Belle-Île-en-Mer, wo Monet seine Pinsel in den Sturm hielt
Im Jahr 1886 kam Claude Monet für einen geplanten zweiwöchigen Aufenthalt auf diese Insel im Morbihan. Er blieb 74 Tage, gefesselt von einem Licht und einem Meer, das er als unglaublich farbenfroh beschrieb. Neununddreißig Gemälde entstanden in dieser Zeit, von denen einige heute zu den bedeutendsten Werken der französischen impressionistischen Kunst zählen.
Warum sich ein Besuch auf der größten bretonischen Insel lohnt
Mit einer Länge von 17 Kilometern und einer Breite von 9 Kilometern bietet die Insel eine bemerkenswerte landschaftliche Dichte. Die zerklüftete wilde Küste im Südwesten, versteckte Buchten mit türkisblauem Wasser im Nordosten, windgepeitschte Heidelandschaften und grüne Täler wechseln sich auf kurzen Wegen ab.
Die Insel profitiert von einem Mikroklima, das mediterrane Pflanzen gedeihen lässt. Feigenbäume, Schmucklilien und Tamarisken wachsen hier neben typisch bretonischer Heide und Ginster. Diese klimatische Milde zog über Jahrzehnte hinweg Künstler und Persönlichkeiten an, von Gustave Flaubert bis hin zu Sarah Bernhardt.
Die wilde Küste und die Aiguilles de Port Coton
Hier hat Monet Tag für Tag seine Staffelei aufgestellt und dem Wind und der Gischt getrotzt. Die Aiguilles de Port Coton ragen mit ihren zerfetzten Silhouetten aus dem Atlantik empor. Ihr Name leitet sich von der durch Stürme aufgewirbelten Gischt ab, die wie Baumwollflocken aussieht. Das Naturschauspiel ist besonders beeindruckend, wenn das Meer aufgewühlt ist und die Wellen mit lautem Getöse gegen die Felsen schlagen.
Der Grand Phare de Goulphar, 52 Meter hoch, überragt diese geformte Küste. Über 213 Stufen gelangst du zu einem Panoramablick über die gesamte wilde Küste. Nicht weit entfernt liegt die grotte de l'Apothicairerie (Apothekergrotte), deren Name von den Kormorannestern stammt, die einst wie Apothekergefäße an den Felswänden aufgereiht waren.
Die Pointe des Poulains und das Erbe von Sarah Bernhardt
An der Nordspitze der Insel ragt die Pointe des Poulains wie der Bug eines Schiffes in den Ozean. 1894 verfiel die Schauspielerin Sarah Bernhardt, damals auf dem Höhepunkt ihres Weltruhms, dem Charme eines stillgelegten Militärforts inmitten der Wellen. Sie verbrachte dort dreißig Jahre lang ihre Sommer und empfing in dieser wilden Abgeschiedenheit Künstler und Intellektuelle.
Das Espace muséographique Sarah Bernhardt befindet sich heute in der Villa des Cinq Parties du Monde, die einst für die Gäste der Göttlichen errichtet wurde. Eine etwa einstündige Audioguide-Führung beleuchtet das Leben dieser Vorkämpferin, gesprochen von der Schauspielerin Fanny Ardant.
Häfen und charaktervolle Dörfer
Le Palais, das historische Eingangstor
Le Palais ist der Ankunftshafen für die Fähren vom Festland. Überragt von der imposanten Citadelle Vauban, bewahrt dieser Ort mit seinen gepflasterten Gassen ein einzigartiges militärisches Erbe. Die Festung, die im 16. Jahrhundert erbaut und 1683 von Vauban verstärkt wurde, beherbergt heute ein Museum zur tausendjährigen Geschichte der Insel.
Sauzon, der Charme eines Fischerhafens
Die Häuser mit ihren pastellfarbenen Fassaden in Sauzon spiegeln sich im ruhigen Wasser des Hafens. Kenner schätzen diesen Ort besonders für seine kulinarische Vielfalt. Wenn die Abendsonne die Kais in goldene und rosa Töne taucht, ist dies ein Moment, den Fotografen nicht verpassen sollten.
Ein kleiner Tipp: Im Sommer ermöglicht die direkte Fährverbindung zwischen Quiberon und Sauzon eine Anreise in 30 Minuten, ohne den Umweg über Le Palais. Das ist ideal für eine Tageswanderung in Richtung Pointe des Poulains.
Wandern auf dem GR 340
Der Küstenwanderweg umrundet die gesamte Insel auf 85 Kilometern. Plane etwa 4 bis 5 Tage ein, um die gesamte Strecke zu bewältigen. Wer weniger Zeit hat, kann sich auf den Abschnitt zwischen Sauzon und der Pointe des Poulains konzentrieren, der in 1,5 Stunden machbar ist, oder die wilde Küste zwischen Port Coton und Donnant erkunden.
Hinweis: Seit Juni 2022 sind Wanderstöcke mit Metallspitzen auf dem gesamten Küstenpfad verboten, um den empfindlichen Boden zu schützen. Gummipuffer sind weiterhin gestattet.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
Ich habe ein paar Tage auf der Insel verbracht und hätte noch viel länger bleiben können. Es gibt dort so viel zu entdecken, besonders wenn man gerne wandert. Es gibt einen Wanderweg, der über die ganze Insel führt. Man kann sich vor Ort auch ein Fahrrad mieten. Die Landschaften sind magisch und haben etwas herrlich Wildes.