Le Luco, hundert Statuen und das lebendige Gedächtnis von Paris
Wenn der Parkwächter morgens um 7:00 Uhr die Tore mit ihren neu vergoldeten Spitzen öffnet, gehört der Jardin du Luxembourg noch ganz den Joggern und den Spatzen. Die Luft riecht nach feuchter Erde und Platanen. Niemand hat es eilig. Vielleicht ist das der beste Moment, um zu verstehen, warum die Pariser ihrem Park den liebevollen Spitznamen le Luco gegeben haben.
Warum den Jardin du Luxembourg besuchen?
Das 23 Hektar große Gelände zwischen Saint-Germain-des-Prés und dem Quartier latin befindet sich seit 1799 im Besitz des Sénat (französischer Senat) und empfängt jedes Jahr mehrere Millionen Besucher. Sein Ursprung ist florentinisch: Marie de Médicis, die ihre toskanische Heimat vermisste, erwarb 1612 das Stadtpalais des Herzogs von Luxemburg, um dort einen Palast nach ihrem Vorbild zu errichten. Die Gestaltung der Gärten vertraute sie Jacques Boyceau de la Barauderie an, der sich am Jardin de Boboli im italienischen Florenz orientierte.
Nach Umgestaltungen durch André Le Nôtre im Jahr 1635 und weitreichenden Änderungen unter Haussmann in den 1860er Jahren beherbergen die Gärten heute über 100 Statuen und Denkmäler, einen Lehrgarten für Obstbau, eigene Bienenstöcke, Gewächshäuser und eine weltweit bekannte Orchideensammlung.
Drei Gärten in einem
Das Gelände lässt sich wie drei übereinandergelegte Welten lesen. Die zentrale Achse vor dem Palast folgt dem französischen Gartenstil mit geometrischen Blumenbeeten, einem runden Wasserbecken und strengen Sichtachsen. Im Westen, zur rue Guynemer hin, übernimmt der englische Landschaftsstil mit geschwungenen Wegen und naturbelassenen Waldstücken. Im Süden runden eine offene Rasenfläche und ein hundertjähriger Obstgarten mit Spalierbäumen das Bild ab.
Hier versteht man, warum der Luco weit mehr als ein gewöhnlicher Park ist. Da sind die grünen Stühle mit Rückenlehne, die man sich in die Sonne zieht. Die Schachspieler, die seit Jahrzehnten an denselben Tischen sitzen. Und die Kinder, die kleine Holzsegelboote auf dem großen Becken steuern, eine Tradition, die bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreicht.
Die Medici-Fontäne und weitere Statuen
Die fontaine Médicis, seit 1889 unter Denkmalschutz und in den Jahren 2020-2021 restauriert, ist einen genaueren Blick wert. Ihr langes, schattiges Becken wird von Platanen flankiert, deren Äste sich wie ein Gewölbe darüber schließen. Im Hintergrund inszeniert die Skulpturengruppe von Auguste Ottin die Szene Polyphème surprenant Acis et Galatée: Ein Zyklop aus Bronze beugt sich in einer Pose vollkommener Eifersucht über das Paar, während die Liebenden eng umschlungen im grünen, flackernden Licht verweilen.
Der restliche Park gleicht einem Freilichtmuseum. Diese Werke solltest du nicht verpassen:
- Die statue de la Liberté (Freiheitsstatue): Eine neuere Kopie erinnert daran, dass Bartholdi hier seine ersten Entwürfe für das Geschenk an Amerika anfertigte (das Original befindet sich seit 2012 im Musée d'Orsay).
- Die reines de France (Königinnen von Frankreich): Zwanzig Marmorfiguren, die seit 1848 eine doppelte Reihe um die Terrasse bilden und den Blick starr auf das Wasserbecken richten.
- Die fontaine de l'Observatoire am südlichen Rand mit ihren bronzenen Pferden, die förmlich aus der Erde zu springen scheinen.
Das Leben im Park: Bienen, Orchideen und Musik
Die serres (Gewächshäuser) an der Ecke rue Auguste-Comte und boulevard Saint-Michel beherbergen eine der wichtigsten Orchideensammlungen Frankreichs. Sie sind für die Öffentlichkeit während der saisonalen Ausstellungen zugänglich, die von den Gärtnern des Senats organisiert werden. Die ruchers (Bienenstöcke) des Geländes produzieren einen Honig, der jeden Herbst bei einem beliebten öffentlichen Verkauf angeboten wird.
Der kiosque à musique (Musikpavillon) bietet von Mai bis September an den Wochenenden kostenlose Konzerte. Wir finden, dass dies eines der angenehmsten Erlebnisse ist, die man sich in Paris gönnen kann, ohne auch nur einen Cent auszugeben. Die ersten Klänge tragen weit durch die morgendliche Stille.
Tipp vom Experten: Komm an einem Wochentag direkt zur Parköffnung. Der Garten ist fast menschenleer, das weiche Licht fällt durch die Kastanienalleen und du kannst dir deinen Stuhl genau an den Platz stellen, der dir am besten gefällt. An Samstagen und Sonntagen im Sommer ist es rund um das zentrale Becken sehr voll.
Was das Luco besonders macht
- Der Eintritt ist an jedem Tag des Jahres komplett kostenlos.
- Die renovierten Gitter und Mauern (Programm 2021-2024) lassen die vergoldeten Spitzen wieder glänzen.
- Die restaurierte fontaine Médicis erstrahlt in neuem Glanz.
- Die einzigartige Stimmung, in der Studenten, Senioren, Familien und Touristen entspannt zusammenkommen.
- Das vielfältige Angebot an Konzerten, Gartenbauausstellungen, Imkerei und Obstbaukursen.
Was du beachten solltest
- Großer Andrang an sonnigen Wochenenden, besonders in der Nähe des zentralen Beckens.
- Gewächshäuser und Orangerie sind nur bei speziellen Veranstaltungen zugänglich.
- Das Programm zur Baumpflanzung auf der Ostseite läuft noch, daher wirken manche Alleen vorübergehend etwas licht.
Eintritt und kostenpflichtige Aktivitäten: Preisübersicht
| Aktivität | Richtpreis |
|---|---|
| Eintritt in den Garten | Kostenlos |
| Kinderspielplatz (Ludo Jardin) | Kostenpflichtig (ermäßigter Tarif für Anwohner des 6. Arrondissements) |
| Verleih von Segelbooten (zentrales Becken) | Etwa 4 Euro / 30 Min. |
| Tennisplätze | Auf Reservierung, variabler Stundentarif |
| Marionettentheater | Etwa 5-6 Euro pro Kind |
Alle Preisangaben ohne Gewähr und vorbehaltlich von Änderungen.
Öffnungszeiten
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Der Jardin du Luxembourg ist definitiv einer meiner Lieblingsparks in Paris. Wenn man im Sommer die Sonne genießen will, ist das super möglich. Wenn man auch bei Regen spazieren gehen möchte, kann man sich problemlos unter den Bäumen unterstellen. Wenn man einfach nur ein bisschen lesen oder entspannen will, kann man sich auf die berühmten grünen Stühle setzen. Kurz gesagt, verpasst es auf keinen Fall, dort bei euren Aufenthalten in Paris vorbeizuschauen.