China bereisen: Ein Reich, in dem die Antike auf die Moderne trifft
Stell dir ein Land vor, in dem futuristische Wolkenkratzer neben jahrtausendealten Tempeln stehen und Riesenpandas gemütlich Bambus kauen, während Hochgeschwindigkeitszüge mit 350 km/h an dir vorbeiziehen. China ist kein gewöhnliches Reiseziel, sondern ein völlig eigener Kosmos. Mit einer Fläche von 9,6 Millionen Quadratkilometern und 4 000 Jahren Geschichte konfrontiert dich das Reich der Mitte mit einer faszinierenden Realität: einer uralten Zivilisation, die den Fortschritt angenommen hat, ohne ihre Wurzeln zu kappen.
Ist China das richtige Reiseziel für dich?
China lässt niemanden kalt. Es begeistert neugierige Reisende, die echte Abenteuer suchen und bereit sind, ihre gewohnten Perspektiven herauszufordern. Wer eine durchgeplante Reise mit garantierten Abläufen erwartet, ist hier falsch. Die Sprachbarriere kann den Kauf eines Bahntickets zur Odyssee machen, die Menschenmassen an Sehenswürdigkeiten übersteigen oft das Vorstellungsvermögen und die Luftqualität in manchen Megametropolen kann überraschen. Doch gerade diese Komplexität sorgt für die nachhaltigsten Eindrücke.
Geschichtsinteressierte finden hier Schätze wie die Terrakotta-Armee oder die Grande Muraille (Chinesische Mauer). Feinschmecker entdecken eine Küche, die um Welten vielseitiger ist als das, was man aus lokalen Restaurants kennt. Und wer Ruhe sucht, verliert sich in den Gärten von Suzhou oder der Karstlandschaft von Guilin.
Beijing: Machtzentrum und Hüter der Erinnerung
Die chinesische Hauptstadt erwischt dich direkt nach der Landung. Zwischen den schnurgeraden Prachtstraßen und den Hutongs (traditionellen Gassen), die der Modernisierung trotzen, erzählt Beijing zwei Geschichten gleichzeitig. Der Platz des Himmlischen Friedens, Tian'anmen, beeindruckt durch seine schiere Größe: 440 000 Quadratmeter, auf denen staunende Touristen und unbewegliche Wachen aufeinandertreffen.
Die Cité interdite (Verbotene Stadt), auch Gugong genannt, bleibt das absolute Muss. Die 980 Gebäude mit ihren goldenen Ziegeldächern bewahren die Geheimnisse von 24 Kaisern. Sei früh da, denn die 80 000 täglichen Besucher sorgen besonders nahe dem Drachenthron für ein bemerkenswertes Gedränge.
Die verborgenen Schätze der Hauptstadt
Der Tempel des Himmels Tiantan bietet morgens ein einzigartiges Schauspiel: Ab 6:00 Uhr praktizieren die Pekinger dort Tai-Chi, traditionelle Tänze und Operngesang. Diese spontane Gemeinschaft ist mehr wert als jeder Museumsbesuch.
Der Profi-Tipp: Um den Massen an der Chinesischen Mauer zu entgehen, solltest du den Abschnitt von Jinshanling ansteuern statt Badaling. Die dreistündige Wanderung zwischen den Wachtürmen bietet atemberaubende Panoramen ganz ohne die omnipräsenten Selfie-Sticks.
Shanghai: Das Labor der chinesischen Zukunft
Diese ehemalige internationale Konzession mit 24 Millionen Einwohnern sprengt alle urbanen Normen. Der Bund, die Art-déco-Promenade gegenüber den Wolkenkratzern von Pudong, symbolisiert diese faszinierende städtische Schizophrenie perfekt. Auf der einen Seite das in Stein gemeißelte koloniale Erbe, auf der anderen das China des 21. Jahrhunderts, das in den Himmel strebt.
Das Französische Viertel bewahrt sich mit seinen hundertjährigen Platanen und Cafés, in denen echte Croissants serviert werden, einen unerwarteten Charme. Eine europäische Blase mitten in Asien, die an Nachmittagen zum entspannten Bummeln einlädt.
Die Lebensart in Shanghai
Die Nachtmärkte zeigen die Seele der Stadt. Der Markt an der Dongtai Road mischt zweifelhafte Antiquitäten mit echten Fundstücken in einer Atmosphäre wie in einem asiatischen Souk. Es ist ein sensorisches Erlebnis: der Geruch von Gewürzen, Handeln auf Mandarin und unerwartete Entdeckungen.
Xi'an und die Wunder von Shaanxi
Diese ehemalige Hauptstadt von dreizehn Dynastien hütet im Untergrund das wohl bestgehütete Geheimnis des alten Chinas. Die Armée de terre cuite (Terrakotta-Armee) des ersten Kaisers Qin fasziniert durch ihre Präzision: Jedes Gesicht eines Soldaten ist ein Unikat, modelliert vor 2 200 Jahren von Handwerkern, über die man fast nichts weiß.
Die Stadtmauern der Altstadt, perfekt erhalten auf 14 Kilometern Länge, lassen sich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden. Dieser erhöhte Weg bietet einen tollen Blick auf die Kontraste zwischen den historischen Vierteln und den modernen Erweiterungen, die an der umliegenden Landschaft nagen.
Der Profi-Tipp: Die Xiaochi (kleine Snacks) im muslimischen Viertel von Xi'an stehen der Pekinger Küche in nichts nach. Auf dem Nachtmarkt in der Beiyuanmen-Straße gibt es Teigtaschen, die mit ihren industriellen Verwandten absolut nichts gemein haben.
Die Postkartenlandschaften des Südens
Die Region um Guilin-Yangshuo macht Klischees zur Realität. Die Karstkegel, die wie grüne Kathedralen aus den Reisfeldern ragen, wirken wie die Kulisse eines Kampfkunstfilms. Eine Bootsfahrt auf dem Li-Fluss fühlt sich an wie ein lebendig gewordenes chinesisches Tuschegemälde, besonders wenn der Morgennebel die Gipfel einhüllt.
Yunnan, die Provinz an der Grenze zu Tibet und Myanmar, zeigt ein anderes Gesicht Chinas. In Dali und Lijiang bewahren ethnische Minderheiten ihre architektonischen Traditionen. Die geschnitzten Holzhäuser und gepflasterten Kanäle bilden einen Gegenpol zur urbanen Eintönigkeit der großen Metropolen.
Chengdu: Das Reich der Pandas
Die Aufzuchtstation für Riesenpandas ist eine Pilgerstätte, um die tiefe Verbundenheit der Chinesen zu ihrem Nationalsymbol zu verstehen. Diese verspielten Fellknäuel, die von Millionen Besuchern gefilmt werden, verkörpern das sympathische China, das die industrielle Dimension des Landes für einen Moment vergessen lässt.
China auf dem Teller: Eine Symphonie regionaler Aromen
Vergiss alles, was du über chinesisches Essen zu wissen glaubst. Jede Region hat ihre eigene kulinarische Identität: Die Pekinger Küche setzt auf dunkle Saucen und Peking-Ente, die Küche von Sichuan bringt mit ihren Chilis und dem Sichuan-Pfeffer die Geschmacksknospen zum Glühen, während Kanton auf die Frische von Meeresfrüchten setzt.
Die Dim Sum aus Hong Kong, die in dampfenden Bambuskörbchen serviert werden, machen das Frühstück zu einem sozialen Ritual. Die Hot Pot-Gerichte aus Sichuan bringen Familien und Freunde um einen würzigen Fond zusammen, in dem jeder seine liebsten Zutaten selbst gart.
Street Food offenbart die Seele des Landes: Jianbing (gefüllte Pfannkuchen) zum Frühstück, Baozi (gedämpfte Teigtaschen) zu jeder Tageszeit und die unzähligen gegrillten Spieße, die abends die Nachtmärkte in Duft hüllen. Jeder Bissen erzählt eine Geschichte von Handwerkskunst, die über Generationen weitergegeben wurde.
Wann ist die beste Reisezeit für China?
Der Frühling (April bis Juni) und der Herbst (September bis Oktober) bieten ideale Bedingungen für eine Reise durch das Reich der Mitte. Die Temperaturen sind mild, es regnet wenig und die Natur zeigt sich von ihrer schönsten Seite.
Der Sommer bringt im Süden drückende Hitze und Monsunregen, ist aber ideal, um Tibet und die Höhenregionen zu erkunden. Der Winter verwandelt den Norden in eine sibirische Landschaft, offenbart aber die kristalline Schönheit der Chinesischen Mauer im Schnee.
Vermeide unbedingt die beiden Golden Weeks (die erste Oktoberwoche und das Chinesische Neujahrsfest im Januar oder Februar): 1,4 Milliarden Chinesen machen gleichzeitig Urlaub und verwandeln jedes Touristenziel in einen Ameisenhaufen.
Wie kommt man nach China?
Von Paris nach Peking dauert ein Direktflug 11 Stunden mit Air France oder Air China. Auch Shanghai und Guangzhou werden täglich direkt angeflogen. Die Airlines aus dem Golfraum (Emirates, Etihad) bieten Verbindungen via Dubai oder Abu Dhabi an, die oft günstiger, aber zeitaufwendiger sind.
Hong Kong ist ein interessantes alternatives Einfallstor, um den Süden des Landes zu erkunden, mit dem Vorteil, dass für Aufenthalte von weniger als 90 Tagen kein Visum erforderlich ist.
Wie bewegt man sich in China fort?
Das chinesische Schienennetz beeindruckt durch seine Effizienz. Die Hochgeschwindigkeitszüge verbinden die wichtigsten Metropolen mit bis zu 300 km/h bei bemerkenswertem Komfort. Die Strecke Peking-Shanghai in 4:30 Stunden ist eine technische Meisterleistung, die sich vor europäischen Verbindungen nicht verstecken muss.
Für kurze Strecken übertreffen die ultramodernen U-Bahnen in den Großstädten oft ihre westlichen Pendants. Mobile Apps und englische Beschilderungen erleichtern die Navigation enorm, selbst wenn man kein Chinesisch spricht.
Das Flugzeug bleibt für entlegene Regionen wie Xinjiang oder Tibet unverzichtbar. Das dichte Inlandsnetz bietet wettbewerbsfähige Preise, besonders wenn man im Voraus bucht.