Bilbao, wo Titan auf Txakoli trifft
Ein Fisch aus Metall schlängelt sich am Ufer eines umgestalteten Industrieflusses. Eine riesige Spinne hält Wache vor einem Museum, das die Schwerkraft herausfordert. Und nur wenige Straßen weiter zählen Einheimische, die an der Zinktheke lehnen, ihre Zahnstocher, um die Rechnung für ihre pintxos zu begleichen.
Diese unwahrscheinliche Gegenüberstellung ist der Alltag in der baskischen Hauptstadt, einer Stadt, die eines der spektakulärsten urbanen Comebacks in Europa hingelegt hat.
Die baskische Renaissance, die Neugierige anzieht
Dieses Ziel richtet sich an alle, die Städte in menschlicher Größe mögen, in denen man an einem Tag problemlos zwischen einem Museum von Weltrang und einer authentischen Kneipentour wechseln kann. Liebhaber von zeitgenössischer Architektur, Feinschmecker und Reisende auf der Suche nach einer starken kulturellen Identität kommen hier voll auf ihre Kosten.
Wenn du hingegen den Strand direkt vor der Hoteltür oder ein wildes Nachtleben wie in Barcelona suchst, wirst du hier nicht fündig. Das ozeanische Klima erfordert zudem die Akzeptanz einer gewissen Feuchtigkeit. Regen gehört zum Stadtbild, besonders zwischen Oktober und April. Plane zwei bis drei Tage ein, um die Stadt und ihre unmittelbare Umgebung entspannt zu erkunden.
Ein vernünftiges Budget für Nordspanien
Das Baskenland zählt zwar zu den teureren Regionen Spaniens, aber die Preise liegen immer noch unter denen in Frankreich. Plane zwischen 80 und 150 Euro pro Tag für ein Paar ein, inklusive einer 3-Sterne-Unterkunft (etwa 70-100 Euro/Nacht), Verpflegung auf pintxos-Tour (15-25 Euro pro Person) und einigen Museumseintritten.
Das Casco Viejo: Die Seele der Sieben Straßen
Das pulsierende Herz der Stadt verbirgt sich im Labyrinth der Siete Calles, jenen sieben parallelen Straßen, die seit dem Mittelalter den historischen Kern bilden. Die farbenfrohen Fassaden der traditionellen Häuser stehen im Kontrast zu den belebten Terrassen, und die Atmosphäre wandelt sich radikal zwischen der Ruhe am Morgen und dem Trubel zur Aperitifzeit.
Die Plaza Nueva ist das Epizentrum dieses fröhlichen Treibens. Ihre neoklassizistischen Arkaden beherbergen einige der besten pintxos-Bars der Region. Am Sonntagmorgen findet hier ein Flohmarkt statt, der Antiquitäten und Kuriositäten mischt. Nur wenige Schritte entfernt zeigt die cathédrale Santiago ein prächtiges Renaissance-Portal, das man in der Enge der Gassen erst einmal entdecken muss.
Der Insider-Tipp: Meide die Plaza Nueva am Samstagabend, wenn du Menschenmassen aus dem Weg gehen willst. Wähle lieber einen Donnerstagabend für eine lokale Atmosphäre ohne den touristischen Ansturm.
Der Markt von Ribera
Der Mercado de la Ribera gilt als einer der größten überdachten Märkte Europas und erstreckt sich entlang des Flusses Nervión in einem Art-déco-Gebäude. Hier findest du die Produkte, auf die Basken stolz sind: Fisch von der kantabrischen Küste, geräucherter Idiazábal-Käse und spanische Piment d'Espelette. Im Obergeschoss laden Essensstände dazu ein, die Spezialitäten direkt vor Ort zu genießen.
Das Guggenheim-Viertel: Die Ikone und ihre Nachbarn
Man kommt nicht an ihr vorbei: Das Musée Guggenheim hat diese ehemalige Industriestadt 1997 buchstäblich wiederbelebt. Das Bauwerk von Frank Gehry mit seinen Titankurven, die im wechselnden Licht flüssig wirken, verdient es, dass man es einmal komplett umrundet, bevor man überhaupt eintritt.
Draußen bewacht Puppy, der riesige blühende Hund von Jeff Koons, den Eingang, während die Spinne Maman von Louise Bourgeois ihre beunruhigenden Beine im Hintergrund ausbreitet. Die ständigen Sammlungen präsentieren monumentale Werke von Richard Serra und anderen Größen der zeitgenössischen Kunst.
Der Insider-Tipp: Buche deine Tickets online, um Warteschlangen zu vermeiden, und besuche das Museum am späten Nachmittag. Das streifende Licht auf den Metallschuppen des Gebäudes bietet ein ganz eigenes Schauspiel.
Jenseits des Museums
Das Viertel rund um das Guggenheim birgt weitere architektonische Schätze. Die Fußgängerbrücke Zubizuri, entworfen von Santiago Calatrava, überspannt den Nervión mit ihrem geneigten weißen Bogen. Der tour Iberdrola, ein 165 Meter hoher Wolkenkratzer, überragt den Park República de Abando, ein ehemaliges Industriegelände, das in eine grüne Lunge verwandelt wurde.
Das Ensanche und die Höhen von Artxanda
Das Viertel Ensanche entfaltet seine bürgerlichen Alleen, gesäumt von stattlichen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert. Hier konzentrieren sich elegante Boutiquen und pintxos-Bars der gehobenen Klasse, besonders rund um die rue Ledesma und die Plaza Moyua.
Um hoch hinaus zu kommen, fährt die funiculaire d'Artxanda in drei Minuten zu einem Aussichtspunkt, der die gesamte Stadt umfasst. Der Blick hilft zu verstehen, wie sich die Stadt entlang der Ría entwickelt hat, dem Fluss, der ihr einst industriellen Reichtum brachte und heute ihre Lebensader ist.
Der Insider-Tipp: Fahre zum Ende des Tages auf den Monte Artxanda für den Sonnenuntergang und gehe bei gutem Wetter über die Waldpfade zu Fuß wieder hinunter.
Ausflüge rund um die Stadt
Nach zwanzig Minuten mit der U-Bahn offenbart Getxo seine Strände, Villen aus der Belle Époque und die Pont de Biscaye, die weltweit erste Schwebefähre, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Man kann die Ría in einer Gondel hängend überqueren oder für den Nervenkitzel über den oberen Steg laufen.
Weiter nördlich erfordert der befestigte Felsen von San Juan de Gaztelugatxe, bekannt durch die Serie Game of Thrones, 241 Stufen bis zur Einsiedelei. Guernica, die durch Picasso unsterblich gewordene Märtyrerstadt, bietet ihr Musée de la Paix und den symbolträchtigen Baum, unter dem sich früher die baskischen Versammlungen trafen.
Wo kann man in Bilbao essen und trinken?
Die kulinarische Szene stützt sich auf zwei Säulen: pintxos und die Haute Cuisine. Die Tradition der Kneipentour, der poteo, besteht darin, von Bar zu Bar zu ziehen und in jedem Lokal ein oder zwei Häppchen zu nehmen, begleitet von einem txakoli (einem leicht prickelnden lokalen Weißwein) oder einem zurito (einem kleinen Glas Bier).
Zu den Spezialitäten, die man probieren sollte, gehören: die gilda (Olive, Sardelle und Peperoni am Zahnstocher), Kabeljau nach pil-pil oder biscayenne Art, kokotxas (Seehechtbäckchen in grüner Sauce) und txipirones (Tintenfisch in eigener Tinte). Auf der Plaza Nueva bietet das Gure Toki innovative Kreationen, während das Victor Montes die hundertjährige Tradition pflegt.
Wo kann man in Bilbao und Umgebung übernachten?
Das Casco Viejo bietet den Vorteil der Atmosphäre und die Nähe zu den Bars, aber die Straßen können am Wochenende laut sein. Das Viertel rund um das Guggenheim und das Ensanche eignet sich besser für diejenigen, die Ruhe suchen und dennoch alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen möchten.
Für kleine Budgets gibt es Jugendherbergen ab 20-30 Euro pro Nacht im Viertel San Francisco, das populärer und multikultureller ist. Für einen Strandurlaub bietet Getxo Unterkünfte mit Ozeanblick, die in weniger als einer halben Stunde mit der U-Bahn erreichbar sind.
Wie kommt man nach Bilbao und wie bewegt man sich fort?
Der aéroport de Loiu liegt 12 km vom Zentrum entfernt und ist mit einem Shuttlebus angebunden (ca. 3 Euro, 25 Minuten). Von Frankreich aus gibt es Direktflüge ab Paris, Marseille und mehreren anderen Städten. Mit dem Auto solltest du von Bayonne oder Bordeaux aus etwa 2,5 Stunden über die Autobahn einplanen.
Vor Ort reicht es aus, das Zentrum zu Fuß zu erkunden: Die beiden Enden der touristischen Zone liegen nur dreißig Minuten auseinander. Die U-Bahn, deren Design von Norman Foster stammt, bedient die Außenbezirke und Getxo effizient. Ein Einzelticket kostet je nach Zone zwischen 1,35 Euro und 1,65 Euro.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling (avril-mai) und der frühe Herbst (septembre-octobre) bieten den besten Kompromiss zwischen angenehmem Wetter und moderaten Besucherzahlen. Der Sommer zieht die Massen an, mit dem Höhepunkt während der Semana Grande (Ende August), einem neuntägigen Festival, das die ganze Stadt belebt. Der Winter bleibt mild, aber feucht, bietet jedoch den Vorteil günstigerer Unterkunftspreise und menschenleerer Museen.
Ich wusste, dass Bilbao zu einem bekannten und beliebten Reiseziel geworden ist.
Es stimmt, dass die Stadt eine Menge Aktivitäten und eine ideale Lage direkt am Wasser bietet.
Aber um die Umgebung voll und ganz genießen zu können, empfehle ich euch einen Ausflug zum Mirador de Artxanda mit der Standseilbahn.
Freut euch auf einen großartigen Ausblick auf die Schätze der Stadt, wie das Guggenheim Museum, die Altstadt und die vielen Brücken!