Wasi Pillpi: Im Geheimnis der Schmetterlingsflügel im Nebelwald
Nur fünfzehn Gehminuten von Aguas Calientes entfernt, auf dem Weg, der sich in Richtung der Inka-Zitadelle schlängelt, öffnet sich ein Holztor zu einer Welt voller Farben. Das Schmetterlingshaus von Machu Picchu, auf Quechua Wasi Pillpi genannt, beherbergt eine der außergewöhnlichsten lebenden Schmetterlingssammlungen Südamerikas. Hier, mitten im Naturschutzgebiet, flattern über 400 Arten zwischen den Zweigen, von denen rund hundert weltweit nirgendwo sonst vorkommen.
Warum sich dieser Besuch lohnt
Das Zentrum wurde 2006 von der lokalen Organisation Hijos del Sol de Machupicchu (Kinder der Sonne von Machu Picchu) gegründet und wird von dem Biologen Leonardo Serrano Gutiérrez geleitet. Es ist weit mehr als eine reine Touristenattraktion. Es handelt sich um ein lebendiges Labor, in dem Wissenschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen. Die in Gefangenschaft gezüchteten Schmetterlinge werden im Schutzgebiet freigelassen, um die wilden Populationen zu stärken.
Jeder Besuch finanziert direkt diese Arbeit zum Erhalt bedrohter Arten, wie etwa den Battus Madyes Monteban, einen schwarzen, endemischen Falter, der sich ausschließlich von einer sehr seltenen lokalen Pflanze ernährt, der Aristolochia Killipiana.
Für Familien mit Kindern ist dies eine faszinierende pädagogische Erfahrung, die den archäologischen Besuch von Machu Picchu wunderbar ergänzt.
Der gesamte Zyklus der Metamorphose direkt vor Ihren Augen
Der etwa zwanzigminütige geführte Rundgang gewährt Einblicke in die Metamorphose. In der Interpretationshalle veranschaulichen bunte Infografiken die peruanische Biodiversität, die ökologische Bedeutung der Schmetterlinge und die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind. Eine Sammlung von über 100 präparierten Exemplaren bereitet Sie auf das vor, was folgt.
Das Zuchtlabor
Hinter Glasscheiben offenbaren Raupen ihre spektakulären Überlebensstrategien. Einige tragen giftige Stacheln, andere ahmen Vogelkot nach, um Fressfeinden zu entgehen. Die Puppen hängen wie organischer Schmuck herab, manche golden, andere durchscheinend. Mit etwas Glück erleben Sie den Schlupf eines Schmetterlings, einen magischen Moment, in dem sich die verknitterten Flügel langsam entfalten.
Der Freiflugbereich
Der Höhepunkt ist das Tropenhaus, in dem die Schmetterlinge frei umherfliegen. Dutzende Arten flattern zwischen den Blumen: der majestätische Eulenfalter (Caligo) mit seinen Augenflecken, die die Augen eines Raubvogels imitieren, die leuchtend blauen Morphofalter und die Heliconius-Falter mit ihren roten und schwarzen geometrischen Mustern. Bleiben Sie einen Moment still stehen, und vielleicht landet einer auf Ihrer Schulter oder Hand.
Tipp vom Experten: Planen Sie Ihren Besuch zwischen 8:00 und 11:00 Uhr morgens, wenn die Schmetterlinge am aktivsten sind und das Licht wunderschön durch das Blätterdach filtert. Vermeiden Sie die Regenzeit (Oktober bis März), in der sich die Falter deutlich seltener zeigen.
Ein Ruhepol am Ufer des Vilcanota
Nach der Führung lohnt sich ein Aufenthalt in der thematischen Cafeteria, die direkt über dem Rio Vilcanota thront. Das Rauschen des Wassers, das über die Felsen stürzt, begleitet den Genuss frischer Tropensäfte. Es ist ein erstklassiger Beobachtungsposten für Vögel: Riesenkolibris, bunte Tangaren und mit etwas Glück der Tunki, der orangefarbene Andenklippenvogel, der als Wappentier Perus gilt.
Ein Pfad führt am Fluss entlang und ermöglicht einen kurzen Verdauungsspaziergang inmitten der üppigen Vegetation. Denken Sie jedoch an lange Hosen: In diesem feuchten Gebiet sind die Mücken sehr aktiv.