Puebla, die Stadt, die einen Krieg gewann und das Mole erfand
Am 5. Mai 1862 schlug eine schlecht ausgerüstete mexikanische Armee die französische Streitmacht, die damals als die mächtigste der Welt galt. Dieser unwahrscheinliche Sieg ereignete sich hier, auf den Hügeln von Puebla. Heute pflegt die viertgrößte Stadt Mexikos dieses Erbe mit Stolz und bewahrt gleichzeitig ein barockes historisches Zentrum, das zum UNESCO-Welterbe gehört.
Doch abseits der historischen Ereignisse ist es vor allem die Küche, für die sich ein Besuch in Puebla lohnt: Das mole poblano, eine sämige Soße aus Kakao, Chili und Dutzenden Gewürzen, entstand im 17. Jahrhundert in den Küchen eines hiesigen Klosters.
Ist Puebla das richtige Reiseziel für jeden?
Puebla begeistert Liebhaber kolonialer Architektur, mexikanischer Gastronomie und Kultur. Die Stadt zählt über 2000 historische Gebäude und rund 365 Kirchen. Wer ein turbulentes Nachtleben oder Strände sucht, wird hier nicht fündig. Der Tourismus ist überwiegend mexikanisch geprägt, was eine lokale Atmosphäre bewahrt, die in den Metropolen des Landes selten geworden ist.
Eilige Reisende besuchen Puebla oft als Tagesausflug von Mexico City aus. Ein Fehler. Die Dichte an Museen, Kirchen und exzellenten Restaurants rechtfertigt mindestens zwei Übernachtungen. Das centro histórico lässt sich hervorragend zu Fuß erkunden.
Eine konservative, aber gastfreundliche Stadt
Puebla gilt als religiös und traditionell. Man trifft hier auf weniger Partygänger als in Oaxaca, findet dafür aber eine sehr gastfreundliche Bevölkerung und deutlich niedrigere Preise als in der Hauptstadt. Eine Sprachbarriere kann auftreten, da Englisch nur selten gesprochen wird.
Wie sicher ist eine Reise nach Puebla?
Puebla gilt im Vergleich zu anderen mexikanischen Großstädten als relativ sicher. Im centro histórico ist eine ständige Polizeipräsenz und ein hohes Besucheraufkommen spürbar. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen gelten: Abgelegene Straßen bei Nacht meiden, auf die Wertsachen achten und für längere Strecken offizielle Taxis oder Uber nutzen.
Ein günstiges Budget für Mexiko
Plane 30 bis 50 Euro pro Tag für einen komfortablen Aufenthalt ein: 15-25 Euro für ein ordentliches Doppelzimmer, 5-10 Euro für drei reichhaltige Mahlzeiten. Der Eintritt zu den Sehenswürdigkeiten liegt meist zwischen 30 und 95 MXN (ca. 1,50-5 Euro), sonntags ist der Zugang oft kostenlos.
Das historische Zentrum und seine barocken Schätze
Der Zócalo, ein großer, schattiger Platz, ist der natürliche Ausgangspunkt. Die Kathedrale besitzt die höchsten Türme aller mexikanischen Kirchen. Ihr schlichtes Inneres bildet einen Kontrast zur Üppigkeit der Capilla del Rosario, die in der Kirche Santo Domingo liegt. Diese Kapelle aus dem 17. Jahrhundert ist vollständig mit Gold überzogen und wurde einst als achtes Weltwunder bezeichnet.
Die Biblioteca Palafoxiana wurde 1646 gegründet, beherbergt über 45.000 Bände und gilt als die erste öffentliche Bibliothek Amerikas. Das Museo Amparo überrascht mit seinen präkolumbischen und zeitgenössischen Sammlungen. Die Dachterrasse bietet einen freien Blick auf die Kirchtürme der Stadt. Sonntags ist der Eintritt frei.
Geheimtipp: Die unterirdischen Tunnel von Puebla, die lange als Legende galten, sind heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese 10 Kilometer langen Gänge können für etwa 30 MXN (ca. 1,50 Euro) besichtigt werden.
Stadtviertel zum Erkunden zu Fuß
Der Callejón de los Sapos verdankt seinen Namen den Kröten, die früher bei Überschwemmungen die Straße besetzten. Die bunten Häuser und Antiquitätenläden machen ihn zum meistfotografierten Ort in Puebla. Das Barrio del Artista in der Nähe des Marktes El Parián ist Treffpunkt für Kunststudenten. Dort findet man die preiswertesten Souvenirs, insbesondere die talavera-Keramik, die zum UNESCO-Erbe zählt.
Cholula und die größte Pyramide der Welt
Zehn Kilometer von Puebla entfernt birgt Cholula ein monumentales Geheimnis. Was wie ein Hügel mit einer Kirche auf der Spitze aussieht, ist in Wahrheit die Große Pyramide von Cholula, die mit einer Seitenlänge von 400 Metern die größte jemals errichtete Pyramide ist. Durch Tunnel kann man das Innere dieser Struktur erkunden, die aus sieben übereinander gelagerten Pyramiden besteht. Bei klarem Wetter reicht der Blick vom Vorplatz bis zu den Vulkanen Popocatépetl und Iztaccíhuatl.
Wo essen und trinken in Puebla?
Das mole poblano wird traditionell zu Huhn serviert. Die chiles en nogada, die von Juli bis September erhältlich sind, kombinieren gefüllte Chilis mit einer Nusssoße in den Farben der Landesflagge. Cemitas, üppige Sandwiches in Brioche-Brötchen, gibt es an jeder Ecke. Tacos árabes, ein libanesisches Erbe und Vorläufer des taco al pastor, sollte man bei Tacos Árabes Bagdad probieren. Für klassische poblanische Küche in gepflegtem Ambiente sind Casareyna oder El Mural del Poblano die richtige Wahl.
Wo übernachten in Puebla und Umgebung?
Das centro histórico ist die beste Wahl, da alles zu Fuß erreichbar ist. Charme-Hotels befinden sich oft in ehemaligen Kolonialhäusern. Rechne mit 25-40 Euro pro Nacht. Reisende mit eigenem Auto können auch in Cholula wohnen, das ruhiger gelegen ist und näher an den Vulkanen liegt.
Anreise und Fortbewegung in Puebla
Von Mexico City fahren stündlich Busse der Gesellschaft ADO. Die Fahrt dauert 2 bis 2,5 Stunden und kostet 200-400 MXN (ca. 10-20 Euro). Mit dem Auto benötigt man über die Autobahn etwa 1 Stunde 45 Minuten. In der Stadt ist man im Zentrum zu Fuß am besten unterwegs. Uber funktioniert einwandfrei. Nach Cholula kostet ein lokaler Bus 6 MXN (ca. 30 Cent).
Wann ist die beste Reisezeit?
Die Trockenzeit von November bis April bietet mit 20-25 Grad am Tag die besten Bedingungen. Die Regenzeit bringt von Juni bis September tägliche Schauer. Der Cinco de Mayo verwandelt die Stadt mit historischen Schlachtnachstellungen und Volksfesten.
Das Stadtzentrum von Puebla, das zum UNESCO-Welterbe gehört, ist sehr angenehm zu besuchen. Es gibt Straßen oder Fußgängerzonen wie den Zocalo (teilweise), schöne religiöse Gebäude wie die Kathedrale oder auch die Kirche Santo Domingo (danke an Céline für den Tipp).
Die Kolonialarchitektur ist ziemlich gut erhalten und die Azulejos an einigen Gebäuden erinnern ein wenig an Lissabon. Von manchen Orten aus hat man einen beeindruckenden Blick auf die Vulkane Popocatepetl (der noch aktiv ist!) und Iztaccihuatl.