Arcachon, ein Badeort, in dem die Zeit langsamer läuft
Der Geruch von Jod vermischt sich hier mit der würzigen Luft der Pinienwälder. Auf dem Bassin ziehen die Austernfischer ihre Gitterkörbe aus den flachen Booten. In der Ferne überragt die mächtige Sandformation der dune du Pilat (Düne von Pilat) mit ihren 110 Metern Höhe den Horizont. Arcachon lebt im Takt der Gezeiten, der Austernsaison und einer ganz eigenen französischen Lebensart. Hier nimmt man sich die Zeit zum Genießen, Spazieren und Staunen.
Arcachon: Das Ziel für Liebhaber von Meer und Entschleunigung
Dieser Badeort im Südwesten ist ideal für Familien und Naturliebhaber. Das bassin d'Arcachon bietet ruhige Gewässer, die perfekt für Kinder sind, während der Ozean auf der Seite des Cap Ferret die Surfer glücklich macht. Feinschmecker kommen bei den Austern aus dem Becken auf ihre Kosten, die zu den besten Frankreichs zählen.
Wer allerdings ein pulsierendes Nachtleben oder endlose, feine Sandstrände sucht, könnte enttäuscht werden. Das Becken ist ein Binnengewässer mit teils trübem Wasser, weit entfernt von türkisfarbenen Lagunen. Reisende, die es eilig haben, verpassen das Wesentliche: Dieses Ziel entfaltet seinen Charme erst über mehrere Tage, ganz im Rhythmus der Gezeiten.
Ein mittleres Budget für einen bekannten Ort
Plane für ein Paar etwa 100 bis 180 Euro pro Tag ein. Ein Dutzend Austern mit einem Glas Weißwein kosten in den Austernhütten zwischen 12 und 20 Euro. Das Mieten von Fahrrädern, ein Muss für die Erkundung der Umgebung, schlägt mit 15 Euro pro Tag zu Buche.
Die Ville d'Hiver: Exzentrische Villen und Kiefernwälder
Die auf den Anhöhen gelegene Ville d'Hiver (Winterstadt) ist das architektonische Kuriosum von Arcachon. Das Viertel entstand im 19. Jahrhundert für Tuberkulosekranke, die in der harzhaltigen Luft der Pinien Linderung suchten. Wohlhabende Wintergäste ließen dort extravagante Villen errichten, die maurische, koloniale und neugotische Stile miteinander verbinden.
Ein zweistündiger Spaziergang reicht aus, um diese architektonischen Extravaganzen zu bewundern. Die villa Teresa und die villa Toledo gehören zu den eindrucksvollsten Gebäuden. Der parc mauresque bietet einen weiten Blick über das Becken.
Tipp vom Experten: Hol dir den Plan der Villen im Fremdenverkehrsbüro. Ohne ihn läufst du an den verborgenen Schätzen vorbei, da sie oft hinter der üppigen Vegetation versteckt sind.
Die dune du Pilat: Ein Sandmonster
Die dune du Pilat ist die höchste Düne Europas. Sie wandert jährlich etwa 1 bis 5 Meter landeinwärts und verschlingt dabei nach und nach den Wald. Eine Holztreppe erleichtert den Aufstieg, doch Puristen erklimmen den Sand lieber direkt. Rechne mit 20 Minuten Anstrengung bis zum Gipfel.
Das Panorama entschädigt für den Aufstieg: das Becken auf der einen Seite, der Ozean auf der anderen und der banc d'Arguin in der Mitte. Der Sonnenuntergang hier ist unvergesslich.
Tipp vom Experten: Das Parken kostet mindestens 8 Euro. Komm früh morgens oder am späten Nachmittag, um Menschenmassen und Hitze zu entgehen. Der Sand kann unter der Mittagssonne extrem heiß werden.
Das Becken und seine Austerndörfer
Das bassin d'Arcachon beherbergt mehrere Dörfer, in denen die Austernzucht die Landschaft prägt. Gujan-Mestras, die Hauptstadt der Auster, reiht ihre bunten Häfen aneinander: Larros, Le Canal, La Barbotière. In den Degustationshütten werden fangfrische Austern mit Schwarzbrot und gesalzener Butter serviert.
Noch malerischer ist das village de l'Herbe auf der Halbinsel Cap Ferret. Die leuchtend bunten Fischerhütten säumen dort enge Gassen.
Die Île aux Oiseaux und die cabanes tchanquées
In der Mitte des Beckens liegt die île aux Oiseaux, die nur per Boot erreichbar ist. Ihre zwei cabanes tchanquées, die auf Pfählen im Wasser stehen, sind zum Wahrzeichen des Beckens geworden. Mehrere Anbieter organisieren Touren in traditionellen Pinassen, rechne mit 20 bis 35 Euro pro Person.
Strände: Becken oder Ozean
Arcachon bietet zwei sehr unterschiedliche Badeerlebnisse. Auf der Seite des Beckens bieten Strände wie Pereire oder die plage du Moulleau ruhiges, flaches Wasser. Das Fehlen von Wellen ist für Eltern beruhigend, doch das Wasser kann im Sommer etwas wärmer sein als erfrischend.
Auf der Ozeanseite, hinter der Düne von Pilat, ziehen die Strände von La Salie und Petit Nice Surfer an. Das Baden wird dort zwar überwacht, doch die Strömungen können tückisch sein.
Wo kann man in Arcachon essen und trinken?
Die huîtres du bassin (Austern aus dem Becken) bleiben die absolute Spezialität. Ob flach oder tief, sie schmecken am besten direkt in den Austernhütten der Häfen von Gujan-Mestras oder auf dem marché couvert (Markthalle) von Arcachon. Ein Glas Entre-deux-Mers oder ein weißer Graves sind die idealen Begleiter. Der pâté de Pauillac, eine Pastete auf Fleisch- und Gänseleberbasis, vervollständigt das lokale kulinarische Angebot.
Für ein gehobenes Essen stehen entlang der Strandpromenade zahlreiche Fischrestaurants bereit, wobei die Preise mit der Aussicht steigen. Das Viertel Moulleau ist ruhiger und verbirgt einige weniger touristische Adressen. Die Markthalle hat jeden Vormittag geöffnet und ist ideal, um sich ein hochwertiges Picknick zusammenzustellen.
Wo übernachtet man in Arcachon und Umgebung?
Das Stadtzentrum und die Uferpromenade konzentrieren die klassischen Hotels, die in der Saison recht teuer sind. Das Viertel Moulleau im Süden bietet eine wohnlichere Atmosphäre.
Für günstigere Preise bieten sich die umliegenden Gemeinden wie Gujan-Mestras oder La Teste-de-Buch an, die nur wenige Autominuten entfernt liegen. Camping ist in der Region sehr beliebt, es gibt zahlreiche hochwertige Anlagen in der Nähe der Düne.
Anreise und Fortbewegung in Arcachon
Der TER (Regionalzug) verbindet Bordeaux in 50 Minuten mit Arcachon, die Verbindungen sind häufig. Der Flughafen Bordeaux-Mérignac liegt 60 km entfernt. Mit dem Auto von Paris aus sind es über die A10 etwa 6 Stunden Fahrt. Das Parken im Stadtzentrum ist im Sommer schwierig und gebührenpflichtig.
Vor Ort ist das Fahrrad das beste Fortbewegungsmittel. Über 200 km Radwege verbinden die verschiedenen Gemeinden des Beckens. Ein Pendelboot überquert das Becken zwischen Arcachon und Cap Ferret in 30 Minuten.
Wann ist die beste Reisezeit?
Juni und September bieten den besten Kompromiss aus angenehmem Wetter und moderatem Besucherandrang. Der Sommer ist zwar schön, aber die Preise steigen stark an und die Düne von Pilat ist überlaufen. Der Winter hat für Liebhaber von stürmischem Ozeanwetter und Austern seinen ganz eigenen Charme, da die Hauptsaison für die Verkostung von November bis März dauert.
Touristenstadt, die auf den Ozean ausgerichtet ist, mit ihrem ganz eigenen Rhythmus. Hier gibt es keinen Stress, man entspannt sich einfach :)