Anduze besuchen: zwischen Cevennen, Bambus und protestantischer Tradition
Am Rande der Cevennen, im Département Gard, verbindet Anduze mittelalterliches Erbe mit mediterranem Lebensgefühl und den bewaldeten Höhenzügen des südlichen Zentralmassivs. Die Kleinstadt war lange Zeit ein Knotenpunkt zwischen Bergland und Ebene, was ihre handwerkliche Geschichte und die auch außerhalb der Urlaubssaison lebendige Atmosphäre erklärt.
Die Altstadt rund um den Tour de l'Horloge
Das historische Zentrum von Anduze erkundest du am besten zu Fuß. Der Tour de l'Horloge, ein Überbleibsel aus dem Mittelalter, überragt die verwinkelten Gassen. Direkt darunter befinden sich die places couvertes, wie der Place Couverte oder der Place Notre-Dame, wo heute Marktstände, Cafés und kleine Läden das Bild prägen. Ebenfalls sehenswert ist die église protestante, die an die starke hugenottische Identität der Stadt erinnert.
Mit dem Dampfzug durch die Schluchten
Die beliebteste Attraktion ist der Train à vapeur des Cévennes, der Anduze mit Saint-Jean-du-Gard verbindet und durch eine schroffe, grüne Landschaft führt. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde und verläuft entlang des Flusses Gardon. Ein Zwischenstopp lohnt sich bei der berühmten Bambouseraie de Prafrance, einem der größten Bambusgärten Europas, der direkt am Stadtrand liegt.
Wanderungen durch Flusstäler und Hügel
Wer gerne zu Fuß unterwegs ist, findet zahlreiche Pfade in der Umgebung. Der rocher de Saint-Julien bietet einen weiten Blick über das Tal des Gardon. Einfache bis mittelschwere Rundwege starten direkt ab dem Stadtzentrum. Im Sommer ist der Gardon ein beliebter Ort zum Baden, mit mehreren natürlichen Stränden, die nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt sind.
Starke Verwurzelung im lokalen Handwerk
Anduze ist bekannt für seine vases en terre cuite vernissée (bemalte Terrakottavasen), die hier seit dem 17. Jahrhundert hergestellt werden. Einige Werkstätten sind noch heute aktiv und können besichtigt werden, besonders im Norden der Stadt. Die typischen Formen mit ihren charakteristischen Verzierungen sind mittlerweile in vielen Gärten und Hotels der gesamten Region zu finden. Dieses Handwerk ist ein wesentlicher Teil der lokalen Identität.
Eine Küche zwischen Land, Fluss und Garrigue
Die Kulinarik in Anduze ist geprägt von Einflüssen aus den Cevennen und dem Mittelmeerraum. Auf der Speisekarte findest du pélardon (ein Ziegenkäse mit geschützter Herkunftsbezeichnung), die süßen oignons doux des Cévennes (Cevennen-Zwiebeln) sowie Gerichte mit châtaignes (Esskastanien), besonders im Herbst. Bei Fleischgerichten sind daube de sanglier (Wildschweinschmorbraten) oder agneau des causses (Lamm aus den Hochplateaus) verbreitet. Als Dessert begleiten pommes reinettes (Renetten-Äpfel) oder crèmes de marron (Kastaniencreme) oft das saisonale Gebäck.
Wo essen?
- La Rocaille (Zentrum): Gehobenes Bistro mit frischen Produkten, Tagesmenüs und einer schönen schattigen Terrasse.
- Le Cabanon (nahe des Gardon): Hausgemachte Küche, entspannte Atmosphäre, gute regionale Gerichte.
- Le Tamtam des Gourmets (Zentrum): Kleines, unauffälliges Restaurant, das für seine hausgemachten Desserts und seine saisonale Küche geschätzt wird.
Wo übernachten?
- Hôtel Les 3 Barbus (oberhalb der Bambouseraie): Panoramablick über die Schluchten, Restaurant im Haus, Außenpool.
- Apart'Hôtel Les 4 Sources (am Ufer des Gardon): Studio-Unterkünfte, ideal für Familien, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
- La Porte des Cévennes (an der Straße nach Saint-Jean-du-Gard): Komfortables Hotel mit Pool und freiem Blick auf die umliegenden Hügel.
Wann ist die beste Reisezeit?
Der Frühling (April bis Juni) und der Herbst (September bis Oktober) sind die angenehmsten Reisezeiten, mit mildem Klima und intensiven Farben. Der Sommer ist heißer und stärker besucht, besonders an Markttagen und während der Feierlichkeiten rund um den 14. Juli.
Anreise
Von Nîmes aus erreichst du Anduze mit dem Auto in etwa 45 Minuten oder mit dem Regionalbus über Alès. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Alès, der mit dem TER von Nîmes aus erreichbar ist. Von dort aus bringen dich Bus oder Taxi in das 15 km entfernte Anduze.
Unterwegs vor Ort
Das Stadtzentrum lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Um die Umgebung zu entdecken, ist ein Auto die beste Wahl. Zwar starten einige Wanderwege direkt in der Stadt, doch der öffentliche Nahverkehr ist außerhalb der Saison stark eingeschränkt.
Anduze ist der Startpunkt für den Train à vapeur des Cévennes, den man mit der Familie unbedingt machen sollte. Ganz in der Nähe des Dorfes findet man tolle Wanderwege und kann außerdem an paradiesischen Stellen in den Schluchten des Gardon baden. Es ist ein idealer Ort zum Campen, ich habe dort sogar meinen Lieblingscampingplatz mit direktem Zugang zum Fluss. Anduze ist auch für seine Vasen und vor allem für seine Bambouseraie bekannt.