Indonesien: 17.000 Inseln und unzählige Möglichkeiten, sich zu verlieren
Ein Archipel so groß wie Europa, das sich über 5.000 Kilometer durch den Ozean zieht. Vulkane, die mitten in der Nacht blaue Flammen spucken. Orang-Utans, die dich aus den Baumkronen von Sumatra beobachten. Und überall dieser Duft von Weihrauch, der sich mit den Gewürzen mischt, die in den Warungs braten. Die meisten Reisenden kommen wegen Bali, doch wer sich Zeit nimmt, entdeckt ein Land, in dem jede Insel ihre eigene Geschichte erzählt.
Indonesien: Ein riesiger Spielplatz, aber nicht für jeden
Dieses Land ist für Entdecker gemacht, die das Unvorhersehbare mögen. Abseits der Touristenpfade ist die Infrastruktur oft rudimentär, Fahrten können dreimal länger dauern als geplant und westlicher Komfort ist nicht garantiert. Wenn du von einsamen Stränden träumst, die du mit dem Roller erreichst, von Treks auf aktive Vulkane und Begegnungen mit unberührten Kulturen, dann bist du hier richtig. Suchst du hingegen einen Pauschalurlaub mit Pool und makellosem Service, bleibst du besser im Süden von Bali oder auf Lombok.
Das Land ist mehrheitlich muslimisch geprägt, mit Ausnahme von Bali, wo der Hinduismus den Alltag bestimmt. Die Indonesier sind unglaublich gastfreundlich und oft neugierig auf Fremde, aber stell dich darauf ein, dass man dich besonders abseits der klassischen Routen häufig um ein Foto bitten wird. Die tropische Hitze und die ständige Luftfeuchtigkeit können zudem anstrengend sein, wenn man nicht daran gewöhnt ist.
Ein günstigeres Reiseziel als der Rest Südostasiens
Für Backpacker liegen die Kosten bei etwa 20 bis 30 Euro pro Tag: Das reicht für Schlafsaalplätze in Hostels, Mahlzeiten in lokalen Warungs und Fahrten mit Bus oder Fähre. Mit einem Budget von 50 bis 80 Euro pro Tag leistest du dir komfortable Privatzimmer mit Klimaanlage, einige Ausflüge und touristisch orientierte Restaurants. Aktivitäten wie Tauchen, geführte Treks oder Kreuzfahrten nach Komodo treiben die Ausgaben jedoch schnell in die Höhe.
Die Vulkane, die Java zum Beben bringen
Die Insel Java bietet einige der intensivsten Erlebnisse des Landes. Der Mont Bromo ist bei Sonnenaufgang eine Mondlandschaft: eine rauchende Caldera, Aschenwüsten und ein grollender Krater. Die Anreise von Malang oder Probolinggo beginnt mitten in der Nacht, aber angesichts dieses Panoramas verfliegt jede Müdigkeit.
Weiter östlich hütet der Kawah Ijen ein Geheimnis, das nur wenige Vulkane teilen. Zwischen 2:00 und 4:00 Uhr morgens lodern dort blaue Flammen aus dem Schwefel, ein geradezu unwirklicher Anblick. Die Schwefelträger, die dort unter extrem harten Bedingungen arbeiten, erinnern einen jedoch daran, dass dieser Ort weit mehr als nur eine Touristenattraktion ist.
Ein kleiner Tipp: Buche ab Yogyakarta eine dreitägige Kombi-Tour, die den Bromo, den Ijen und einen Wasserfall einschließt. Das spart Zeit und erspart dir logistische Herausforderungen zwischen den beiden Zielen.
Yogyakarta, die kulturelle Hauptstadt
Für Yogyakarta solltest du mindestens zwei Tage einplanen. Der buddhistische Tempel von Borobudur, das größte buddhistische Monument der Welt, lässt sich am besten im Morgengrauen besuchen, um den Menschenmassen zu entgehen und die Morgenstimmung zu genießen. Nur 45 Minuten entfernt ragen die Türme des hinduistischen Tempelkomplexes Prambanan in den Himmel. Die Stadt selbst ist voller Kunstgalerien, traditioneller Tanzvorführungen und Straßen, in denen Street-Art auf lebhafte Märkte trifft.
Sumatra: Das Reich der Menschenaffen
Sumatra zieht alle an, die Orang-Utans in ihrem natürlichen Lebensraum sehen wollen. Das Dorf Bukit Lawang dient als Ausgangspunkt für mehrtägige Treks durch den Gunung Leuser Nationalpark. Die Primaten, denen du dort begegnest, sind oft halbwild und wurden nach ihrer Rettung aus Gefangenschaft wieder ausgewildert. Der Blickkontakt mit einem Orang-Utan ist ein ganz besonderer Moment, den man nicht so schnell vergisst.
Weiter nördlich liegt der Toba-See, der vor 75.000 Jahren in einer vulkanischen Caldera entstand. Dieser Kratersee ist der größte der Welt und beherbergt in seiner Mitte die Insel Samosir, auf der das Volk der Batak seine Traditionen bewahrt. Die Atmosphäre ist dort friedlich und wirkt fast zeitlos. Viele Reisende bleiben dort deutlich länger als ursprünglich geplant.
Bali und seine Nachbarn: Abseits der Klischees
An Bali kommt man nicht vorbei, aber der Süden ist überlaufen mit Hotels, Verkehrsstaus und Souvenirverkäufern. Um den Kern der balinesischen Kultur zu finden, solltest du nach Norden oder ins Landesinnere fahren. Die Reisterrassen von Jatiluwih, die zum UNESCO-Welterbe gehören, bieten leuchtend grüne Landschaften. Das Dorf Sebatu, nur 20 Kilometer von Ubud entfernt, ist vom Massentourismus bislang überraschend unberührt geblieben.
Die Nusa-Inseln locken mit spektakulären Klippen. Nusa Penida bietet atemberaubende Aussichtspunkte, aber die schlechten Straßen erfordern Vorsicht, wenn du mit dem Roller unterwegs bist. Nusa Ceningan und Nusa Lembongan sind eher etwas für Reisende, die Ruhe und gute Schnorchelplätze suchen.
Die Gili-Inseln und Lombok
Die drei Gili-Inseln haben ihre Rollen klar verteilt: Gili Trawangan für Partys, Gili Air als ausgewogene Mischung aus Lebendigkeit und Ruhe, Gili Meno für Stille und Meeresschildkröten. Autos sind auf allen drei Inseln verboten. Lombok ist die weniger entwickelte Alternative zu Bali, mit weißen Sandstränden im Süden und dem Mont Rinjani für erfahrene Wanderer.
Flores und Komodo: Abenteuer am Ende des Archipels
Die Insel Flores liegt abseits der Touristenpfade, obwohl sie landschaftlich beeindruckend ist. Die kurvenreiche Straße, die die Insel durchquert, führt an kunstvollen Reisfeldern, traditionellen Dörfern und Seen mit wechselnden Farben vorbei. Labuan Bajo ist das Tor zum Komodo-Nationalpark, wo bis zu drei Meter lange Warane die Herrscher sind.
Bei einer zweitägigen Kreuzfahrt kannst du die Beobachtung der Warane mit Schnorcheltrips an unberührten Riffen und Übernachtungen unter freiem Sternenhimmel an Deck verbinden. Die Unterwasserwelt in dieser Region zählt zu den artenreichsten der Welt. Mantarochen und Schildkröten lassen sich hier regelmäßig blicken.
Ein kleiner Tipp: Die Togian-Inseln, die du von Sulawesi aus nach drei Tagen Reise erreichst, bieten Weltklasse-Tauchreviere fernab der Menschenmassen. Plane dafür Zeit und Geduld ein.
Sulawesi: Die Insel der Rituale
Das Land der Toraja in den Bergen im Süden von Sulawesi fasziniert durch seine einzigartigen Bestattungsriten. Die Verstorbenen werden dort oft monate- oder sogar jahrelang in den Familienhäusern aufbewahrt, bevor sie in aufwendigen Zeremonien beigesetzt werden, bei denen Wasserbüffel und Schweine geopfert werden. Die in die Felswände gehauenen Gräber und die hölzernen Totenfiguren prägen die Landschaft auf bizarre Weise.
Im Norden der Insel liegt Bunaken, ein Meerespark mit einer Sichtweite von oft bis zu 30 Metern. Taucher finden hier Haie, Schildkröten, Rochen und eine außergewöhnliche marine Artenvielfalt.
Indonesien auf dem Teller: Das Reich von Sambal und gebratenem Reis
Nasi Goreng, gebratener Reis, verfeinert mit Kecap Manis (süßer Sojasauce) und serviert mit einem Spiegelei, ist das Standardgericht zu jeder Tageszeit. Satay, gegrillte Spieße mit einer cremigen Erdnusssauce, gibt es an jeder Straßenecke. Rendang, das ursprünglich aus Sumatra stammt, ist ein stundenlang in Kokosmilch und Gewürzen geschmortes Rindfleischcurry, das regelmäßig zu einem der besten Gerichte der Welt gekürt wird.
Jede Region hat ihre eigenen Spezialitäten. In Padang servieren Restaurants eine Vielzahl von Gerichten direkt auf deinem Tisch, und du zahlst nur das, was du tatsächlich gegessen hast. Auf Bali ist Babi Guling (gewürztes Spanferkel) ein Highlight. In den Warungs, kleinen Familienbetrieben, bekommst du komplette Mahlzeiten schon für weniger als 2 Euro.
Auch der indonesische Kaffee ist einen Versuch wert. Die Bohnen aus Toraja, Sumatra oder Java ergeben kräftige, erdige Kaffeesorten. Der Kopi Tubruk, bei dem das Kaffeepulver direkt in der Tasse mit heißem Wasser aufgegossen wird, bleibt die traditionelle Zubereitungsmethode.
Wann ist die beste Reisezeit für Indonesien?
Die Trockenzeit erstreckt sich auf dem Großteil des Archipels von Mai bis Oktober. Die Monate Juni bis September sind ideal für Vulkantouren und Treks. Die Regenzeit von November bis März bringt zwar tägliche Schauer, die aber nicht unbedingt dauerhaft sein müssen. Manche Reisende schätzen diese Zeit wegen der günstigeren Preise und der weniger überlaufenen Orte.
Das Klima unterscheidet sich je nach Insel. Bali und Lombok haben ausgeprägte Jahreszeiten, während es auf Sumatra und Kalimantan das ganze Jahr über feucht ist. Zum Tauchen bietet die Zeit von April bis September die beste Sicht. Vermeide die indonesischen Schulferien im Dezember und Januar, wenn du ruhige Strände suchst.
Wie kommt man nach Indonesien?
Es gibt keine Direktflüge von Deutschland nach Indonesien. Rechne mit einer Reisezeit von 15 bis 18 Stunden mit einem Zwischenstopp in Amsterdam, Singapur, Kuala Lumpur, Doha oder Dubai. Die Ticketpreise schwanken je nach Saison zwischen 600 und 900 Euro. Garuda Indonesia, Singapore Airlines, Emirates und Qatar Airways bieten die komfortabelsten Verbindungen.
Die meisten internationalen Flüge landen in Jakarta oder Denpasar. Deutsche Staatsangehörige benötigen für touristische Aufenthalte bis zu 30 Tagen ein Visum, das meist unkompliziert bei der Einreise oder vorab online erhältlich ist. Reisende aus Österreich oder der Schweiz prüfen am besten die Bestimmungen für ihre eigene Staatsangehörigkeit. Für längere Aufenthalte ist ein Visum erforderlich, das etwa 35 Euro kostet und vor Ort verlängert werden kann.
Wie bewegt man sich in Indonesien fort?
Inlandsflüge sind das schnellste Mittel, um zwischen den Hauptinseln zu reisen. Lion Air, Citilink und Batik Air bieten günstige Tarife, wenn du im Voraus buchst. Sei bei kleinen Propellermaschinen auf Nebenstrecken vorsichtig, da deren Sicherheitsbilanz oft zu wünschen übrig lässt.
Auf Java bietet das Schienennetz der Kereta Api Indonesia eine komfortable Verbindung zwischen Jakarta, Yogyakarta und Surabaya. Fähren verbinden die Nachbarinseln, doch die Überfahrten können lang und einfach ausgestattet sein. Lokale Busse sind kostengünstig, aber auf langen Strecken oft langsam und unbequem.
Auf den Inseln ist der Roller das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Die Miete kostet zwischen 4 und 8 Euro pro Tag. Es herrscht Linksverkehr und der Verkehr kann chaotisch sein. Die Apps Grab und Gojek funktionieren in den Städten hervorragend für Fahrten mit dem Motorrad-Taxi oder einem Auto mit Fahrer.