Orgnac-l'Aven, das Heimatdorf der einzigen Schauhöhle mit dem Prädikat Grand Site de France
Am 19. August 1935 stieg der Höhlenforscher Robert de Joly in einen Schacht hinab, den die Dorfbewohner den „trou du Bertras“ nannten. Niemand war jemals zuvor dort unten gewesen. Was er in 50 Metern Tiefe vorfand, verschlug ihm die Sprache: gigantische Hallen, tausendfache Tropfsteine und eine unterirdische Kathedrale, die über einen Zeitraum von 100 Millionen Jahren entstanden ist.
Die drei anwesenden Gemeinderäte unterzeichneten ein Protokoll, das die Entdeckung offiziell bestätigte. Vier Jahre später öffnete die Höhle ihre Pforten für das Publikum und begeistert seither ausnahmslos jeden Besucher.
Ein Ort für Geologie- und Geschichtsbegeisterte
Dieser Weiler mit gerade einmal 500 Einwohnern im Süden der Ardèche zieht ein ganz spezielles Publikum an. Ob passionierte Höhlenforscher, neugierige Familien oder Weinkenner, die eine ungewöhnliche Weinprobe suchen: Hier bist du genau richtig. Plan für den Besuch mindestens einen halben Tag ein. Wenn du die Höhle, das Museum und die verschiedenen Workshops in Ruhe erleben möchtest, solltest du einen ganzen Tag einplanen.
Ein eigenes Auto ist unerlässlich. Das Dorf liegt 8 km von Barjac und etwa 30 Minuten von Vallon-Pont-d'Arc entfernt. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es hier nicht. Im Sommer vervielfacht sich die Einwohnerzahl zwar, doch das weitläufige Gelände sorgt dafür, dass sich die Menschenmassen auf den schattigen Wegen gut verteilen.
Überschaubare Kosten für ein volles Programm
Der Pass Grand Site kostet 16,50 €* für Erwachsene und 11 €* für Kinder von 6 bis 17 Jahren. Dieser Tarif schließt den Eintritt in die Höhle sowie in die Cité de la Préhistoire ein. Für eine Übernachtung in einer Pension oder einem lokalen Hotel kommen noch einmal 60 bis 100 €* hinzu, während du für eine Mahlzeit mit 15 bis 25 €* rechnen musst.
Der Abstieg in den Bauch der Erde
700 Stufen klingen nach einer Menge, doch der Weg nach unten verläuft auf einem gesicherten Pfad mit Aussichtsplattformen völlig mühelos. Nach oben geht es bequem mit dem Aufzug. Die Führung dauert rund 1 Stunde und 15 Minuten und führt durch drei monumentale Hallen. Allein der erste Raum erstreckt sich über 10.000 m² und besitzt Deckenhöhen von bis zu 30 Metern.
Die Tropfsteine tragen fantasievolle Namen wie Pinienzapfen, Tellerstapel, 17 Meter hohe Riesenpalmen oder hauchdünne, ockerfarbene Vorhänge. In der Salle Rouge in 121 Metern Tiefe rundet eine Licht- und Tonshow den Rundgang ab. Die Temperatur im Inneren liegt das ganze Jahr über konstant bei 12 °C.
Ein Tipp unter Freunden: Wenn es draußen im Sommer 35 °C hat, solltest du für die Höhle unbedingt einen Pullover einpacken. Die Kühle unter der Erde erwischt unvorbereitete Besucher eiskalt.
Abenteuer für Wagemutige
Wem ein normaler Rundgang nicht ausreicht, der findet hier sportliche Alternativen. Der Anbieter ermöglicht dir eine 50-Meter-Abseilaktion durch den natürlichen Eingang der Aven-Höhle. Begleitet von einem staatlich geprüften Bergführer erlebst du den Nervenkitzel von Robert de Joly noch einmal nach. Der Blick aus luftiger Höhe auf die riesigen Hallen ist absolut unvergleichlich.
Die via corda führt Schwindelfreie 40 Meter über den Boden auf einem gesicherten Seilparcours durch die Höhlendecken. Das Finale mit einer Seilrutsche quer durch den großen Saal bleibt garantiert im Gedächtnis. Für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren bietet der Parcours Spéléominot ein dreistündiges Abenteuer in Höhlenbereichen, die für normale Besucher geschlossen bleiben.
Die Cité de la Préhistoire und die Mitmach-Workshops
Das als Musée de France ausgezeichnete Museum spannt einen Bogen über 350.000 Jahre Menschheitsgeschichte. Die Exponate stammen aus archäologischen Ausgrabungen in der Ardèche und im nördlichen Gard. Ob geschlagener Silex, Schmuck oder Bronzewerkzeuge: Die Vitrinen veranschaulichen die Entwicklung unserer Vorfahren vom Mittelpaläolithikum bis zur frühen Eisenzeit.
Museumspädagogen leiten praktische Outdoor-Workshops an. Ob Speerwerfen mit einer Speerschleuder, Feuermachen durch Schlag oder Reibung sowie das Bearbeiten von Feuerstein: Hier werden urzeitliche Handgriffe lebendig. Diese Vorführungen sind im Eintrittspreis enthalten und finden während der Schulferien statt.
Weinverkostung 50 Meter unter der Erde
Seit 2018 lagern in einem unterirdischen Stollen 15.000 Flaschen der Vignerons Ardèchois. Das Erlebnis Neovinum lädt zu einer Verkostung der Weine aus der Appellation AOC Côtes du Vivarais unter idealen Bedingungen ein: 12 °C, hundert Prozent Luftfeuchtigkeit und völlige Dunkelheit. Fernab vom Tageslicht nehmen deine Sinne den Wein ganz neu wahr.
Wo du in Orgnac-l'Aven essen und trinken kannst
Im Dorf gibt es drei Hotels und Restaurants. La Table du Clos des Bruyères kocht mit frischen und überwiegend regionalen Zutaten. Für ein komplettes Menü zahlst du hier 25 bis 40 €* pro Person. Die kommunale Winzergenossenschaft gehört zu den größten der Ardèche und verkauft Weine sämtlicher Weingüter der Umgebung mit dem Siegel AOC Côtes du Vivarais.
Zu den regionalen Spezialitäten gehören Olivenöl, sonnengereiftes Obst und Lavendelhonig. Direkt am Höhlengelände findest du ein Restaurant, einen Imbiss sowie schattige Picknickplätze unter Steineichen, was besonders bei Familien sehr beliebt ist.
Anreise und Fortbewegung in Orgnac-l'Aven
Das Gelände trägt das Gütesiegel Accueil Vélo und ist bestens auf Radreisende eingestellt. Mit dem Auto brauchst du von Montélimar aus über die N7 und Landstraßen rund 45 Minuten. Ab Orange dauert die Fahrt etwa eine Stunde. Aus Lyon bist du in zweieinhalb Stunden über die Autobahn A7 und die Abfahrt Montélimar-Sud am Ziel.
Die nächstgelegenen Flughäfen sind Nîmes (Fahrzeit 1 Stunde) und Marseille (1 Stunde 45 Minuten). Die Parkplätze am Höhleneingang und im Dorf sind kostenfrei. Dank 320 Photovoltaikanlagen, die 2016 installiert wurden, erzeugt das Areal seinen Strom inzwischen selbst.
Die beste Reisezeit
Das Besucherzentrum hat vom 1. Februar bis zum 15. November sowie während der Weihnachtsferien geöffnet. Die konstanten 12 °C in der Höhle machen den Ort zu einem idealen Ausflugsziel an heißen Sommertagen. Juni und September bieten den perfekten Kompromiss aus angenehmem Wetter und überschaubarem Andrang. Im April veranstaltet das Dorf mit dem fête du chien de chasse ein traditionsreiches Fest rund um die Jagdhunde.
Das Wort Aven weist auf das Vorhandensein einer Höhle hin. Und tatsächlich beherbergt dieses Dorf eine großartige Höhle, obwohl es davon in der Region wahrlich nicht wenige gibt. Sie werden von den wunderschönen Felsformationen begeistert sein. Die Cité de la Préhistoire vermittelt Ihnen zudem alles Wissenswerte mit klaren Erklärungen. Ein Ziel, das sich sowohl für Gruppen als auch für Familien lohnt!