Kotor besuchen
Kotor und seine Bucht sind das Aushängeschild des kleinen Balkanstaates Montenegro. Auf den ersten Blick erinnert die Landschaft an einen norwegischen Fjord. Doch weit gefehlt: Kein Gletscher hat diese Küste der Adria geformt. Die spektakuläre Kulisse der Bucht von Kotor entstand durch das Überfluten eines tiefen Canyons, ein geologisches Phänomen, das als Ria bekannt ist. Die gesamte historisch-kulturelle und natürliche Region von Kotor gehört zum UNESCO-Welterbe.
Eine Stadt mit vielfältigen Einflüssen
Die Geschichte von Kotor ist wechselhaft. Die Stadt stand unter römischer und serbischer Herrschaft, bevor sie Teil der Republik Venedig wurde, wie viele andere Orte an der Adriaküste auch. Im 19. Jahrhundert stritten sich das österreichisch-ungarische und das französische Kaiserreich um die Vorherrschaft. 1918 wurde Kotor in Jugoslawien eingegliedert, bevor es 1945 an die Sozialistische Republik Montenegro zurückfiel. Massive Stadtmauern, die im Mittelalter auf Befehl des römischen Kaisers Justinian errichtet wurden, umschließen den historischen Kern noch heute und zeugen von den Konflikten vergangener Jahrhunderte.
Die Wanderung entlang der Stadtmauern ist ein absolutes Muss. Die Befestigungsanlage erstreckt sich über fünf Kilometer und führt hinauf zur Festung San Giovanni, die 280 Meter über der Bucht thront. Der Aufstieg über mehr als 1000 Stufen dauert etwa eine halbe Stunde, wird aber mit einem großartigen Ausblick auf die Berge belohnt, die steil in das ruhige Wasser der Adria abfallen. Für den Zugang zur Festung sind 8 Euro zu entrichten.
Nach diesem sportlichen Teil geht es zurück in die Altstadt, das Stari Grad. Die verwinkelten Gassen und der zentrale Waffenplatz laden zum Verweilen ein. Hier steht unter anderem der bekannte Uhrturm. Ebenfalls sehenswert sind das barocke Schifffahrtsmuseum, die Kathedrale des Heiligen Tryphon und die zahlreichen Kirchen der Stadt, die ein friedliches Miteinander von katholischem und orthodoxem Glauben widerspiegeln.
Ein Schatz des Balkans
Erkunde unbedingt auch die Bucht mit ihren vier Becken. Vor Ort bieten zahlreiche Agenturen Ausflüge mit dem Katamaran, Motorboot oder Kajak an. Ein lohnendes Ziel ist die Kirche Maria vom Felsen, die auf einer künstlichen Insel direkt vor dem malerischen Dorf Perast liegt.
Kotor war lange Zeit weitgehend unabhängig von seinem Hinterland, doch heute sind die Verbindungen gut ausgebaut. Es gibt zahlreiche Wanderwege, die in den Nationalpark Lovćen oder das Orjen-Gebirge führen. Die meisten Routen sind anspruchsvoll und erfordern Bergerfahrung. Eine gute Alternative ist es, den Abstieg zu wählen, wie etwa auf der Serpentinenstraße von Cetinje nach Kotor, die für ihre spektakuläre Aussicht bekannt ist.
Beste Reisezeit
Die Monate von April bis Oktober sind ideal für einen Besuch, da dann angenehme Temperaturen herrschen. Im Rest des Jahres ist es in diesem Teil Montenegros recht niederschlagsreich.
Anreise
Vom 1. Juni bis zum 30. September ist der Fahrzeugverkehr in der Innenstadt untersagt. Wer mit dem Flugzeug anreist, landet entweder im nahegelegenen Dubrovnik in Kroatien oder in Podgorica, das etwa eineinhalb Stunden entfernt liegt. Zwischen beiden Städten und Kotor verkehren regelmäßig Busse.
Kotor, eine Bucht voller Überraschungen. Man entdeckt das Meer, die Berge, das Flachland... Kotor ist auch ein wichtiger Teil der Geschichte des Balkans, ein Tor zur Geschichte, zu ihren Eroberungen, ihren Religionen, ihren Kulturen.
Kotor bietet einem die Sanftheit eines Bades im Meer, kilometerlange Wanderwege, Sonnenuntergänge und köstliche Meeresfrüchtegerichte.
Ich lade euch ein, die Festung, die Kathedralen, das Museum des Mittelalters, die Bucht und ihre Inseln zu entdecken...