut an einem einzigen Tag erfassen lässt.
Geheimtipp: Der Prado ist von Montag bis Samstag zwischen 18:00 und 20:00 Uhr kostenlos zugänglich, das Reina Sofía von Mittwoch bis Samstag zwischen 19:00 und 21:00 Uhr. Sei 15 Minuten vor Beginn der kostenlosen Zeit da, um die Wartezeit zu verkürzen.
La Latina, Lavapiés, Malasaña: Drei Viertel, eine Nacht
La Latina ist das Viertel für Tapas schlechthin. In der Calle Cava Baja gibt es mehr Bars pro Quadratmeter als in fast jeder anderen Straße Europas. Am Sonntagmorgen verwandelt der Flohmarkt El Rastro die umliegenden Straßen in das größte und lebhafteste Markttreiben Spaniens.
Etwas weiter südlich setzt Lavapiés auf Multikulturalität. Hier isst man indisch, senegalesisch oder peruanisch, oft besser als im Ursprungsland. Samstags verwandeln sich die Fischstände im Mercado de la Cebada in improvisierte Meeresfrüchte-Bars: Die Händler bereiten ihre frische Ware direkt vor Ort zu, zu einem Bruchteil des Restaurantpreises.
Geheimtipp: Vermeide den Mercado de San Miguel nahe der Plaza Mayor. Er ist zweifellos schön, aber teuer und stark überlaufen. Besuche stattdessen den Mercado de San Fernando in Lavapiés, der deutlich mehr von Einheimischen besucht wird.
Im Norden pflegt Malasaña seine alternative Seele. Second-Hand-Läden, Vinyl-Plattenläden, Röstereien und Street-Art prägen das Bild. Die Plaza del Dos de Mayo gibt den Ton an: Hier leisteten die Madrilenen 1808 Widerstand gegen die Truppen Napoleons. Der rebellische Geist ist bis heute spürbar.
Das königliche und monumentale Madrid
Der Palast von Madrid ist flächenmäßig der größte Königspalast Westeuropas. Man kann zwar nur einen Teil der 3.418 Räume besichtigen, aber die zugänglichen Säle sind beeindruckend: von Tiepolo bemalte Decken, eine beeindruckende Rüstkammer und prunkvolle Ausstattung. Direkt unterhalb liegen die Gärten des Campo del Moro, die erstaunlich ruhig und wenig besucht sind.
Die Plaza Mayor mit ihren roten Arkaden diente früher als Schauplatz für die Autodafés der Inquisition. Heute sind die Terrassen dort zwar teuer, aber die Überquerung des Platzes bei Sonnenuntergang ist ein Muss. Nur wenige Schritte entfernt markiert die Puerta del Sol den Kilometer Null aller spanischen Fernstraßen.
El Retiro und der Sonnenuntergang
Der Parque del Retiro ist das madrileñische Gegenstück zum Central Park. Man leiht sich ein Ruderboot auf dem See, entspannt unter jahrhundertealten Bäumen oder besucht den Palacio de Cristal, ein gläsernes Gewächshaus am Ufer. Sonntags treffen sich hier Musiker, Jongleure und Wahrsager.
Für einen Sonnenuntergang fernab der Massen empfiehlt sich der Cerro del Tío Pío, den die Einheimischen wegen seiner sieben Hügel Siete Tetas nennen. Der Blick auf die Skyline der Stadt, während unten die AVE-Züge vorbeirauschen, gehört zu den schönsten Erlebnissen der Hauptstadt. Ein gut gehütetes Geheimnis.
Wo man in Madrid essen und trinken kann
Madrid ist eine Stadt der Tresen-Kultur. Man isst im Stehen, lehnt am Zinktresen und teilt sich kleine Portionen. Das bocadillo de calamares, ein Sandwich mit frittierten Tintenfischringen in knusprigem Brot, ist der ikonische Snack der Stadt. Die besten Exemplare findet man in den unscheinbaren Läden rund um die Plaza Mayor.
Spezialitäten zum Probieren
- cocido madrileño: Ein winterlicher Eintopf aus Kichererbsen, Fleisch und Gemüse, der in drei Gängen serviert wird.
- tortilla de patatas: Eine dicke Kartoffelomelette, die es überall gibt und die nie zweimal gleich schmeckt.
- churros con chocolate: Zum Eintunken in dickflüssige Schokolade, besonders bei San Ginés, das bereits seit 1894 besteht.
- patatas bravas: Frittierte Kartoffelwürfel mit pikanter Sauce, der ultimative Test für jede gute Tapas-Bar.
Für ein ausgiebigeres Abendessen bietet das Viertel Chueca zahlreiche Fusionsrestaurants und Dachterrassen. Der Mercado de San Antón erstreckt sich über drei Etagen: unten kann man stöbern und naschen, oben auf der Terrasse mit Blick über die Dächer speisen.
Geheimtipp: Das Restaurant Sobrino de Botín wurde 1725 gegründet und wird vom Guinness-Buch als ältestes Restaurant der Welt geführt. Reserviere vorab, um das im Holzofen gebratene Lamm, die Spezialität des Hauses, zu probieren.
Wo man in Madrid übernachtet
Das Centro Histórico zwischen Sol, Opera und La Latina bietet die beste fußläufige Anbindung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Es ist jedoch sehr gefragt, daher empfiehlt sich eine rechtzeitige Buchung. Für ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis sind Malasaña oder Lavapiés ideal, da sie gut an die U-Bahn angebunden und abends deutlich lebendiger sind.
Wer mehr Komfort sucht, ist im Viertel Salamanca richtig, das deutlich ruhiger ist. Die Unterkünfte sind dort teurer, aber die Straßen wirken sehr gepflegt. In der Nähe des Bahnhofs Atocha findet man gute Hotels zu moderaten Preisen, was besonders praktisch für Zugausflüge nach Toledo oder Segovia ist.
Wie kommt man nach Madrid?
Der Flughafen Adolfo Suárez Madrid-Barajas ist einer der größten Europas mit Direktverbindungen aus vielen europäischen Städten. Günstige Flüge finden sich oft bei rechtzeitiger Buchung.
Vom Flughafen ins Zentrum
Die Linie 8 der U-Bahn erreicht das Zentrum in 30 Minuten für 4,50 bis 6 Euro (Flughafenzuschlag inklusive). Der Airport Express Bus verbindet das Terminal T4 rund um die Uhr mit Atocha in 40 Minuten für 5 Euro. Taxis berechnen einen Festpreis von 30 Euro in die Innenstadt.
Mit dem Zug
Von Barcelona aus erreicht man Madrid mit dem TGV/AVE in 2,5 Stunden. Das AVE-Netz verbindet Madrid zudem in 2,5 Stunden mit Sevilla und in 1 Stunde und 40 Minuten mit Valencia, was einfache Kombinationsreisen ermöglicht.
Wie bewegt man sich in Madrid fort?
Mit 13 Linien ist die U-Bahn das effizienteste Verkehrsmittel: sauber, pünktlich und mit Zügen alle 3 bis 5 Minuten. Eine Einzelfahrt kostet 1,50 bis 2 Euro. Das Touristenticket ermöglicht unbegrenzte Fahrten ab 8,40 Euro pro Tag, und die 10er-Karte für 12,20 Euro ist die beste Wahl für Kurztrips.
Das historische Zentrum lässt sich problemlos zu Fuß erkunden, da alles relativ kompakt ist. Taxis sind erschwinglich, für eine Fahrt innerhalb des Zentrums zahlt man etwa 6 bis 12 Euro. Auch Uber, Cabify und Bolt sind in der Stadt verfügbar.
Wann ist die beste Reisezeit?
Ideal sind das Frühjahr (März bis Juni) oder der Herbst (September bis November). Die Temperaturen liegen dann meist zwischen 15 und 28 °C, die Terrassen sind belebt und das Licht ist fantastisch. Juli und August sollten bei Hitzeempfindlichkeit gemieden werden, da das Thermometer oft über 38 °C klettert und sich die Stadt leert.
Bonjour ! Que s'est-il passé avec les soirées Flamenco ???