Postojna, die slowenische Kleinstadt mit der verborgenen Welt
Elektrisches Licht gab es hier bereits 1883. Fünfzehn Jahre vor Ljubljana selbst. Allerdings nicht in den Straßen, sondern 120 Meter unter der Erde, tief in einer Höhle, die zu diesem Zeitpunkt schon seit über sechzig Jahren Touristen empfing. Diese Anekdote beschreibt Postojna perfekt: eine beschauliche Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern auf einem Karstplateau, deren weltweite Bekanntheit fast ausschließlich dem geschuldet ist, was sich unter der Oberfläche abspielt.
Postojna: Ein Zwischenstopp, kein Hauptreiseziel
Um ehrlich zu sein: Die Stadt selbst füllt kaum einen halben Tag. Das Zentrum besteht aus einem Marktplatz, einer Barockkirche und einigen Cafés, in denen die Einheimischen nachmittags beim Kartenspiel sitzen. Doch niemand kommt deswegen hierher. Die Höhlen und die Burg Predjama locken jährlich über eine Million Besucher an und machen den Ort zur meistbesuchten Attraktion Sloweniens.
Dieser Stopp ist ideal für Familien, Geologie-Interessierte und alle, die etwas Abwechslung in ihre Slowenien-Rundreise bringen wollen. Wer jedoch auf der Suche nach pittoreskem Charme oder einem ausgeprägten Nachtleben ist, wird enttäuscht sein. Postojna dient vor allem als effizientes Basislager.
Ein Budget vorab planen
Die Preise für die Höhlen sind für die Region eher hoch: 33 €* für die Höhle allein, 47 €* inklusive Schloss Predjama, plus 6 €* für das Parken. Eine Übernachtung in einem vernünftigen Hotel kostet zwischen 60 und 100 €*, eine Mahlzeit im Restaurant schlägt mit 15 bis 25 €* zu Buche. Für zwei Personen solltest du mit einem Tagesbudget von 150 bis 200 €* rechnen.
Unter Tage: Die Höhlen von Postojna
Das unterirdische System erstreckt sich über 24 Kilometer. Die Führung deckt davon fünf Kilometer ab, wovon 3,7 Kilometer in einer kleinen elektrischen Bahn zurückgelegt werden. Diese Bahnstrecke wurde 1872 eingeweiht und war die weltweit erste, die unter Tage verkehrte. Die Fahrt in den offenen Waggons durch die riesigen Tropfsteinhallen ist das absolute Highlight.
Bei dem anschließenden einstündigen Rundgang durchquerst du den Konzertsaal, der Platz für 10.000 Menschen bietet, und stehst schließlich vor dem Brillanten, einem fünf Meter hohen weißen Stalagmiten, der als Wahrzeichen der Höhle gilt. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 95 Prozent und die Temperatur verharrt das ganze Jahr über bei 10 Grad Celsius. Pack also auch im Hochsommer eine Jacke ein.
Ein Tipp unter Freunden: Buche die erste Führung am Morgen, um den Massen zu entgehen. In der Hochsaison können sich an der Kasse Wartezeiten von über einer Stunde bilden.
An der Felswand: Die Burg Predjama
Neun Kilometer von den Höhlen entfernt klebt eine strahlend weiße Festung an einer 123 Meter hohen Felswand. Laut Guinness World Records ist sie die größte Höhlenburg der Welt. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut und erlangte Berühmtheit durch den Raubritter Erazem Lueger, der einer einjährigen Belagerung durch kaiserliche Truppen standhielt, weil ein geheimer Tunnel die Burg mit dem Tal verband.
Im Inneren kannst du eine Waffenkammer, eine Kapelle und eine Folterkammer besichtigen. Ein kostenloser Audioguide für das Smartphone ist verfügbar. Plane etwa eine Stunde für den Besuch ein. Die Höhle unter der Burg, die zweitlängste Sloweniens, ist aus Rücksicht auf die Fledermäuse nur von Juni bis August geöffnet.
In der Umgebung: Abseits der Hauptpfade
12 Kilometer nördlich liegt die Grotte von Planina, die größte Wasserhöhle des Landes. Sie ist weniger touristisch erschlossen als Postojna und bietet ein raueres Erlebnis. Das Militärhistorische Museum in Pivka ist in einer ehemaligen Kaserne untergebracht und zeigt Panzer, Flugzeuge und U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch die barocken, romantischen Ruinen von Schloss Haasberg sind für Fotofreunde einen Abstecher wert.
Die Höhlen von Škocjan, die zum UNESCO-Welterbe gehören, liegen 30 Kilometer entfernt. Sie sind weniger überlaufen und aufgrund ihrer Dimensionen absolut beeindruckend, was sie zu einer idealen Ergänzung für jeden Karst-Besuch macht.
Essen und Trinken in Postojna
Die kulinarische Auswahl ist überschaubar, aber solide. Das Restaurant and Pizzeria Minutka im Zentrum serviert eine Parmigiana und Gnocchi, die überzeugen. Einheimische empfehlen zudem das Gostilna Ob Kaminu, das idyllisch an einem See in einem Fichtenwald liegt und traditionelle slowenische Küche bietet.
Probier unbedingt die Jota, einen für die Karstregion typischen Eintopf aus Bohnen und Sauerkraut, sowie Štruklji, Teigrollen mit Nuss- oder Quarkfüllung. Das Proteus im Stadtzentrum führt zudem eine gute Auswahl an Weinen aus fünf verschiedenen slowenischen Regionen.
Unterkünfte in Postojna und Umgebung
Das Hotel Jama wurde 2016 komplett renoviert und liegt nur 100 Meter vom Höhleneingang entfernt. Ideal, wenn du morgens als Erster am Start sein willst. Das Hotel Kras bietet einen schönen Blick auf das Nanos-Plateau und ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Für Reisende mit kleinerem Budget bieten die Postojna Cave Rooms & Apartments Proteus funktionale Apartments in zehn Gehminuten Entfernung.
Der Camping Pivka Jama liegt in der Nähe eines weiteren Höhleneingangs und bietet Stellplätze für Zelte und Wohnmobile mit der üblichen Infrastruktur. Eine preiswerte Wahl für Van-Reisende.
Anreise und Mobilität
Von Ljubljana aus erreichst du Postojna über die Autobahn A1 in 45 Minuten (Ausfahrt 41). Denke an die Vignette, die für 7 Tage 16 €* kostet. Der Zug von Ljubljana braucht eine Stunde und kostet 6 €*, allerdings liegt der Bahnhof zwei Kilometer von den Höhlen entfernt. Der Bus ist bequemer, da er direkt vor dem Parkeingang hält.
Von Triest in Italien oder von Koper an der slowenischen Küste benötigst du jeweils etwa 40 Minuten mit dem Auto. In der Hochsaison verkehrt ein Shuttle zwischen den Höhlen und der Burg Predjama für 2 €* hin und zurück. Außerhalb der Saison kostet ein Taxi etwa 15 €*.
Wann ist die beste Reisezeit?
Frühling und Herbst bieten den besten Kompromiss: weniger Andrang in den Höhlen und angenehme Temperaturen an der Oberfläche. Im Juli und August kommen die Besuchermassen, was zu stündlichen Führungen und langen Warteschlangen führt. Der Winter ist ebenfalls möglich, da die Höhlentemperaturen konstant bleiben, allerdings schließt die Burg Predjama früher und die Höhle unter ihr bleibt im Winter geschlossen.
Postojna ist eine angenehme Stadt, aber was sie wirklich interessant macht, sind die Aktivitäten, die man in der Nähe unternehmen kann. Ich empfehle euch zuerst den Besuch der Höhlen, das ist ein super Erlebnis, ein Teil davon wird mit einer kleinen Bahn zurückgelegt. Verpasst auch nicht die Burg ganz in der Nähe, die aussieht, als würde sie direkt aus dem Fels kommen.