Metz: Die goldene Stadt, die niemand auf dem Schirm hat
Das Licht fällt durch die Kirchenfenster und lässt den Boden der Kathedrale in tausend Farben erstrahlen. Sechstausendfünfhundert Quadratmeter Glasmalerei, vom 13. Jahrhundert bis zu den Entwürfen von Chagall. Diese Dimensionen beschreiben die Hauptstadt des Departements Moselle perfekt: Eine Stadt, die durch ihren Ehrgeiz, ihre bewahrte Schönheit und den besonderen Ockerton des Jaumont-Steins überrascht, der die Fassaden bei jedem Sonnenstrahl goldgelb leuchten lässt. Dreitausend Jahre Geschichte, ein selbstbewusstes Erbe deutscher Einflüsse und obendrein ein Centre Pompidou.
Metz: Die unterschätzte Perle, die einen Umweg lohnt
Reisende in Eile steuern oft direkt Strasbourg oder Nancy an. Das ist ein Fehler. Diese 120.000-Einwohner-Stadt bietet ein außergewöhnliches kulturelles Erbe ohne die Menschenmassen bekannterer Reiseziele. Das historische Zentrum ist an einem Tag zu Fuß erkundbar, doch zwei Tage sind ideal, um die Atmosphäre wirklich aufzunehmen.
Das Ziel eignet sich hervorragend für Liebhaber von Architektur und zeitgenössischer Kunst, für Paare auf der Suche nach einem kulturell bereichernden Wochenende sowie für Familien, die das Centre Pompidou-Metz besuchen möchten. Wer ein turbulentes Nachtleben sucht, wird enttäuscht sein: Nach 23:00 Uhr kehrt in der Stadt Ruhe ein. Ein Auto ist lediglich für Ausflüge in die Umgebung sinnvoll.
Ein sehr vernünftiges Budget
Plane mit 70 bis 110 Euro pro Tag für ein Paar. Gute Hotels im Zentrum kosten 60 bis 90 Euro pro Nacht, eine vollständige Mahlzeit mit regionalem Wein liegt bei 20-30 Euro pro Person. Der Eintritt in das Centre Pompidou kostet 12 Euro, während die meisten anderen Sehenswürdigkeiten kostenlos oder preisgünstig sind.
Die Colline Sainte-Croix: Das mittelalterliche Herz
Das älteste Viertel der Stadt überragt den Zusammenfluss von Moselle und Seille. Die schmalen Gassen führen hinauf zur place Sainte-Croix, die von mittelalterlichen Häusern in goldenen Tönen gesäumt wird. Dieser dreieckige Platz, der morgens oft menschenleer ist, bietet eine unerwartete Ruhe nur wenige Schritte vom geschäftigen Zentrum entfernt.
Das musée de la Cour d'Or erstreckt sich über mehrere historische Gebäude, die durch Stege miteinander verbunden sind. Die gallo-römischen Sammlungen gehören zu den bedeutendsten in Frankreich. Verpasse nicht den grenier de Chèvremont, eine außergewöhnlich gut erhaltene bemalte mittelalterliche Decke. Der Eintritt kostet 5 Euro und man sollte gute zwei Stunden für den Besuch einplanen.
Geheimtipp: Gehe die rue Taison hinunter Richtung place Saint-Louis. Diese gepflasterte, fast versteckte Gasse eröffnet eine der schönsten Perspektiven der Stadt.
Die Kathedrale und ihre Umgebung
Die cathédrale Saint-Étienne beeindruckt mit ihrer schieren Größe. Zweiundvierzig Meter Gewölbehöhe machen sie zum dritthöchsten Kirchenschiff Frankreichs. Vor allem aber sind es die Glasfenster, die in Staunen versetzen: Mittelalterliche Verglasungen treffen hier im Chorumgang auf die Werke von Marc Chagall.
Die angrenzende place d'Armes besticht durch ihre klassischen Arkaden. Das ehemalige Rathaus und das Parlament rahmen diesen majestätischen Platz ein, der im 18. Jahrhundert neu gestaltet wurde. Sobald das Wetter mitspielt, füllen sich hier die Straßencafés. Die Markthalle (marché couvert), nur wenige Schritte entfernt, ist von Dienstag bis Samstag geöffnet und bietet die besten regionalen Produkte.
Das deutsche Kaiserviertel
Dieser Teil der Stadt entstand während der deutschen Annexion nach 1871. Kaiser Wilhelm wollte Metz als Schaufenster des Kaiserreichs etablieren. Das Ergebnis ist ein ganzes Viertel mit monumentaler wilhelminischer Architektur, das heute zum UNESCO-Welterbe gehört. Der gare de Metz-Ville, ein massiver und prunkvoller Bau, bildet das Herzstück.
Die avenue Foch ist gesäumt von bürgerlichen Villen bis hin zum palais du Gouverneur. Was den Einwohnern von Metz lange Zeit ein Dorn im Auge war, ist heute ihr ganzer Stolz. Die neoromanische und neogotische deutsche Architektur tritt in einen Dialog mit den französischen Bauten aus der Vorkriegszeit. Der Kontrast verwirrt oder fasziniert, lässt aber niemanden kalt.
Geheimtipp: Mache einen Abstecher zum temple Neuf, einer protestantischen Kirche, die von den Deutschen auf einer Insel in der Mosel erbaut wurde. Der Blick von der Brücke, die dorthin führt, ist eines der meistfotografierten Motive der Stadt.
Pompidou-Metz und das Viertel Amphithéâtre
Das Centre Pompidou-Metz hat die Stadt seit 2010 grundlegend verändert. Das Gebäude von Shigeru Ban mit seinem geflochtenen Holzdach, das an einen chinesischen Hut erinnert, ist allein schon die Reise wert. Die Wechselausstellungen stehen denen in Paris in nichts nach. Der Eintritt kostet 12 Euro und die Sammlungen werden regelmäßig aktualisiert.
Das umliegende Viertel, ein ehemaliges Bahngelände, wurde komplett neu gestaltet. Der parc de la Seille bietet einen angenehmen Spazierweg bis zu den neu angelegten Uferbereichen. Hier gehen die Bewohner von Metz joggen, picknicken und genießen die sonnigen Tage.
Wo kann man in Metz essen und trinken?
Die lothringische Küche gibt sich bodenständig. Die echte quiche lorraine besteht nur aus Speck, Sahne und Eiern, ohne Käse. Die besten Exemplare findet man in traditionellen Bäckereien statt in Restaurants. Der pâté lorrain, eine Fleischpastete im Blätterteig, die in Weißwein mariniert wurde, passt perfekt zu einem Glas gris de Toul.
Auf der place Saint-Jacques konzentrieren sich die Terrassen und Brauereien. Für eine etwas exklusivere Adresse lohnt sich ein Blick in die Nähe der rue du Pont-des-Morts, wo in den letzten Jahren einige bistronomische Lokale eröffnet haben. Der marché couvert bleibt der ideale Ort, um Mirabellen, lokalen Käse und Wurstwaren für unterwegs zu kaufen.
Wo übernachten in Metz und Umgebung?
Die Gegend um die cathédrale und die place Saint-Louis bietet das intensivste Erlebnis der Altstadt. Das quartier impérial bietet Unterkünfte in charaktervollen Gebäuden, die oft geräumiger und günstiger als im historischen Zentrum sind.
Autofahrer finden interessante Optionen in Amnéville, etwa zwanzig Minuten nördlich, das für sein Thermalzentrum bekannt ist. Die Gästehäuser (chambres d'hôtes) in der lothringischen Landschaft bieten zudem die Möglichkeit, die lokalen Weinberge zu entdecken.
Wie kommt man nach Metz und wie bewegt man sich fort?
Der TGV verbindet Metz in 1h20 mit Paris-Est, was die Stadt zu einem idealen Wochenendziel von der Hauptstadt aus macht. Es gibt Direktverbindungen nach Luxembourg und Strasbourg. Der aéroport de Metz-Nancy-Lorraine bedient einige Ziele, bleibt aber in seinen Kapazitäten begrenzt.
Das Stadtzentrum lässt sich vollständig zu Fuß erkunden. Das Busnetz Le Met' verbindet die gesamte Agglomeration mit einem Ticket für 1,50 Euro. Parkplätze sind im Zentrum dank mehrerer Tiefgaragen gut erreichbar.
Wann ist die beste Reisezeit?
Mai, Juni und September bieten eine Kombination aus mildem Wetter und moderatem Besucheraufkommen. Der Sommer kann heiß werden, doch die schattigen Terrassen und das Moselufer bieten angenehme Rückzugsorte. Der marché de Noël verwandelt die Stadt im Dezember in eine weihnachtliche Kulisse mit einer authentischen germanischen Atmosphäre. Der lothringische Winter kann jedoch recht rau sein: Packe warme Kleidung ein, falls du zwischen November und März reist.
Ich mag die Stadt Metz sehr, da ich sie kulturell und architektonisch unglaublich bereichernd finde. Die Kathedrale ist fantastisch, genau wie das deutsche Viertel. Es gibt dort richtig gute Restaurants und viele Bars. Verpassen Sie außerdem nicht den Besuch im Centre Pompidou und im Musée de la Cour d'Or.