Das Jugendstil-Juwel der brasilianischen Öko-Hauptstadt
Seit 1991 überragt diese Kathedrale aus Glas und Stahl eine weitläufige, sorgfältig gestaltete Grünanlage von 278.000 Quadratmetern. Das Hauptgewächshaus, das vom Londoner Kristallpalast inspiriert wurde, erhebt sich inmitten von Gärten im französischen Stil. Hier erzählt jedes geometrische Blumenbeet von einer Stadt, die Ökologie zu ihrem Markenzeichen gemacht hat. Der Botanische Garten von Curitiba ist weit mehr als nur ein beliebtes Ausflugsziel. Er ist das lebendige Symbol einer Metropole, die auf Nachhaltigkeit setzt.
Architektur im Dienste der Artenvielfalt
Die imposante Jugendstil-Konstruktion umfasst 458 Quadratmeter und beherbergt unter ihren drei Glaskuppeln die Schätze der Mata Atlântica, des brasilianischen Atlantischen Regenwaldes. Im Inneren sorgt ein kontrolliertes Klima dafür, dass Bromelien, Palmen und Baumfarne in konstanter tropischer Feuchtigkeit gedeihen. Besucher schlendern durch Gänge, in denen das gefilterte Licht bewegliche Schatten auf den Mosaikboden wirft.
Von den oberen Galerien aus bietet sich ein direkter Blick auf die Außenanlagen, wo die perfekte Symmetrie der französischen Gärten besonders zur Geltung kommt.
Hinter dem Gewächshaus präsentiert der Espace culturel Frans Krajcberg (Kulturraum Frans Krajcberg) die Dauerausstellung "La Révolte". In diesem eiförmigen Tunnel prangern über hundert Skulpturen aus verkohlten Bäumen die Abholzung mit roher Gewalt an. Der polnisch-brasilianische Künstler hat die Narben des Waldes in ein visuelles Manifest verwandelt.
Das Botanische Museum, ein wissenschaftlicher Schatz
Über einen Holzsteg, der über den Koiteich führt, erreichen Besucher das Botanische Museum. Es bewahrt das viertgrößte Herbarium Brasiliens auf. Mit fast 400.000 getrockneten und katalogisierten Exemplaren zieht die Sammlung Forscher und Botaniker aus aller Welt an. Das Auditorium dient regelmäßig als Veranstaltungsort für Konferenzen zur Erhaltung der endemischen Arten des Bundesstaates Paraná. Die Fachbibliothek umfasst jahrzehntelange Forschungsarbeiten zur brasilianischen Flora.
Themengärten und sensorische Räume
Jenseits der obligatorischen Postkartenmotive offenbart der Park mehrere verschiedene Bereiche:
- Der Garten der Sinne: Dieser 2008 eröffnete Bereich, der von lebenden Hecken begrenzt wird, lädt zum Tasten, Riechen und Hören ein. Aromatische Pflanzen, unterschiedliche Texturen und das Murmeln von Wasser regen alle Sinne an.
- Der Bromeliengarten: Eine beeindruckende Sammlung von Arten mit leuchtenden Farben. Diese Verwandten der Ananas fangen Regenwasser in ihren Blattrosetten auf.
- Der geschützte Kiefernwald: Ein Hain mit jahrhundertealten Araukarien, der an die ursprüngliche Vegetation der Region vor der Urbanisierung erinnert.
- Die schattigen Wege: Ideal für das morgendliche Joggen oder einen kontemplativen Spaziergang zwischen duftendem Brasilianischem Pfefferbaum und einheimischen Palmen.
Ein kleiner Tipp: Komme zur Öffnung gegen 6:00 Uhr morgens im Sommer. Der Tau glitzert noch auf den Blütenblättern, das flache Licht verwandelt das Gewächshaus in eine goldene Laterne und du triffst vor allem auf Einheimische bei ihrem täglichen Lauftraining. Die Stimmung ist völlig anders als der Touristenansturm am Nachmittag.
Familien schätzen den Spielplatz und die großen Rasenflächen, die zum Picknicken einladen. Fotografen suchen den perfekten Winkel vor dem zentralen Springbrunnen, während Sportler das Velodrom und die angelegten Plätze nutzen. Jeder findet seinen eigenen Rhythmus in dieser städtischen Lunge, in der der freie Eintritt den Zugang zu Schönheit für alle ermöglicht.
Öffnungszeiten
*Angaben können sich ändern
In Curitiba kann es schnell sehr heiß werden, daher ist ein Besuch im Botanischen Garten ideal, um mal ein bisschen durchzuatmen. Ein Blumenbeet, das Versailles würdig wäre, ein schönes Gewächshaus, in dem Arten der Mata Atlântica untergebracht sind, und eine Galerie mit botanischen Zeichnungen. Leider war der Garten der Sinne an dem Tag, als ich dort war, geschlossen.